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Archive for 18. April 2012


Seit der Zeit Jan Vermeers hat sich vieles in Handwerk und Kunst verändert, doch beim Spitzenklöppeln ist die Technik noch weitgehend erhalten wie vor gut 400 Jahren. Die Niederlande, Deutschland, Böhmen, Mähren, aber auch Frankreich pflegen dieses filigrane Brauchtum noch immer, in Rußland hingegen ist diese Art des Putzmachens leider weitgehend in Vergessenheit geraten.

Die Spitzenklöpplerin von Jan Vanmeer

Nicht so in Wladimir, genauer gesagt, in Raduga, 25 km von der Partnerstadt entfernt, wo Jelena Gorbunowa vor bald 20 Jahren ihren Klub mit kleineren Ablegern in der ganzen Region gegründet hat. Etwa 40 Frauen und zwölf Mädchen klöppeln dort, daß es eine wahre Pracht und Freude ist. Fleißig und detailverliebt, denn für eine Stola arbeitet man zwei Monate lang jeden Tag acht Stunden. Dennoch fehlt es nicht an Nachwuchs. Und der ist sogar talentiert: Jelena Ilina, seit ihrem zehnten Lebensjahr dabei, darf sich jetzt über eine besondere Auszeichnung freuen. Die sechzehnjährige Künstlerin hat kurz vor der Reise nach Deutschland beim Allrussischen Spitzenklöppelwettbewerb in ihrer Alterskategorie den ersten Preis gewonnen. Und sie will weitermachen und vielleicht sogar einmal nach St. Petersburg an die einzige Akademie des Landes gehen, wo man die höheren Weihen dieser Kunst erwerben kann und wohin schon einige Schülerinnen von Jelena Gorbunowa ihren Weg gefunden haben.

Alla Ragusina, Jelena Gorbunowa, Jelena Ilina

Ende der 90er Jahre hat Jelena Gorbunowa die Verbindung nach Erlangen geknüpft und Tuchfühlung mit deutschen Spitzenklöpplerinnen aufgenommen. Seither gibt es kein Halten mehr. Seit 2000 ist sie selbst Mitglied des deutschen Verbands und nimmt an allen Jahreskongressen teil, heuer in Annaberg im Erzgebirge. So kennt sie die Traditionen aller Länder und weiß, wo die Unterschiede liegen. Die deutschen Arbeiten sind eher für den Hausgebrauch, achten auf technische Vollkommenheit, bleiben in der Form der Miniatur verpflichtet und schmücken Tisch und Vitrine. Die russischen Meisterinnen legen ihre Seele in die Arbeit und wollen, daß die Kunstwerke gesehen werden, am besten getragen von Frauen. Vor allem die Jugend, so Jelena Gorbunowa, möchte sich auf besondere Weise kleiden: „In vielen Mädchen steckt halt noch immer eine kleine Zarin.“

In Erlangen ist Jelena Gorbunowa leider immer nur auf Durchgangsstation, „obwohl doch hier alles begonnen hat und mir die Stadt so gefällt“. Aber die Verbindung bleibt bei allen großen Zielen, die noch vor ihr liegen mit den Ausstellungen in ganz Europa. Im nächsten Jahr will sie unbedingt wieder kommen, wieder mit neuen Gesichtern und neuen Stücken – nach alten Mustern und alten Traditionen gefertigt und doch immer wieder neu und immer jung. Mehr dazu unter: http://is.gd/Eruz6x

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