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Archive for 2. April 2012


Eine Umfrage bringt es an den Tag: Jeder vierte Jugendliche in Wladimir hat schon einmal Drogen genommen oder tut es noch. In der zweitgrößten Stadt der Region, in Kowrow, gibt das sogar jeder dritte Minderjährige zu. Längst ist das Problem auch in der Politik erkannt, nur fällt der – wie überall auf der Welt – meist nicht viel mehr dazu ein, als eine Kommission einzuberufen, die dann härtere Strafen verlangt und natürlich mehr Drogenfahnder. Die freilich haben durchaus geliefert: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 1.700 einschlägige Delikte im Gouvernement Wladimir registriert. Über 500 Täter -darunter gut 100 Frauen, 15 Ausländer und sieben Minderjährige – mußten sich dafür verantworten. Jedes fünfte Verbrechen in dem Bereich wird übrigens von Süchtigen begangen. Beschaffungskriminalität nennt man das. Für illegalen Drogenhandel sind Haftstrafen von acht bis 20 Jahren vorgesehen.

Drogen sind ein Bruch fürs Leben. Zerbrich dein Leben nicht!

Schon im 1. Spruch des Tao Te King heißt es: „Der Weg, den ich kenne, / ist nicht der ewige Weg.“ Bis heute ist man weltweit auf der Suche nach dem rechten Weg zwischen Repression und Prävention. Doch macht Lao Tse wenig Hoffnung, wenn er in seinem 41. Spruch schreibt: „Der rechte Weg verbirgt sich namenlos.“ Vielleicht sind es in dem Fall ja auch ganz trivial drei rechte Wege, die zum richtigen Ziel führen: die Härte des Gesetzes, die Angebote zum Ausstieg, zur Umkehr und die Vorbeugung, Nur, wo die sich treffen, das liegt nach wie vor im Namenlosen. Auch in Wladimir.

Sag NEIN zu Drogen!

Also macht man weiter kleine Schritte und schneidet den Dealern nach Möglichkeit die Nachschubwege ab. So fand man bei einem Mann mit zentralasiatischem Paß Anfang März in Wladimir ein Kilo Heroin, abgepackt in handelsüblichen Briefchen, und 800 Gramm Haschisch. Fast gleichzeitig wurde ein bereits vorbestrafter Wladimirer mit gut 100 Gramm Heroin festgesetzt. Und dann wäre da noch ein Großhändler, der den Fahndern mit mehr als einem Kilogramm Marihuana ins Netz ging. Deren Weg ins Gefängnis ist vorgezeichnet. Dabei könnte es so einfach und schwer zugleich sein, dem chinesischen Philosophen zu folgen, der in seinem 62. Spruch meint: „Der rechte Weg / ist allen eine Zuflucht: / ein Schatz den Guten, / den Schuldbeladenen ein Schutz.“ Aber das wußte in unserem Kulturkreis auch der früh vollendete Ludwig Heinrich Christoph Hölty, als er das von Wolfgang Amadeus Mozart vertonte und als Volkslied bekannte Gedicht schrieb: „Üb immer Treu und Redlichkeit / bis an dein kühles Grab. / Und weiche keinen Finger breit / von Gottes Wegen ab!“ Und schließlich gab es da vor gut 2.000 Jahren noch einen, der gar postulierte, er selbst sei der Weg. Aber das führt uns denn doch zu weit ins Namenlose. Eigentlich sollte ja nur auf ungelöstes Problem hingewiesen werden, eine Aporie eben.

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