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Archive for 13. Juli 2013


Bereits am Montag, den 27. Mai, flog eine kleine Gruppe, unter ihnen Matthias Buggert und ich, Heino Sand, vom Stadtjugendring Erlangen zusammen mit Peter Steger zum dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläum nach Wladimir. Dessen russische Kollegin, Anna Makarowa, hatte für uns ein zweitägiges Vorprogramm zusammengestellt, bei dem wir neue Kontakte zu Organisationen, die internationale tätig sind bzw. den Austausch mit Erlangen anstreben, knüpfen konnten. Wir versuchen derzeit Partner für diese Gruppen zu finden. Ab Donnertag nahmen wir am offiziellen Jubiläumsprogramm teil.

Am Dienstag wurden wir von der Vorsitzenden des Euroklubs Wladimir, Jelena Kurizyna, im Hotel abgeholt und zunächst in ihre Geschäftsstelle gebracht. Der Euroclub ist eine landesweit tätige Organisation mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen andere Kulturen näherzubringen und internationale Kontakte zu vermitteln. Man hat bereits etliche Partnerorganisationen und Interessengruppen in Schulen (ab der 1. Klasse), Berufsschulen und an der Universität. Hier treffen sich Interessierte, meist betreut von Lehrern oder Studenten, um Projekte zu verschiedenen Themenbereichen aus Wissenschaft, Kultur, Sport, Ökologie usw. unter internationalem Gesichtspunkt zu planen. Der Euroclub veranstaltet zahlreiche internationale Begegnungen in Europa, zu denen die Mitglieder der Euroclub-Gruppen eingeladen werden.

In der Geschäftsstelle trafen wir auch Nikolaj, einen der wenigen Hauptamtlichen, der für die Partner-Organisation Dom Mira arbeitet. Dom Mira, zu übersetzen mit „Haus der Welt“ und / oder „Haus des Friedens“ (das Russische läßt diese Wahl offen), ist in etwa 50 Städten vertreten und  organisiert Kulturprogramme, Festivals und Wettbewerbe, die auch regelmäßig in Wladimir stattfinden. Mehrtägige Programme für Kinder und Jugendliche zu den Themen Photographie, russische Kultur, Tanzen oder Malerei finden jährlich oder jedes zweite Jahr in Wladimir statt. Dom Mira hat bereits zahlreiche Kontakte nach Europa, unter anderem auch in Erlangens Partnerstadt  Jena, und gerne hätte man auch einmal Gäste aus Erlangen bzw. würde selbst an Festivals in Erlangen teilnehmen.

Berufsschule

Heino Sand, rechts im Bild beim Besuch der Berufsschule

Am Nachmittag besuchten wir eine Berufsschule, wo wir vom Rektor und der Betreuungslehrerin für die Euroclub-Gruppe begrüßt wurden. Hier bietet man für Jugendliche zwischen sechzehn und zwanzig Jahren eine zwei- bis dreijährige Ausbildungen für künstlerische Berufe an, wie traditionelle Holzmalerei, Kunstschreinerei, Modedesign. Die schönsten Werke kommen ins hauseigene Museum.  In der Euroclub-Gruppe treffen sich einige Schüler in der Freizeit. Diese Gruppe sucht Kontakte zu vergleichbaren Einrichtungen in Erlangen.

Kinderhaus Susdal

Kinderhaus Susdal

Anschließend ging es noch ins etwa 35 km entfernte Susdal. In dieser 10.000 Einwohner zählenden Stadt betreibt ein anderer Partner des Euroclubs eine offene Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die hier ihre Freizeit verbringen können. Es gibt zahlreiche Interessengruppen besonders im kreativen und handwerklichen Bereich. Auch hier wird viel gemalt, gebastelt und getanzt.

Rotes Kreuz

Olga Dejewa, Heino Sand, Irina Sidorowa und Alwetina Klimowa beim Klub Retter

Am folgenden Vormittag brachte uns Olga Dejewa vom Roten Kreuz zum Einsatz- und Ausbildungszentrum von Spassatel („Retter“). Die Bergungs- und Katastrophenschutzorganisation ist Partner des Roten Kreuzes und in etwa mit dem THW, teilweise auch mit der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland vergleichbar. Aufgaben sind das Retten und Bergen bei Chemieunfällen, schweren Verkehrsunfällen oder ähnlichen Katastrophen, jedoch im Gegensatz zur deutschen Feuerwehr keine Brandbekämpfung. Hauptamtliche gibt es nur sehr wenige, aktiv sind vor allem Studenten und junge Erwachsene, die in ihrer Freizeit mitarbeiten. Ein wichtiger Aufgabenschwerpunkt ist die Ausbildung, u.a. auch für Sicherheitsbeauftragte von Firmen. Lose Kontakte zur Feuerwehr in Erlangen gibt es schon.

Retter

Zu besuch bei den Rettern: Pjotr Panassenko, Gennadij Brajt, Matthias Buggert, Olga Dejewa, Irina Sidorowa, Heino Sand, Alewtina Klimowa

Das Rote Kreuz in Wladimir ist eine rein ehrenamtliche Organisation. Am Rettungsdienst nimmt man nicht Teil, der wichtigste Bereich umfaßt Betreuungsdienste für behinderte und schwerkranke ältere Menschen, um den sich einige hundert Freiwillige, meist Schüler und Studenten, kümmern. Daneben gibt es auch einen Schulsanitätsdienst, den das Rote Kreuz betreut. Zwar gibt es bereits Kontakt zum Roten Kreuz in Erlangen, aber der soll noch enger und vielfältiger werden.

Universität

Universität Wladimir

Am Nachmittag ging es zunächst zur Universität. Sie entstand in der jetzigen Form erst vor einigen Jahren aus der Zusammenlegung zweier Hochschulen. Wir hatten eine Verabredung mit Galina Bobyljewa, der Dekanin der Fakultät für Fremdsprachen. Hier gibt es auch Studiengänge in Deutsch, die Beliebtheit von Deutsch hat allerdings in den letzten Jahren gelitten, Englisch wird hingegen immer beliebter. Kontakte bestehen derzeit „nur“ zum Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde bei der FAU, nun wird auch eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lehrstühlen gewünscht.

Schultheater

Heino Sand und Matthias Buggert im Schultheater

Anschließend brachte man uns zu einer Schule (1. bis 10. Klasse). Das besondere an dieser Ganztagsschule: Sie hat ein angeschlossenes Internat und genießt speziell für die Abschlußklasse einen besonders guten Ruf. Nur noch etwa 10% der Schüler lernen Deutsch. Wegen des Internats gibt es auch besonders viele Freizeitaktivitäten, vor allem im kulturellen Bereich. Tanz-, Gesangs- und Theatergruppen haben ein sehr hohes Niveau, wovon wir uns überzeugen konnten. Auch eine Euroclub-Gruppe gibt es  an der Schule. In den Sommerferien (immer vom 1. Juni bis Ende August) veranstaltet man ein mehrwöchiges Zeltlager, zu dem auch internationale Gäste eingeladen werden.

An dieser Schule, wie auch an einigen anderen gibt es eine Pfadfindergruppe der OJUR Scout Group Vladimir. Im letzten Jahr war man zu Gast in Erlangen, in diesem Jahr kommen Gäste vom Steinadler-Stamm aus Erlangen zum Zelten nach Wladimir.

Pfadfinder

Bei den Pfadfindern

Abseits vom offiziellen Programm trafen wir uns am Abend mit einem Pfadfinder und einer Gruppe, die wir im letzten Jahr in Erlangen kennengelernt hatten.

Für russische Jugendliche ist ein Besuch in Deutschland sehr attraktiv, das sagten uns alle. Schwierigkeiten gibt es vor allem mit der Finanzierung, Zuschüsse und Spenden sind schwierig zu bekommen, die Verfahren intransparent.

Der künstlerische Bereich ist in Wladimir gerade auch für Heranwachsende deutlich wichtiger als bei uns. In Schulen und Freizeitgruppen wird bis ins Erwachsenenalter getanzt, musiziert und gesungen, wie es das in Deutschland nur noch selten gibt. Das war nicht nur bei unseren Besuchen in den Gruppen, sondern auch im Rahmenprogramm des offiziellen Jubiläumsprogramms eindrucksvoll zu sehen. Schwierig wird es, für diese Interessengruppen geeignete Partner in Erlangen zu finden.

Heino Sand, Stadtjugendring Erlangen

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