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Archive for 9. Februar 2014


Der hier schon des öfteren zitierte Wladimirer Politologe und Blogger, Roman Jewstifejew, hat wohl nicht zufällig rechtzeitig zu den Olympischen Spielen seine bereits vor vier Jahren angestellten Überlegungen zum Thema Sport noch einmal ins Netz gestellt. Nachdenklich und mit feiner Stilsicherheit, die in der Übersetzung hoffentlich nicht leidet:

Olympia in Wladimir

Olympia in Wladimir

Um vier Elemente geht es mir: 1. Den immer elitäreren Charakter des Großen Sports; 2. die politischen und finanziellen, die rein sportlichen Motive überlagernden Interessen des Großen Sports; 3. die Kluft zwischen dem Großen Sport und dem Breitensport, manchmal sogar seine offensichtliche Gegensätzlichkeit gegenüber dem Breitensport, dem menschlichen Sport, und in gewisser Weise sogar dessen Entwicklung auf Kosten des Breitensports; 4. Gesundheit und Leben der Menschen, die den Großen Sport betreiben, werden zum Wetteinsatz in diesem großen Spiel.

In der einen Waagschale haben wir also den Umstand, daß da jemand seine Gesundheit und sogar sein Leben aufs Spiel setzt, daß da jemand politische und finanzielle Dividenden einstreicht – und dem Breitensport die Ressourcen genommen werden. In der anderen liegt meine Freude am Zuschauen, mein Gefühl des Stolzes auf die Siege unserer Athleten, an denen (den Siegen) ich nicht den geringsten Anteil habe. Und so denke ich mir: Warum überhaupt daran teilnehmen? Des eigenen Vergnügens wegen? Vielleicht sollte ich etwas bei meinem Vergnügen ändern, wenn die Sache so steht?

"Olympisches" Curling im Lipki-Park, Wladimir

„Olympisches“ Curling mit einer Teekanne im Lipki-Park, Wladimir

Gedanken, die sicher so oder anders schon dem einen oder der andern gekommen sind. Aber was ist da zu machen? Wir gehören alle der Gattung „Homo ludens“ an, und Brot und Spiele hielten uns bereits im Altertum bei Laune. Wollen und können wir uns und das wirklich ändern? Es bleibt wohl eher dabei, was William Shakespeare im Heinrich IV uns wissen läßt: „Wenn alle Tage im Jahr gefeiert würde, wäre Spiel so lästig wie Arbeit!“ So oder anders sagen sich das sicher auch die Wladimirer, die in diesen Olympischen Tagen in 40 Lokalen das sportliche Geschehen auf Großbildschirmen verfolgen oder draußen eigene kleine Feste veranstalten. Einfach als Lust an der Gaudi.

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