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Archive for 28. April 2012


Was man früher einmal Alchemie nannte,  praktizieren heute die Betreiber von Mülldeponien und ihre Patrone aus der Politik. Leider bisweilen zum ruinösen Nachteil von Mensch und Umwelt überall auf der Erde. Auch in der Region Wladimir.

Fischsterben

Das Thema Müll kommt dort nicht aus den Schlagzeilen. In der vergangenen Woche haben erzürnte Anwohner der Deponie Marinskij die Zufahrt blockiert, weil bereits Kolonnen von LKWs den Abfall aus Kameschkowo und bald von allüberallher herankarren, obwohl die Betriebsgenehmigung noch gar nicht erteilt, die Anlage noch nicht fertig ist und niemand kontrolliert, was da so alles illegal abgekippt wird. Nur eines ist klar: Die Abwässer der bisher nicht isolierten Müllhalde fließen ungeklärt in einen Weiher, der bereits als ökologisch tot gilt, und in den entgegen allen Vorschriften nur 50 Meter entfernten Fluß Tschjornaja, ein Laichgewässer unter anderem für den Graskarpfen, in Rußland auch Weißer Amur genannt, das bei Kowrow in die Kljasma mündet, aus der wiederum vielerorts Trinkwasser gewonnen wird – mit aufwendigen Klärmethoden. So ist das eben: Was vorne reinkommt, muß hinten wieder raus. Und irgendwo dazwischen treiben nicht nur die toten Fische, sondern es verenden sogar die Biber.

Wilde Müllkippe im Wald

Der Sache hat sich nun der Wladimirer Sender TV 6 angenommen und sieht sich prompt einer Gegendarstellung der Regionalverwaltung ausgesetzt, in der es heißt: „Am vergangenen Freitag berichtete der Sender TV 6 über angebliche Gewässerverschmutzungen im Bereich der Deponie von Marinskij. Dergleichen geschieht nicht, wie hier öffentlich erklärt wird.“

Deponie

Die Bilder der Journalisten, die zum Ort des Geschehens gefahren sind, sprechen eine andere Sprache, zeigen die einst malerischen Gestade eines Flusses, der seinen einstigen Bewohnern den Tod gebracht hat und seine giftige Fracht weiterträgt in das ohnehin schon stark belastete Kljasmabecken. Doch bei schockierenden Bildern belassen es die Reporter nicht, sie konfrontieren Gouverneur Nikolaj Winogradow mit der Ökokatastrophe und verlangen sein Eingreifen. Doch der behauptet, die Mißstände werden behoben und es gebe keine Alternative zu der Deponie. Die wiederum betreibt ein Oligarch, mit dem der Politiker laut TV 6 befreundet sein soll. Da liegt für den Sender der Verdacht der politischen Patronage nahe. Bevor das geklärt wird, ist aber nun die Staatsanwaltschaft am Zug, um der fortgesetzten Wasserverschmutzung Einhalt zu gebieten und herauszufinden, wie eine Deponie ohne Genehmigung in Betrieb genommen werden konnte.

Hast du dich freiwillig zum Subbotnik gemeldet?

Unterdessen will der Stadtrat Wladimir im Mai ein Gesetz zur Stadtreinigung erlassen, 270 Seiten dick und unter Mitwirkung von mehr als 20 Organisationen entstanden. Und dann ist da noch der Subbotnik, der freiwillige Kehr- und Fegetag, an dem geschätzte 30.000 Wladimirer am letzten Samstag teilgenommen haben, um die Stadt vom Winterdreck zu befreien. Schön und wichtig. Nur auch da ist noch immer nicht geklärt, wohin mit dem Müll, geschweige denn, daß er sortiert und gar wiederverwertet würde. Die sporadischen Aktionen von Schülern, Altpapier zu sammeln, muten da leider eher hilflos an. Wladimir und das ganze schöne Rußland haben endlich ein effektives Programm zur Vermeidung, Sortierung und Aufarbeitung von Haus- und Gewerbemüll verdient – und Politiker, die das umsetzen, bevor auch hier die Triade von Rainer Werner Fassbinder „Der Müll, die Stadt und der Tod“ gilt.

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