Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 2. Oktober 2015


Georg E. Kaczmarek gehört zu der Gruppe, die in der ersten Julihälfte für zwei Wochen am Erlangen-Haus Russisch gelernt und einen Kurs in Landeskunde absolviert haben. Offenbar gefielen ihm Land und Leute so sehr, daß der Erlanger unlängst beschloß, ein weiteres Mal nach Rußland zu reisen. Allerdings per Pkw und ganz ohne Visum. Nicht einmal seinen Reisepaß benötigte er, denn der größte Flächenstaat der Erde liegt innerhalb der bundesrepublikanischen Landesgrenzen, ganz oben im Norden, auf der Halbinsel Schwansen an der Ostsee, und die Handvoll Einwohner dort spricht plattgefärbtes Deutsch. Wie das? Die Homepage des Fernwehparks in Hof, wo es sogar einen Wegweiser nach Rußland gibt, verrät mehr: http://is.gd/tBzG30
Rußland 1

Ursprünglich waren die Ländereien am Meer mit einigen Katen darauf adliges Gutsland, aber schon kurz nach der Aufhebung der Leibeigenschaft in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurde das Land verkauft, und mit dem dritten Eigentümer, dem Tischler Johann Niclas Nippart, erhielt das Fleckchen im Jahre 1815 den noch heute geltenden Namen „Rußland“. Nippart nämlich war – wahrscheinlich im Zuge der napoleonischen Kriege – aus dem fernen Ösel gekommen, einer Ostseeinsel, westllich vor dem damals zum Zarenreich gehörenden Estland gelegen. In der Gemeinde Holzdorf, zu der Rußland gehört, gibt es aber auch noch andere kuriose Ortsbezeichnungen: „Bommerlund“ zum Beispiel oder „Walachei“. Namen für nur ein oder zwei Häuser manchmal, die außerhalb des eigentlichen Ortes verstreut in der bäuerlichen Gemeinde in sanft hügeligem Gelände zwischen Moor und kleinen Waldgebieten liegen.

Rußland 2

Um dem Weiler Rußland zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen, könnte die Bundesregierung ja eines der nächsten Gipfeltreffen mit Staatsgästen aus Moskau dort oben, im Norden Deutschlands, veranstalten. So nebenbei würde der Genius loci sicher auch die eine oder andere Verkrampfung auf höchster politischer Ebene lösen. Ganz im Geist der vor 25 Jahren so erfolgreichen „Strickjackendiplomatie“ von Helmut Kohl und Michail Gorbatschow im Kaukasus, fernab der Metropolen, ein Geist der Verständigung, ohne den die Wiedervereinigung, die wir morgen mit Gästen aus Wladimir ab 11.00 Uhr im Redoutensaal feiern, nicht denkbar gewesen wäre. Rußland ist eben überall in Deutschland – und in Erlangen ganz besonders.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: