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Archive for 9. September 2010


Jelena Jegorowa kommt zwar wie ein weiterer Praktikant aus Kowrow, gute 60 km von Wladimir entfernt, aber von der Städtepartnerschaft mit Erlangen weiß sie nicht erst seit der Aufnahme des Studiums an der Staatlichen Universität. „Von den Kontakten mit Euch hat jeder schon mal gehört, wenn man nicht sogar selbst an einem Austausch teilgenommen hat“, sagt die angehende Wissenschaftlerin. Mit sechs weiteren Kommilitonen ist sie für zwei Monate zu einem Arbeitspraktikum ans Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen gekommen. Am Montag geht es wieder nach Hause. Viel zu früh, wenn man die Gruppe fragt. Unisono plädieren sie für eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer zumindest in der zweiten Phase. Doch der Reihe nach.

Jelena Jegorowa und Dmitrij Nesterow

Hauptsächlich die Mundpropaganda macht’s. Natürlich weist auch die Universitätsleitung auf die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut hin, aber die Kunde vom Austausch macht vor allem unter den Studenten selbst die Runde. Die Ehemaligen, heute oft schon beruflich tätig, berichten von ihren Erfahrungen, und die jüngeren Semester bemühen sich dann jeweils im Herbst um die Programme im nächsten Jahr. „Gute Noten, eine schriftliche Bewerbung, ein relevantes wissenschaftliches Thema und ein bestandenes Auswahlgespräch“, so Dmitrij Nesterow, „das sind die Voraussetzungen für die Reise nach Erlangen.“ Aber auch gute Englisch-Kenntnisse sind unabdingbar, denn Deutsch hat als Wissenschaftssprache ohnehin fast jede Bedeutung verloren und kann längst nicht mehr vorausgesetzt werden, auch nicht bei russischen Gaststudenten, wo das Deutsche eher noch mehr verbreitet ist als bei anderen Nationalitäten. Hat dann der Lehrstuhl sein Plazet gegeben, geht die Bewerbung per E-Mail nach Erlangen zur Prüfung. Die endgültige Entscheidung trifft schließlich aber ein Vertreter des Fraunhofer Instituts im Gespräch mit den Bewebern vor Ort in Wladimir. Genommen wird grundsätzlich, wer sich qualifiziert und nachweisen kann, für die Forschungsprojekte in Tennenlohe einsetzbar zu sein. Von den ursprünglich 14 Antragsstellern sind schließlich sieben in den Genuß des Praktikums gekommen.

Und daß dies wirklich ein Genuß ist, spürt man sofort, wenn man beobachtet, wie begeistert die Gäste mit ihren Erlanger Projektleitern auch am Ende der gestrigen Abschlußpräsentation ihrer Arbeiten aus den Bereichen Antennenbau, Programmierung und natürlich integrierte Schaltungen weiterdiskutieren. Man spürt es, wenn man das Leuchten in ihren Augen sieht, sobald die Rede auf die Ausstattung der Labors im Institut kommt. Man spürt es, wenn sie von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Gastgeber erzählen. Und – ja, alle würden gerne schon im März wiederkommen, um dann drei Monate Zeit zu haben für die Diplomarbeit. Besser freilich wären vier Monate, um alle Potentiale der Erlanger Partner voll ausschöpfen zu können. Aber das ist nur ein als Kompliment zu verstehender Wunsch an das Institut, dem alle unendlich dankbar sind für die großartigen Möglichkeiten, zumal die Gastgeber fürwahr ideale Bedingungen schaffen und sich um Anreise, Unterbringung und sogar ein Salär für die geleistete Arbeit kümmern.

Fünf von sieben Gaststudenten

Und wie geht es nach dem Studium weiter? Die wenigsten werden in Wladimir bleiben können, die Verdienstmöglichkeiten dort sind eher eingeschränkt. Viele zieht es nach Moskau und an andere Forschungsinstitute, Dmitrij Nesterow kann sich aber auch vorstellen, an seiner Alma Mater zu bleiben und in Forschung und Lehre tätig zu werden. Jelena Jegorowa ist skeptischer: „Für Frauen gibt es in den technischen Wissenschaften auch bei uns noch bestimmte Einstellungshürden. Aber versuchen will ich es auf jeden Fall.“ Ob überhaupt und wenn, in welcher Zusammensetzung, die Gruppe im März 2011 wiederkommt, ist nun im Institut zu entscheiden. Da heißt es für die Studenten hoffen. Wenn es aber klappt, dann wünschen sich alle Leihfahrräder, um günstiger mobil zu sein. Da und in manch anderer Frage des alltäglichen Lebens, fern der Wissenschaft, könnte ein früher Besuch im Rathaus der Radfahrerstadt hilfreich sein.

Passend zum Thema: Gestern erst ist das QS World University Ranking 2010 mit den 200 besten Universitäten erschienen. Die ersten 17 Plätze machen die Angelsachsen und die USA unter sich aus, dann folgen Zürich, Unis in Kanada, Australien… Auf Platz 51 findet man Heidleberg, auf Rang 58 die TU München. Die Lomonossow-Universität in Moskau belegt als einzige russische Hochschule in dieser Bestenliste Platz 93. Leider sucht man die FAU und die Staatliche Universität Wladimir in der Auflistung vergeblich. Das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen gehört freilich in eine andere Sparte und ist auf seinen Forschungsgebieten Weltspitze. Es sei nur daran erinnert, daß vor drei Jahren die Professoren Karlheinz Brandenburg, Dieter Seitzer und Institutsleiter Heinz Gerhäuser von der Consumer Electronics Association in San Diego für die Entwicklung des Audiocodierformats MP3 in die Hall of Fame aufgenommen wurden. Dennoch hier der Link zu dem Ranking: http://www.topuniversities.com/university-rankings/world-university-rankings/2010/results

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