Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 8. Januar 2011


Es sind nicht die ersten Pläne dieser Art, aber dieses Mal scheint mehr dran als nur Wunschdenken. Die Region Wladimir könnte aus Bundesmitteln eineinhalb Milliarden Rubel zum Bau eines internationalen Flughafens erhalten. Jedenfalls hat Moskau diese Mittel laut Gouverneur Nikolaj Winogradow in den Haushalt eingestellt. Sollte es gelingen, die wirtschaftliche Effektivität und den Nutzen des Vorhabens nachzuweisen, könnten die Zuschüsse im Lauf der Jahre 2011, 2012 und 2013 abgerufen werden. Eine Machbarkeitsstudie hat Nikolaj Winogradow bereits in Auftrag gegeben. Kommt die zu einem positiven Ergebnis, wären bis Mitte des Jahrzehnts – optimistisch gerechnet – Direktflüge aus Deutschland nach Wladimir möglich. Air Berlin hat gerade angekündigt, seine Flüge u.a. nach St. Petersburg aufzustocken. Rußlands Himmel ist noch groß und weit.

Den hochfliegenden Plänen der Luftfahrt steht ein zusammengestrichener Fahrplan der Eisenbahn gegenüber. Und da sind die Fakten schon geschaffen: Seit dem 1. Januar gibt es keine S-Bahn mehr von und nach Moskau mit Halt an allen Bahnhöfen. Abgesehen vom Sapsan, den die Blog-Leser ja bereits aus verschiedenen Einträgen kennen, gibt es jetzt nur noch zwei Möglichkeiten per Bahn von Wladimir in die Hauptstadt zu kommen. Jeweils mit dem Expreß um 5.55 Uhr oder um 7.30 Uhr. Retour geht es um 18.00 Uhr bzw. 21.00 Uhr. So eine Einschränkung des Verkehrs verursacht natürlich Kosten, die der Fahrgast zu tragen hat: Das Billet für den einen kosstet 350, für den anderen, der nur noch Waggons der 1. Klasse führt, gar 465 Rubel. Vergünstigungen für Studenten sind gestrichen. Und gestrichen sind auch die meisten S-Bahnen innerhalb des Gouvernements nach Petuschki, also in Richtung Moskau, mit Halt an jeder Station. Von denen verkehrt ab sofort nur noch ein Paar hin und zurück. Da bleibt dann meist nur der Bus, doch mit dem bleibt man meist im Stau stecken.

Die Menschen werden sich fragen, warum für internationale Verkehrsprojekte Geld ausgegeben werden soll, wenn bei der regionalen Mobilität gespart wird. Sie werden sich fragen, warum die Schienen immer leerer und die Straßen immer voller werden. Gute Antworten sollte sich die Politik schon einmal überlegen, denn spätestens wenn es um den Standort des Flughafens – und dessen verkehrstechnische Anbindung – geht, sind Bürgerproteste vorprogrammiert.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: