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Archive for September 2015


Als sich am Montag der neue Stadtrat von Wladimir konstituierte und Olga Dejewa zu seiner Vorsitzenden wählte, saß da mit Schamil Chabibullin auch jemand, der mit seinen gerade einmal 25 Jahren zu den aussichtsreichen Nachwuchspolitikern der Partnerstadt zählt und bereits mit allen Wassern gewaschen ist. Schon 2011, so verriet er nämlich dieser Tage dem Internetportal „Pro Wladimir“, sei er in seinem Wahlkreis angetreten und habe nur 60 Stimmen Rückstand auf seinen Konkurrenten gehabt. Dann kamen die Nachwahlen zum Regionalparlament, wo er wieder ein Niederlage hatte einstecken müssen. Doch nun zählte sich wohl aus, die vergangenen vier Jahre dazu genutzt zu haben, sich intensiv um sein „Revier“ zu kümmern, denn das Ziel ist erreicht, er gehört jetzt zu den 35 Mitgliedern des Stadtrates und sitzt als einer der vier Kommunisten im Gremium.

Schamil Chabibullin, Photo: Dmirtij Resnikow

Schamil Chabibullin, Photo: Dmirtij Resnikow

Das klingt nach Opposition, aber im Interview gibt Schamil Chabibullin zu verstehen, sein Quartett wolle konstruktiv mit der Mehrheitsfraktion von Einiges Rußland und mit den übrigen Parteien zusammenarbeiten. Wer ihn kennt, glaubt ihm das auch gerne, zumal den Jungpolitiker bei allen ideologischen Differenzen eines mit der neuen Oberbürgermeisterin verbindet: die Nähe zu Erlangen. Der frischgebackene Stadtrat war nämlich mit seiner Band „Metamorphis“ im Vorjahr zu Gast beim Newcomer-Festival im E-Werk und entdeckte in Erlangens Oberbürgermeister, Florian Janik, jemanden, mit dem er zumindest den musikalischen Geschmack teilt. Für die Politik war an dem Abend noch keine Zeit, aber das fügt sich bestimmt auch noch.

Florian Janik und Schamil Chabibullin

Florian Janik und Schamil Chabibullin

Die E-Gitarre will Schamil Chabibullin nicht an den Nagel hängen. Im Gegenteil. Er bedauert, daß heuer wegen seiner Belastung durch den Wahlkampf das Festival „Kaltblut“ ausfiel, aber wenn im Spätherbst die Erlanger Band „Actin Myosin“ nach Wladimir kommt, hilft er sicher wieder bei der Organisation der Konzerte, und im nächsten Jahr gibt es auch bestimmt eine Neuauflage des Festivals, vielleicht dann erstmals sogar mit Beteiligung aus Erlangen. In jedem Fall hat die Rockmusik nun eine starke Stimme im Stadtrat von Wladimir. Ganz im Geist, wenn auch leicht abgewandelt, von Ian Dury: Politics and Rock and Roll!

Schamil Chabibullin (2. v.l.) und seine Band Metamorphis auf der Kellerbühne im E-Werk

Schamil Chabibullin (2. v.l.) und seine Band Metamorphis auf der Kellerbühne im E-Werk

Und hier geht es darum gleich mit allen guten Wünschen für den Jungstadtrat zu einem kurzen Mitschnitt vom Konzert im E-Werk, November 2014 mit Schamil Chabibullin an der Rhythmusgitarre bei dem Coversong „Breed“ von „Nirvana“. Reinhören und abrocken, wenn auch der Sound gegenüber dem Act on Stage zurückfällt: http://is.gd/s476U3 – Wer dranbleibt, kriegt noch mehr auf die Ohren!

 

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Frauen hatten in der Wladimirer Lokalpolitik in den vergangenen drei Jahrzehnten, also zumindest so weit, wie das Gedächtnis der Städtepartnerschaft zurückreicht, immer eine starke Stellung. Man denke an Wera Sorina, Jelena Potapowa, Wera Guskowa, Galina Kotschetkowa und Jelena Owtschinnikowa als Bürgermeisterinnen oder an Margarita Malachowa, die langjährige Vorsitzende des Stadtrats. Seit gestern nun ist auch die Stadtspitze weiblich. Zumindest zur Hälfte.

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Olga Dejewa

Wladimir wird nämlich, wie schon viereinhalb Jahre vorher, die nächsten fünf Jahre erneut von einem Tandem regiert, der gestern vom Stadtrat aus seiner Mitte gewählten Olga Dejewa und dem in der konstituierenden Sitzung des Gremiums im Amt bestätigten Stadtdirektor, Andrej Schochin, beide Mitglieder der Mehrheitsfraktion, Einiges Rußland, die bei der kommunalen Abstimmung am 13. September 26 der 35 Sitze gewonnen hatte.

Olga Dejewa und Andrej Schochin, das neue Führungstandem gestern nach der Wahl

Olga Dejewa und Andrej Schochin, das neue Führungstandem gestern nach der Wahl

Auf erste Fragen der Journalisten nach der Arbeitsteilung und Hierarchie erwiderte der bewährte City-Manager nicht ohne Humor: „Olga Dejewa ist nach der Satzung des Stadtrates unser Stadtoberhaupt und die oberste Repräsentatin Wladimirs, während ich für das Fegen der Stadt zuständig bin, für das Aufräumen. Ich weiß nicht, wer für wen wichtiger ist. Wir haben nicht zu definieren vor, wer von uns wichtiger sei. Wichtig ist für uns nur, zusammenzuarbeiten.“

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Jelena Owtschinnikowa

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Jelena Owtschinnikowa

Die Zusammenarbeit mit Erlangen ist Olga Dejewa jedenfalls vertraut. Seit vier Jahren leitet die 1958 geborene Politikerin das Sozialwerk der Partnerstadt und hat ehrenamtlich, unterstützt durch den Erlanger Förderverein, mit großem Erfolg den Ortsverband des Russischen Roten Kreuzes reaktiviert. Daneben – ebenfalls in ihrer Freizeit – engagierte sie sich in der Zivilgesellschaftlichen Kammer der Region Wladimir und vertritt diese sogar auf föderaler Ebene. Mit all diesen Erfahrungen kennt die studierte Wirtschafts- und Finanzwissenschaftlerin die Sorgen und Nöte der Bevölkerung wie kaum jemand und verfügt sicher über die notwendige Kompetenz, um die Partnerstadt zu regieren. Nur an der Zeit wird es ihr fehlen, denn auch ihr neues Amt als Vorsitzende des Stadtrates und protokollarische Chefin Wladimirs soll sie – so beschlossen vom vorhergehenden Stadtrat in dessen letzter Sitzung – ebenfalls ehrenamtlich bekleiden, also vor Dienstbeginn im Sozialwerk um 9.00 Uhr und nach 17.00 Uhr, sprich: am Feierabend und am Wochenende. Ob eine derartige Belastung den Praxistest besteht, wird sich weisen. Olga Dejewa jedenfalls will sich der Herausforderung stellen.

Jelena Owtschinnikowa, Melitta Schön und Olga Dejewa

Jelena Owtschinnikowa, Melitta Schön und Olga Dejewa

Florian Janik, gratulierte seiner neuen Kollegin und Andrej Schochin bereits zur Wahl und lud beide ein, möglichst bald die deutsche Partnerstadt zu besuchen. Aber Erlangens Oberbürgermeister dankte auch Sergej Sacharow, der sich nach viereinhalb Jahren im Amt des Stadtoberhaupts nicht mehr zur Wahl gestellt hatte, in einem Schreiben für die erfolgreiche Zusammenarbeit vor allem im Bereich der Zivilgesellschaft und des Jugendaustausches. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen, komme ja, so Florian Janik, dem internationalen Miteinander auf kommunaler Ebene eine besondere Bedeutung zu. Das wissen auch Olga Dejewa und Andrej Schochin, die beide für die Kontinuität des partnerschaftlichen Gebens und Nehmens stehen. Und das ist schön zu wissen.

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In welcher Stadt am besten und am günstigsten Urlaub machen? Das russische Tourismusportal http://www.trivago.ru beantwortet diese Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis mit seinem Best Value City Index für 100 Ziele weltweit. Ganz an der Spitze der Liste: Fenghuang, die vielleicht schönste Stadt Chinas, gefolgt von Mostar in Bosnien-Herzegowina und dem bulgarischen Weliko-Tyrnowo. Auf den Plätzen dann nur vier russische Städte, Kasan, Kaliningrad, Sankt Petersburg – und Susdal, das allerdings weit vorne, auf Rang 7, zu liegen kommt.

Susdal. Quelle: dom-sosna.ru

Susdal. Quelle: dom-sosna.ru

Eine Spitzen-Platzierung aus dem Stand heraus, denn im Vorjahr war die Museumsstadt bei Wladimir in dem Verzeichnis gar nicht vertreten. Einen deutschen Ort sucht man übrigens vergeblich in der Aufzählung. Nicht einmal Rothenburg o.d.T., Susdals fränkische Partnerstadt, taucht in dem Ranking auf. Aber das kann ja noch werden mit ein wenig Nachhilfe von den russischen Freunden, die wissen, wie das geht, von einem Jahr aufs andere. Chapeau!

 

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Kann es Zufall sein, wenn der Blog zum siebten Mal sein virtuelles Wiegenfest ausgerechnet am 75. Geburtstag von Heinrich Niemann feiert, dem emeritierten Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung, dem, gemeinsam mit Heinz Gerhäuser, im wesentlichen der 2001 abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten der Partnerstädte zu verdanken ist? Kann es Laune der Chronologie sein, wenn heute vor 76 Jahren Wolf Peter Schnetz zur Welt kam, der als Autor schon zu Zeiten des Kalten Krieges das Klima schuf, in dem die Städtepartnerschaft erst gedeihen konnte? Mag ja sein, aber wir wollen diese Koinzidenzen als Conditio humana des Blogs verstehen, der sich selbst wiederum als Logbuch der so mannigfachen Beziehungen und Querverbindungen zwischen Erlangen, Wladimir, Jena und der übrigen weiten Welt begreift. Und als Vorgabe, nicht kurzatmig zu werden, nicht nachzulassen, den Blick immer auf das große Ziel gerichtet zu halten, das da lautet: Völkerverständigung.

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Heinrich Niemann in Wladimir mit Studenten

Und so sei heute den beiden Granden gedankt und gratuliert, besonders natürlich Heinrich Niemann, der vor zehn Jahren für seine mustergültigen Verdienste die Ehrenprofessorenwürde in Wladimir verliehen bekam, zu seinem runden Jubiläum, und dem kreativen Kulturreferenten, der, obwohl in seine Heimatstadt Regensburg zurückgekehrt, der Städtepartnerschaft innig verbunden bleibt.

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Schüleraustausch Emmy-Noether-Gymnasium mit Wladimir; Renate Winzen rechts auf der Treppe

Der Blog – dem Lauf der Partnerschaft sei’s gedankt! – macht seinen geneigten Lesern und sich selbst ein Geschenk mit den Bildern zum aktuellen Wladimir-Austausch des Emmy-Noether-Gymnasiums. Die deutsch-russische Gruppe, gestern von Renate Winzen zweisprachig durch die Stadt geführt, ist seit Freitag zusammen und will bis zur Heimreise der Gäste am 5. Oktober nicht nur gemeinsam den Unterricht besuchen und landeskundliche Ausflüge unternehmen, sie wird vielmehr an einem Projekt arbeiten, das demnächst – ein wenig Geduld noch – auf diesen Seiten vorzustellen ist.

Austausch und Freundschaft

Austausch und Freundschaft

Zu einem richtigen Geburtstag gehört aber stets auch eine Überraschung. Und die sei heute exklusiv im Blog verraten: Die Schüler bereiten etwas zum 25. Tag der Einheit vor und werden es beim Festakt ab 11.00 Uhr im Redoutensaal – bei freiem Eintritt – vorstellen. Was genau, das wissen sie selbst noch nicht. Nur daß. Also: Kommen und sich überraschen lassen, denn ohne das russische Einverständnis hätte die Friedliche Revolution nie unblutig zur Wiedervereinigung führen können. Das sollten wir am 3. Oktober immer dankbar erinnern.

Спасибо

Dankbar ist noch so ein Stichwort. Dankbar ist heute (und alle Tage) der Blog besonders den Lesern, Mitautoren und Kommentatoren. Ohne deren Aufmerksamkeit und Treue würde sich auch der eifrigste Buchhalter der Städtefreundschaft nicht der tagtäglichen Selbstverpflichtung unterziehen, aus und über Wladimir zu berichten. Der größte Dank aber gilt einer Frau. Es heißt ja immer, hinter einem starken Mann stehe eine nicht minder starke Frau. Das klingt zwar nicht mehr ganz gendergerecht, stimmt aber gewiß für den Blog. Nur mit dem Zusatz „zurück“. Es gibt nämlich eine Frau, die hinter dem Blog steht und oft, viel zu oft, hinter dessen zeitfressenden Ansprüchen zurücksteht. Dafür auch einmal öffentlich um Verzeihung zu bitten, ist heute der rechte Tag. Auch wenn kaum Aussicht auf Besserung besteht… Besonders nicht im verflixten siebten Jahr, das es noch zu meistern gilt.

Ach ja, fast vergessen: Hier ist der Link zu Heinrich Niemann und seinem großen Werk für die Partnerschaft: http://is.gd/ah65yE

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Zu den größten ausländischen Investoren im Gouvernement Wladimir gehört seit fast zehn Jahren die türkische Marke „Beko“, die in Alexandrowo Fernseher produziert und in Kirschatsch, unmittelbar an der Grenze zur Region Moskau gelegen, Waschmaschinen und Kühlschränke herstellt. Und erstere gehen seit diesem Monat auch nach Deutschland. Wer also über eine solche Anschaffung nachdenkt und sich für den Typ WKL 15106 MNE+ entscheidet, erhält Ware nicht nur „made in Russia“, sondern „made in Vladimir Region“. In 15 Länder exportiert man bereits, darunter nach Italien, Polen, Rumänien, Serbien oder Montenegro, denn gut ein Drittel der Ware geht ins Ausland. Die Jahresproduktion liegt übrigens bei 600.000 Waschmaschinen und 400.000 Kühlschränken.

Beko in Kirschatsch. Quelle: savetrading.ru

Beko in Kirschatsch. Quelle: savetrading.ru

Ein weiterer Exportartikel der Region Wladimir ist Glas. Wer bei „Ikea“ an den Glasregalen zugreift, hält mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Produkt aus Gus-Chrustalnyj in Händen, wo ebenfalls türkische Geschäftspartner mit den Traditionsbetrieben vor Ort kooperieren. Zur Freude der lokalen Wirtschaft und der Verbraucher in Deutschland, besonders in Erlangen.

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Ideen, Vorschläge und Vermutungen zum Wesen der Skulptur „Das letzte Opfer “ von Jurij Iwatko gab es so viele wie Menschen, die das Kunstwerk des Bildhauers aus Wladimir auf der Wiese am Löschweiher von Tennenlohe entdeckten. Sehr zur Freude des Künstlers, denn mit seinen Arbeiten will er im Betrachter Denk- und Assoziationsprozesse auslösen.

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko

Immer wieder gedeutet wurde die Stahlkonstruktion als Seele, als Vogel, als Engel. Genau diese drei Begriffe wählte nun Alla Werr aus Tennenlohe als Titel für ihre siebenminütige Reportage über das Werden des Objekts, das jetzt, wie im Blog bereits vermeldet, seinen endgültigen Standort an der Skulpturenachse im Sebalder Forst gefunden hat. Es lohnt, sich die Zeit zu nehmen und zu beobachten, wie Kunst entsteht:  https://vimeo.com/140302109

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Marina Zwetajewa, die ebenso große wie tragische Lyrikerin, bezeichnete Deutschland als ihre Heimat, als ihre Versuchung, als Land der Sonderlinge, zu denen sie sich selbst wohl auch rechnete. In dieser Tradition der Dichtung sieht sich Julia Alexandrowa aus Wladimir, die seit Jahren in ebenso freundschaftlicher wie schöpferischer Verbindung mit Inge Obermayer und Wolf Peter Schnetz steht. Nun hat sie sich einen nie aufgegebenen Traum erfüllt und all die viele Lyrik fränkischer Autoren, periodisch von ihr ins Russische übertragen und in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht, in einem zweisprachigen Band mit dem Titel „Gedichte aus dem Land der Sonderlinge“ zusammengetragen.

Gedichte aus dem Land der Sonderlinge

Gedichte aus dem Land der Sonderlinge

Auch wenn die Publikation erst im November der Wladimirer Öffentlichkeit vorgestellt werden soll, ist das erste Exemplar bereits jetzt in Erlangen eingetroffen, Verraten darf man auch, daß die Anthologie mit ihren 175 Seiten den dritten deutsch-russischen Lyrikband darstellt, der in der Partnerstadt erschienen ist: Nach „Stimmen aus Franken“, 1997, und „Sommer in Winterstein“, drei Jahre später. Nun aber genug der Prosa und lieber ein Zitat aus dem Gedicht „September“ von Wolf Peter Schnetz in beiden Sprachen:

An solchen Tagen saß ich oft / in alten Gärten. Ein leichter Wind. / Septemberlicht. Den Schatten sah ich wandern / unter Apfelbäumen…

В такие дни сидел я часто / в садах старинных. Лёгкий ветер / и свет сентябрский. Я движение теней / под яблонями видел…

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