Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 22. Februar 2014


Wie viel Wladimir es in Erlangen gibt, konnten die drei Kinderärztinnen gestern auch bei einem abschließenden Besuch in der Frauenklinik vor dem Hintergrund des Goldenen Tors feststellen, bevor es, sprachlich betreut von Gunel Hasanova, mit der Kollegin Chara Gravou-Apostolatou zur letzten Station des Arbeitsbesuchs ging, zum Thema Palliativmedizin. Noch kurz vor ihrer Abreise, berichtet Swetlana Makarowa, die Chefpädiaterin des Gouvernements Wladimir und ärztliche Direktorin des Kinderkrankenhauses in der Partnerstadt, habe ihr die Leitung des regionalen Gesundheitsamtes mit auf den Weg gegeben, sich dieser Frage anzunehmen, denn auch in russischen Kliniken sollen Kinder, Jugendliche und deren Familien besser versorgt werden, wenn eine unheilbare Krankheit dem Leben ein viel zu frühes Ende setzt.

Gunel Hasanova, Chara Gravou-Apostolatou, Swetlana Makarowa, Natalia Isprawnikowa und Olga Wlassowa vor dem Goldenen Tor in der Frauenklinik der FAU

Gunel Hasanova, Chara Gravou-Apostolatou, Swetlana Makarowa, Natalia Isprawnikowa und Olga Wlassowa vor dem Goldenen Tor in der Frauenklinik der FAU

Bisher, so die russischen Medizinerinnen, habe man gar keine eigene Palliativstation. Die kleinen Patienten werden vielmehr auf der jeweiligen Abteilung bis in den Tod gepflegt. Eine Entlassung nach Hause, wie in Deutschland mittlerweile üblich, um dort im Kreis der Familie sterben zu dürfen, sei russischen Eltern bisher nur schwer vermittelbar, glaubten sie doch in ihrer Mehrheit verzweifelt auch im finalen Stadium noch an die Allmacht der Intensivmedizin. Genau hier aber wollen beim Krankenhauspersonal wie bei den Angehörigen die Wladimirer Kinderärztinnen ansetzen. Ein Bewußtseinswandel sei notwendig. Mehr Verantwortung für die Kinder in jeder Phase der Therapie durch die Eltern – angefangen damit, die Kleinen auch nach einem Kaiserschnitt möglichst rasch in die Obhut der Mutter zu geben, bis hin zur gemeinsamen Bewältigung des Abschieds von einem sterbenskranken Kind. Ein Bewußtseinswandel, der auch in Erlangen seine Zeit benötigte. Gerade nämlich auf Wunsch der Eltern wird hier die Palliativmedizin ambulant angeboten. Wladimir könnte also das Stadium einer speziellen Station überspringen und wie bei den deutschen Freunden ein Team wie das der Kinderärztin Chara Gravou-Apostolatou aus besonders geschulten Pädiatern, Pflegekräften bilden, unterstützt von Sozialpädagogen, Psychologen und Seelsorgern, die, orientiert an den jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen der Familien eine individuelle Begleitung auf dem letzten Weg eines Kinder anbieten. Und das in einem Radius von bis zu 200 km, was in etwa auch den Verhältnissen in der Region Wladimir entspräche. All das, was die Besucherinnen aus Erlangen mit nach Hause nehmen, wird sich dort nicht heute und nicht morgen umsetzen lassen. Aber das Trio, das heute wieder abreist, kennt nun die Richtung, wird die Erlanger Erfahrungen als Kompaß nutzen und dann Kurs halten auf das Ziel, die Sterberate bei Neugeborenen weiter zu senken, dort, wo die hohe Kunst der Medizin versagt, das Sterben zu erleichtern, – und bei all dem die Eltern und Angehörigen viel eher und viel umfassender einzubeziehen und sogar in die Pflicht zu nehmen. Zum Nutzen aller. Und wer dann die vielfach ausgesprochene Einladung in die Partnerstadt am Goldenen Ring annimmt, wird besonders im Kinderkrankenhaus erfreut feststellen können, wie viel Erlangen es in Wladimir gibt.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: