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Archive for 3. Juni 2014


Die Wladimirer Journalistin Natalia Nowoschilowa hat in ihrem Blog ein Zwiegespräch mit einer Verkäuferin veröffentlicht, das die gegensätzliche Stimmung im Lande anschaulich spiegelt, gleich ob der Dialog nun so tatsächlich stattgefunden hat oder einfach trefflich erdacht ist.

Ich: Aus was für einem Stoff ist denn der Fetzen? Eineinhalb tausend… Wahnsinn!

Sie: Aus Baumwolle. Der Stoff kommt aus der Türkei. Drum ist er so teuer. Genäht wurde das Teil in Iwanowo.

Ich (mehr zu mir selbst): Was würde nur aus uns ohne die Türkei und China…

Sie (munter): Was soll’s. Bald verhängen die Amerikaner Sanktionen, stoppen den Import, das wird die heimische Wirtschaft wiederbeleben! Wir rappeln uns schon wieder hoch!

Ich: Und die Baumwolle bauen wir dann auf Tschukotka an?

Sie: Da findet sich schon was! Auf der Krim beispielsweise. Da scheint die Sonne viel. Es geht aufwärts im Land.

Alles wird gut!

Alles wird gut!

Ich: Und wer wird die Landwirtschaft betreiben? Die Leute sind doch vom Land in die Stadt gezogen. In den Betrieben fehlen die Fachkräfte. Die Arbeiter sind alle um die 60 – und meist nicht nüchtern.

Sie: Die Jugend geht in die Produktion und bearbeitet das Land. Es gibt viel Jugendarbeitslosigkeit. Es geht aufwärts!

Ich: Und wenn man die Jugend in den Krieg gegen die Ukraine schickt?

Sie: Na, dann ist das halt so. Sie kämpfen dort ein Weilchen und kommen dann zurück.

Ich: In Särgen?

Sie: Sie sehen aber ganz schön schwarz. Rußland ist doch gerade erst dabei, wiedergeboren zu werden. Alles wird gut, Sie werden schon sehen.

Ich: Ich fürchte, das sehe ich nicht mehr. Das erlebe ich nicht mehr

 

 

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