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Archive for 10. April 2012


Buranowskije Babuschki

Sie haben sich gegen 24 Mitbewerber durchgesetzt und wollen beim Eurovisions-Wettbewerb Ende Mai in Baku wenn schon nicht siegen, dann doch zumindest genug Geld verdienen, um in ihrem udmurtischen Heimatdorf eine Kirche zu bauen. Statt Glitter und Glamour zu zeigen, tragen sie Trachten, und statt den zwanghaft faltenlosen Jugendkult zu zelebrieren, erobern sie in buchstäblich alter Frische die russischen Bühnen und streben nun nach europaweitem Ruhm. Doch nun droht den Großmüttern von Buranowsk, auch bekannt als Buranowskije Babuschki, der Ausschluß von dem Sängerfest in Aserbajdschan. Ihr Stück, mit dem der Rentnerinnen-Chor antreten will, soll ein Plagiat sein, abgekupfert von Kalinow Most, der bereits Mitte der 80er Jahre in Nowosibirsk gegründeten ersten russischen Folk-Rock-Band. Noch ist nicht entschieden, ob den älteren Damen aus der westlichen Ecke des Vor-Ural-Landes die Reise ans Kaspische Meer verwehrt wird. Kurioserweise handelt es sich bei dem Stück von Kalinow Most um ein autorisierte Interpretation von The House of the Rising Sun… Und dann ist da noch der Refrain: Er soll einem italienischen Schlager entlehnt sein. Für alle Fälle formiert sich bereits eine Verteidigungsfront.

Igor Schenderow

In vorderster Linie steht dabei der Wladimirer Komponist, Arrangeur und Dirigent, Igor Schenderow, in Erlangen bereits mehrfach – freilich liegt das schon länger zurück – mit seinem Kammerchor Swetotsch und dem Folklore-Ensemble Schaworonki zu Gast. Er führt für die Omas aus Buranowsk ins Feld, sogar die klassische Musik, ganz zu schweigen von Jazz, Pop und Schlager, speise sich wesentlich aus der Folklore, die Zunft der Komponisten lebe förmlich vom Zitat. Aber ob er damit durchkommt? In der Musik gibt es – anders als in der Wissenschaft – zwar keine sichtbaren Anführungszeichen, doch werden auch hier Kopien von Melodien gekennzeichnet: Man nennt sie Cover-Versionen. Solche haben die Buranowskije Babuschki auch bereits mit ihren Interpretationen von Hotel California oder Yesterday vorgelegt. Sie wissen also, wie das geht, was erlaubt ist – und was nicht.

Kommt für die Sängerinnen aus Udmutien das vorzeitig-unrühmliche Aus, wäre das sicher kein großer künstlerischer Verlust, aber fehlen würden sie schon auf einer Bühne, die ohnehin mehr auf visuelle Reize setzt als auf musikalische Originalität. Engelbert Humperdinck jedenfalls, der mit seinen 75 Jahren für Großbritannien ins Rampenlicht steigen soll, würde es sicher auch bedauern, allein in seiner Altersklasse antreten zu müssen.       

Hier zum Vergleich: Kalinow Most http://www.youtube.com/watch?v=2F_QpURajSY und Buranowskije Babuschki http://is.gd/UJBRdC

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