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Archive for 24. April 2012


Die Planung läuft schon seit Wochen. Doch als die fünf Sportler vom Wladimirer Radklub „Weles“ eintrafen, erging es Dieter Argast wie in der Dreigroschenoper von Bertold Brecht, wo es heißt: „Ja, mach‘ nur einen Plan, / sei nur ein großes Licht, / und mach‘ dann noch ’nen zweiten Plan, / gehn tun sie beide nicht.“ Mit dem Abholen am Flughafen in München sollte es ebenso klappen wie mit dem Transport der in ihre Einzelteile zerlegten Fahrräder – nicht zuletzt dank einem ungeplanten Einsatz von Rolf Bernard als Fuhrmann vom Bahnhof Erlangen nach Buckenhof, wo die Gäste bei Dieter Argast Station machten.

Doch als es dann daran ging, die Route von Erlangen via Prag nach Jena und von da zurück nach Erlangen festzulegen, wanderte Plan 1 rasch einvernehmlich in die Rundablage: in zehn Tagen nicht zu schaffen, wenn überhaupt, dann nur im Huckepack verfahren streckenweise per Bahn. Ob sich nun Plan 2 – bis Prag per Rad und von dort per Bahn bis Cheb und ab da wieder zurück nach Erlangen mit eigener Muskelkraft – als wirklichkeitstauglich erweist, werden wir erst nach Rückkehr der Gruppe erfahren. Und bestimmt noch einiges mehr. Eines ist jedenfalls jetzt schon klar: Die Planwirtschaft hat in Rußland nur wenig Chancen auf Wiedereinführung, es gibt gute Gründe, warum sie mit der Sowjetunion zu Grabe getragen wurde.

Varianten einer Route

Vor elf Jahren wurde der Radklub mit heute ca. 40 Mitgliedern in Wladimir von Gennadij Stachurlow gegründet. Der Grünen-Politiker, Umweltaktivist und Freizeitsportler hat schon in den 90er Jahren Kontakt zu Erlangen aufgenommen und u.a. mitgeholfen, nach deutschem Vorbild Mülltrennung in seiner Heimatstadt einzuführen. Seit 1998 kennt er Dieter Argast, der noch in seiner Zeit als Stadtrat der Grünen Liste nach Wladimir gereist ist und bis heute Kontakt und Freundschaft hält. Bei ihm werden Gäste auch Ende nächster Woche wieder aufschlagen, bevor sie die Heimreise antreten.

Dieter Argast und Gennadij Stachurlow

Gestern ging es nach einem kleinen Empfang mit Oberbürgermeister Siegfried Balleis auf die Strecke, begleitet auf der ersten Etappe bis zum Monte Caolino von Peter Smolka, der im nächsten Jahr via Wladimir eine weitere Weltumradlung vorhat. Da ist in Erlangens Stadtoberhaupt in Gedanken sicher dabei und schwelgt jetzt schon in Erinnerungen an seine Tandemfahrt mit einer Zehnergruppe als Stafette nach Wladimir, damals 1993 zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum, als er noch Wirtschaftsreferent war.

Anton Zelych, Siegfried Balleis und die Radler aus Wladimir. Photo: Bernd Böhner

Sieben Jahre später dann, schon als Oberbürgermeister, nahm Siegfried Balleis an einer Rennfahrt von Wladimir nach Susdal teil und kam als zweiter ins Ziel. Gestern nun dafür eine kleine Auszeichnung aus den Händen von Gennadij Stachurlow: das russische Leistungsabzeichen für aktiven Fremdenverkehr.

Ehrenabzeichen als „Tourist Rußlands“ des Russischen Verbandes für Sporttourismus

Auch wenn er noch keine neuen Pläne für eine nächste Radtour durch die russischen Weiten geschmiedet hat, wird sich Siegfried Balleis als erster so geehrter Erlanger dieser Anerkennung sicher würdig zeigen.

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