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Archive for 4. September 2015

Mit der Biene schlafen


Während der Sprachreise nach Wladimir in den ersten beiden Juliwochen sorgte das Team des Erlangen-Hauses neben dem Unterricht immer für Abwechslung, – touristischer und landeskundlicher Art. Zur letzteren gehörte z.B. der Programmpunkt „Besuch eines Bienenstandes mit Honigprobe“. Nun kann man denken, Bienen beim Umherfliegen zuzusehen oder auch Waben, aus denen der Honig tropft, zu begutachten, sei nicht gerade der Knüller. So etwas hat man ja schon öfter gesehen. Aber man kann ja auch mal mitfahren, eine entspannte Landpartie genießen und zur Ruhe kommen. So etwas kam mir gerade recht. Zwei Autos warteten vor dem Erlangen-Haus, ausreichend, weil nicht alle mitfahren wollten oder konnten.

Fuhrmann Konstantin Asta

Fuhrmann Konstantin Astachow

Also, das erste Fahrzeug war der VW-Bus von Konstantin (Kostja) Astachow. Und damit mehr Leute mitfahren können, hat Kostja einfach noch ein Sofa hinter Fahrer- und Beifahrersitz gestellt. Dieses Arrangement hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann das Sofa einfach herausnehmen und als Sitzplatz für den Grillmeister verwenden, z.B. beim russischen Abend.

Konstantin Astachow

Konstantin Astachow

Nach den Sicherheitsvorkehrungen habe ich gar nicht erst gefragt, sondern bin gleich zu Irina Chasowa, der Chefin des Erlangen-Hauses, mit ihrem „normalen“ Auto und habe dort um einen Platz gebeten. Die Fahrt ging dann doch eine dreiviertel Stunde in den Landkreis Susdal, zu dem Dörflein Zibejewo. Wie Irina diesen Weiler im Niemandsland ohne Navi gefunden hat, ist mir nicht erklärlich. Jedenfalls warteten der Imker, Alexander Michajlowitsch Noskow, und seine Frau schon auf uns.

Beim Imker Alexander

Beim Imker Alexander Noskow

Zuerst bekamen wir alle Gesichtsschleier, und Alexander öffnete einen Bienenstand. Auf Nachfrage, wieviel Bienen er denn sein eigen nenne, meinte er, so um die Million könnten es schon sein. Aber dann kam etwas sehr überraschendes, eine kleine Holzhütte im hinteren Teil des Gartens. Nur groß genug für ein Bett. Dieses sei das Schlaftherapiezentrum. Er garantiere, daß man dort innerhalb von fünf bis zehn Minuten in einen gesunden Tiefschlaf falle.

Georg Koppmann im Bienenstockbett

Georg Koppmann im Bienenstockbett

Viele von Schlaflosigkeit geplagte Menschen kommen zu ihm, sogar aus Moskau und von weiter her. Was ist nun das Geheimnis? Alexander sagt, man schlafe praktisch auf zwei Bienenstöcken, und sowohl die konstante Summfrequenz wie auch die Innenluft des Bienenstockes seien von dieser hypnotischen Einschlafwirkung. Man solle nur das kleine Fenster etwas auflassen, damit eine einzelne, verirrte Biene auch wieder herausfinde. Zu 99,9% gehe der Bienenverkehr aber über das außenliegende Flugloch. Natürlich habe ich das auch ausprobiert, und schon nach ein paar Minuten wollte ich schlafen, kann aber auch wegen der Hitze gewesen sein oder meiner beginnenden Müdigkeit. Es war jedenfalls ein angenehmes Gefühl. Für das Photo hat sich dann nochmal Georg Koppmann auf das Bett gelegt.

Honigverkostung mit Irina Chasowa

Honigverkostung mit Irina Chasowa

Georg ist selbst Hobbyimker und hat sich auch positiv über diese Anwendung ausgesprochen. Aber wir wollten ja nicht schlafen, sondern auch noch die Honigprobe machen. Dazu hatte Alexanders Frau eine Menge Blinys, Pfannkuchen, gebacken und dazu drei verschiedene Honigsorten auf den Tisch gestellt. Zusammen mit schwarzem Tee eine absolute Delikatesse.

Russischer Honig. Quelle: po-prostomu.ru

Russischer Honig. Quelle: po-prostomu.ru

Bei den Gesprächen stellte sich dann heraus, daß Alexander einige Jahre im im Russischen Dorf des Europa-Parks Rust gearbeitet hatte. Dazu konnte er viele Anekdoten erzählen. Natürlich mußten wir zum Abschied auch noch den gesunden Honigschnaps probieren. Gesund ist er vielleicht, aber auf jeden Fall auch stark. Ich bin froh, daß sich Irina zurückgehalten hat. Im Auto erzählte sie dann noch, daß Alexander regelmäßig mit 15 kg Honig zum Erlangen-Haus komme, um die Sammelbestellungen zu bedienen. Alles in allem ein wirklich interessanter Ausflug. Danke Euch Organisatoren dafür.

Hans Gruß

 

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