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Archive for 29. April 2012


Gute 60 km östlich von Wladimir, am Ufer der Kljasma liegt Kowrow, das derzeit politisch für Aufsehen sorgt, weil in der 150.000-Einwohner-Stadt eine Kampagne zur Absetzung von Gouverneur Nikolaj Winogradow begonnen hat. Doch das kümmert heute den Blog nicht weiter, vielmehr wollen wir uns einem jungen Wissenschaftlerteam zuwenden, das auf dem Weg ist, mit seiner Entwicklung russische Technologiegeschichte zu schreiben. Eine Handvoll IT-Studenten hat sich nämlich an der dortigen Akademie unter dem Namen „Red Eyes“ zusammengetan, um im Bereich der künstlichen Intelligenz eigene Ideen zu verwirklichen. Und das gelingt mit durchschlagendem Erfolg, wie vor kurzem der Sieg bei der russischen Leistungsschau für Nachwuchswissenschaftler, Robofest 2012, zeigt.

In der Welt der Wissenschaft: Künstliche Muskeln.

Als die Truppe 2010 ihre ersten Schritte tat, nahm sie niemand so recht ernst, doch schon im Jahr darauf fuhr das unbemannte Auto aus Kowrow beim Roboter-Cross „Seliger 2011“ auf den ersten Platz. Und jetzt soll es sogar in die Schweiz gehen, steht die erste Teilnahme eines russischen Teams an einer internationalen IT-Messe an. Der Roboter, der einer internationalen Jury vorgestellt werden soll, trägt einen Laserscanner der jüngsten Generation in sich, sieht und erkennt mit dessen Hilfe seine Umgebung und entscheidet dann eigenständig, welchen Weg er einschlägt, um das eingegebene Ziel zu erreichen. Das in der Schweiz vorgestellte Modell soll vor allem in Katastrophenfällen und im Kampfeinsatz helfen, das Gelände zu sondieren, Verletzte und Tote zu bergen oder Geräte dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, ohne weitere Menschenleben zu gefährden. Doch der Weg aus der russischen Provinz bis an die Weltspitze ist noch weit und kostet Geld. Geld, das erst noch aufgebracht werden muß. Eine Million Rubel fehlen Red Eyes noch, um die Erfindung ausstellungstauglich zu machen. Doch Sponsoren geben sich zugeknöpft, staatliche Unterstützung – Fehlanzeige. Wenn sich das nicht bald ändert, könnten die schlauen Jungs aus Kowrow ja eines Tages auf die Idee kommen, einen Roboter zu entwickeln, der ihnen die fehlenden Rubel aus der nächsten Bank holt. Ein solcher Coup, zu dem hier nicht zuletzt aus Haftungsgründen keinesfalls aufgerufen werden soll, würde zumindest für weltweite Aufmerksamkeit führen, selbst wenn es mit der Schweiz nicht klappen sollte, weil der ewig gültige Spruch auch in Kowrow seine Bestätigung findet: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

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