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Archive for 28. Februar 2010


Wärmezelt in Wladimir

Seit zwei Nächten nun steht endlich das Wärmezelt in Wladimir. Versuche, ein Gebäude als Wärmestube und Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose anzumieten, sind in letzter Sekunde am Widerstand der Eigner gescheitert. Niemand wollte Unterkunft für Gäste bieten, die nicht eben zur Wunschkundschaft des Beherbergungsgewerbes zählen. Dabei brauchen die Berber gerade jetzt Hilfe. Gegen Ende des Winters erfieren die meisten von ihnen, weil die Widerstandskräfte nach Wochen und Monaten der Kälte geschwächt sind und jeder Frost nach Tauwetter schlimmer wirkt, als stabile Minustemperaturen.

20 Betten stehen nun in einem Gewerbegebiet des Stadtteils Oktober in einem Zelt bereit, aufgestellt auf einem Grundstück der Stadtverwaltung. Mit Hand beim Aufbau und der Innenausstattung angelegt haben übrigens neben dem kleinen Team der Obdachlosenhilfe von Maria Rjabowa auch einige Stadtstreicher. Aufgenommen werden können durchaus mehr als 20 Obdachlose, die dann freilich zum Teil die Nacht im Sitzen verbringen müssen. Es gibt eine Kleinigkeit zu essen, medizinische Hilfe wird geleistet, und man bekommt guten Rat in Sachen Sozialhilfe und Rechtsansprüche.

Am wichtigsten aber: Ein Stromaggregat spendet Licht und ein Heizlüfter Wärme. Von neun Uhr abends bis sieben Uhr morgens kann hier unterkommen, wer nicht zu stark alkoholisiert ist. Stehen bleiben soll das Zelt noch bis ins Frühjahr hinein, zumindest bis die Nachtfröste aufhören. Dann freilich kann es für viele auch schon zu spät sein. Ein Berber, der es wissen muß kommentiert das alljährliche Winterdrama: „Wenn wir uns nicht selbst helfen, hilft uns keiner. Jedes Frühjahr taut man sie auf, die Tulpenzwiebeln, wie man sie nennt. Hunderte. Tausende im ganzen Land. Können Sie sich das vorstellen?“ Nein, man will es sich nicht vorstellen. Und gottlob haben ja behauste Menschen geholfen, aus Wladimir und aus Erlangen. Ihnen allen Dank im Namen derer, die nun zumindest diesen Winter überleben, auch wenn sie sich kein Haus mehr bauen, sondern nur ein Zelt.

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