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Archive for 2. Januar 2011


Die Finanz- und Wirtschaftskrise, wir wissen es alle, hat Rußland ins Mark getroffen. Niemand wußte das besser als der Volksmund, der sich dazu folgenden Witz einfallen ließ: Wegen der Rezession wird das Licht am Ende des Tunnels ausgeschaltet. Wir müssen sparen, überall. – Gott. 

Doch nun sind es die Beamten des Weißen Hauses zu Wladimir die sagen: Es werde Licht. Laut Statistik nämlich zeigen alle Wirtschaftsparameter in der Region nach oben. Und zwar unübersehbar. Innerhalb von Zentralrußland belegt das Gouvernement den vierten Platz beim Index der Industrieproduktion, beim Wachstumstempo des Einkommens der Bevölkerung gar den zweiten. Wichtige Impulse erwartet man sich vom Technik- und Innovationspark bei Alexandrow oder dem neuen Pharmakomplex in Wolginsk. Doch wo viel Licht, da ist auch viel Schatten: 20% der Bevölkerung lebt noch immer jenseits der Armutsgrenze und das Durchschnittseinkommen wächst zwar rasch, liegt aber mit gut 13.000 Rbl. noch immer deutlich hinter dem in manch anderer Region.  

Wladimirer Wirtschaft unter der Lupe

Ausgezeichnet wurde das Gouvernement Wladimir noch im alten Jahr mit einer symbolischen Lupe. Nein, es geht nicht um die Leseförderung von Menschen mit Sehschwäche, der Blick richtet sich vielmehr auf die Transparenz bei der Erteilung von Staatsaufträgen.  In dem Bereich nämlich taucht Wladimir schon im dritten Jahr in Folge in der Kategorie „garantierte Transparenz“ auf, was den Schluß zuläßt, daß es in der Region weitestgehend ohne Korruption zugeht. Nur vier Regionen, überhaupt erhielten von der unabhängigen Kommission dieses Reinheitsprädikat. Wladimir belegt zusammen mit der Region Altai vor Tartastan und hinter Moskau den zweiten Platz. Saubere Hände also in Wladimir. Ein wichtiger Standortfaktor gerade auch für ausländische Investoren. Freilich aber auch kein Freibrief. Am 30. Dezember wurde Gennadij Simin, Bürgermeister von Alexandrow, verhaftet. Vorwurf: Korruption im großen Stil. 

Den wirtschaftlichen Ausblick trübt ein föderales Besteuerungsgesetz, das nun in Kraft tritt. Es trifft den Mittelstand mit einer Erhöhung der Sozialabgaben von bisher 14% auf stolze 34%. Die Verbände fürchten Pleiten. Präsident Dmitrij Medwedjew hatte zwar versprochen, sich für eine moderate Erhöhung einzusetzen, aber die Ermäßigung auf 26% gilt nun doch nur für die Produzenten von Lebensmitteln, Stoffen und Schuhen sowie Betriebe im Bereich der wissenschaftlichen und medizinischen Forschung. Alle anderen, also im Handel oder in der Gastronomie tätigen Firmen, müssen den vollen Satz abführen. Ein ordnungspolitisches Laxativ, das rasch zur Auszehrung der Kuh führen kann, die man melken möchte. Wechselhafte Aussichten also, wenn man die Lupe zur Hand nimmt.

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