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Archive for 25. Februar 2014


Zum Valentinstag hat das Erlangen-Haus unter den Teilnehmern an den Deutsch-Kursen wieder einmal einen Wettbewerb ausgeschrieben. Gesucht wurde die schönste Liebesgeschichte. Der sechzehnjährige Schüler, Daniil Morosow, ist ihr Autor. So jung er noch ist, war er doch schon zwei Mal in Erlangen. Einmal als Austauschschüler, das zweite Mal in der letztjährigen Gruppe des Erlangen-Hauses zum Sprachkurs an der VHS. Hier nun seine kleine Geschichte von einer großen Liebe.

Diese romantische Geschichte nahm ihren Anfang in Nürnberg, einer Stadt in Deutschland. Luccia, eine bescheidene junge Frau aus London, nach dem strengen Sittenkanon einer englischen Familie erzogen und ausgestattet mit attraktivem Liebreiz, großen, dunkel strahlenden braunen Augen, dichten und buschigen Augenbrauen sowie mit samten weichen und empfindsamen Lippenbögen ausgestattet, bezauberte alle mit ihrer Schönheit. Wochentags ging sie immer zur Arbeit in eine Redaktion, der Wind zauste zart an ihrem aschfarbenen, hellgewelltem Haar. Mit ihren 25 Jahren arbeitete sie schon als Chefredakteurin in einem kleinen Verlagshaus in London City. Ihre Reportagen haben stets großen Erfolg. Sie träumte immer davon, einen jungen Mann zu treffen, der ihre Arbeit zu schätzen und sie selbst zu lieben wüßte. Doch die Jahre vergingen, während Luccia einfach niemanden fand, der ihres Herzens würdig gewesen wäre, mit dem sie jeden Tag Händchen haltend hätte durch stille sommerliche Grünanlagen schlendern, mit dem sie ihre Erlebnisse ebenso wie Freude und Mißgeschick hätte teilen wollen. Jeden Tag auf dem Weg zur Redaktion hegte sie die Hoffnung, dieser eine werde ihr begegnen, da sie sich selbst für ein zerbrechliches Geschöpf hielt und keinesfalls selbst die Initiative hätte ergreifen wollen. Alles blieb wie es war, bis an einem herrlichen Montag im Februar ein Anruf von ihrem Chef, Mr. Barrington, kam, der sie bedrängte, nach Nürnberg zu einer internationalen Pressekonferenz zu fahren.  Luccia willigte ein, hatte sie doch ihre letzte Deutschlandreise noch in bester Erinnerung, als sie schon einmal in Nürnberg war und den Ring am Schönen Brunnen mit dem Wunsch drehte, einmal wiederzukommen.

Daniil Morosow

Daniil Morosow

Wer hätte sich vorstellen können, daß sie, nach Nürnberg zurückgekehrt, jenen Jungen wiedertreffen würde, der sie vor einem Jahr im Foyer des Hotels beinahe über den Haufen gerannt hätte, als er, die Gitarre umgehängt, irgendwohin stürmte. Silberhelles Haar hatte dieser Deutsche, eine sportliche Figur, hochgewachsen mit starken Armen. Zunächst quälten Luccia Zweifel, ob es der gleiche Mann sei, denn zum ersten Mal hatte sie ihn in einem billigen Bühnenanzug gesehen. Nun aber war er ganz im sentimentalen Stil gekleidet. Dennoch erkannte sie ihn an den kalten, graublauen Augen wieder, die doch recht gutherzig und temperamentvoll dreinschauten. Er stellte sich als Valentin vor. Zum ersten Mal hörte sie da seine Stimme, denn vor einmal Jahr hatte er es nicht einmal geschafft, sich zu entschuldigen. Sie klang tief und weich mit einem kaum wahrnehmbaren Röcheln. Sein Englisch war fast akzentfrei, was den Deutschen überhaupt eigen ist. Er lud Luccia ein, mit ihm eine Tasse Kaffee zu trinken, und sie konnte nicht anders als mitgehen, war es doch auf der Straße, wo sie sich trafen, diese Mal sehr kalt, und außerdem bot sich die einmalige Chance für Valentin, sich für sein Fehlverhalten im vergangenen Jahr zu entschuldigen. Seither hatte Luccia selbst von diesem Zusammenstoß eine angenehme Erinnerung für ihr bedeutet. Valentin konnte einfach den Duft ihres Haars nicht vergessen, und ihr Blick erregte ihn noch immer ungeachtet seiner seelischen Kaltblütigkeit und Selbstverliebtheit. Dennoch versuchte er, leidenschaftslos zu bleiben. Doch irgendein seltsames Gefühl wollte Valentin nicht für eine Minute verlassen, etwas, das er zum ersten Mal erlebte. Auch Luccia fühlte sich in der Gesellschaft des jungen Deutschen wohl. Sie hörte seine Stimme gern und lauschte seinen Erzählungen von seiner Karriere und der Tournee. Da erinnerte sie unerwartet das Handy an die bevorstehende Konferenz. Luccia wollte aber ihren bezaubernden Gesprächspartner nicht verlassen, zumal er vorschlug, sie zu begleiten. Beim Abschied schlug Valentin ein Wiedersehen vor, er wolle ihr die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen. Zweifelsohne ein willkommener Vorschlag.

Die Konferenz war ein Erfolg. Alle weiteren Abende verbrachte Luccia zusammen mit diesem attraktiven jungen Deutschen. Am Tag ihrer Abreise rief Valentin sie an und fragte, was sie von einer Reise nach Österreich halte, in einer Woche zur Eröffnung der Skisaison. Ihr Herz pochte drauf los, und Freude erfüllte sie. Luccia gab zurück, sie wolle über den wirklich interessanten Vorschlag nachdenken. Die Koffer waren schon gepackt, sie war zur Abreise bereit. Doch am Flughafen traf sie unerwartet ihre ehemalige Kollegin Lucrezia, die jetzt Bekanntheit erlangt hatte als Redakteurin einer Klatschspalte. Lucrezia ist das genaue Gegenteil von Luccia, hat sie doch einen ungezügelten Charakter, und die Gerüchte der Regenbogenpresse bringen ihr nicht nur ein ansehnliches Einkommen, sondern bereiten ihr auch noch Vergnügen. Sie lebte eben auf Kosten von Skandalen und dem Unglück anderer. Luccia hatte sie im Verlag immer wegen ihres Erfolgs, wegen ihrer Schönheit beneidet. Im Gespräch kam Luccia dann zufällig auf ihren neuen Bekannten und dessen verführerischen Vorschlag zu sprechen. Die arme Luccia konnte nicht ahnen,  mit was für einem niederträchtigen Menschen sie diese Information austauschte und was sie im weiteren erwarten würde.

Die heimtückische Lucrezia stellte Nachforschungen an und beschloß, der ehemaligen Kollegin die Suppe zu versalzen. Als sie in den Kurort kam, wollte sie Valentins und Luccias Skibindung unmittelbar vor der Abfahrt manipulieren, um Skandalbilder vom unglücklichen Urlaub der prominenten Journalistin Luccia Edkins und ihres Geliebten zu bekommen. Doch der neidischen Lucrezia gelang es dann doch nicht, ihr böses Vorhaben umzusetzen, weil Luccia nie allein blieb, sondern ständig von Menschen umringt war. Die Gegend war überwältigend schön. Die Leute genossen die Zeit in vollen Zügen. Valentin und Luccia hatten mit allen ihren Spaß, fuhren Ski, sangen Karaoke, tranken heiße Schokolade. In der Luft hing der Duft von Zimt und Liebe. Gegen Abend brachen sie zu einem Gasthof in den Bergen auf. Valentin hatte die Gitarre dabei und spielte die ganze Zeit für Luccia. Bei einem Glas süßen Weins hing sie mit den Augen ebenso an ihm wie er an ihr. Da begriffen sie endgültig, endlich das gefunden zu haben, wonach sie so lange gesucht hatten: die echte Liebe. Von da an blieb er für immer ihr Valentin, und nichts konnte ihr Glück trüben…

Übersetzung: Peter Steger

 

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