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Archive for 7. Januar 2011


Während bei uns heute die Christbäume ihres Schmucks entledigt werden und buchstäblich auf der Straße landen, bis sie zur Kompostierung abgeholt werden, feiert die Orthodoxie gemeinsam mit den orientalischen Christen heute Weihnachten. Einer der Höhepunkte des heutigen Tages wird um 11.00 Uhr stattfinden, wenn Erzbischof Jewlogij auf dem Kathedralenplatz an Bedürftige die sogenannten Weihnachtsalmosen verteilt.

Weihnachtskloster

Wir wollen uns aus dem feiertäglichen Anlaß mit einem Kloster befassen, das gemeinsam mit der Erzengel-Michael-Kirche, die in der Form des Sterns von Bethlehem gebaut ist, eine besondere Beziehung zu Weihnachten hat. Es liegt abseits von den Touristenströmen, lohnt aber zu jeder Jahreszeit einen Blick. Der Komplex liegt im südöstlichen Teil des Wladimirer Kremls und wurde 1191 von Fürst Wsewolod III. (Großes Nest) errichtet. Wegen der besonderen Bedeutung Wladimirs als Hauptstadt der Rus erlangte das Kloster den Status einer Lawra und beherbergte von 1263 bis 1723 die Reliquien des heiliggesprochenen Fürsten Alexander Newskij, die erst Peter der Große in seine neue Hauptstadt holte. Doch wir eilen voraus: Bereits 1237 wurde das Kloster bis auf die Grundmauern von den Mongolen niedergebrannt, und Abt Pachomij und seine Brüder starben den Märtyrertod. 1551 büßte das wiederaufgebaute Kloster seinen Status als wichtigste Lawra Rußlands ein und gab den Titel an Sergijew Possad ab. Seit dem Bau der Alexander-Newskij-Lawra in St. Petersburg war das unmittelbar dem Patriarchen unterstellte Kloster in Wladimir dem Rang nach das drittbedeutendste in ganz Rußland. 1744 wurde das Kloster auf Weisung von Katharina der Großen zum Domherrenhaus umfunktioniert. Die Geburt-Christi-Kirche aus dem 17. Jahrhundert wurde Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut und zeigt deshalb Elemente des Spätbarock.

Weihnachtskloster

Östlich der Kirche schließt sich das Heilige Tor aus dem 17. Jahrhundert an, das mit nur wenigen Veränderungen erhalten geblieben ist. Weiter auf dieser Linie liegt das Priesterseminar mit dem Wohntrakt, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert. Blickt man weiter nach Westen, sieht man das zweistöckige Domherrenhaus mit seinen beiden Flügeln rechts und links. Die Anlage entstand Mitte des 18. Jahrhunderts im Stil des Frühbarocks. Im südlichen Teil des Klosters – es wird mittlerweile wieder als solches genutzt – entdeckt man schließlich den Trakt für die Mönchszellen und die Krankenstation. In deren unmittelbarer Nähe stand früher die Mariä-Geburt-Kirche, erbaut Ende des 12. Jahrhunderts mit einem hohen Glockenturm, heute, wie so vieles im Wladimirer Kreml, der sieben Jahrzehnte dem örtlichen KGB als Kommandozentrale diente, für immer verloren. Erst vor zwanzig Jahren erhielt das Erzbistum den Komplex zurück. Übrig geblieben von all den früheren Kirchen war nur die Geburt-Christi-Kirche. Ein architektonisches Weihnachtswunder. Über die blutigen Spuren des KGB im Wladimirer Kreml und in der Geschichte der Partnerstadt später einmal in Ihrem Blog.

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