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Archive for 18. Februar 2010


Orwell an der Schule

Nun zieht der Große Bruder also auch in Wladimirs Schulen ein. Zumindest in einem Pilotprojekt des Wirtschaftsgymnasiums. Im Rahmen des Anti-Terrorkampfes hat, wie der Blog bereits in seinem Wissenschaftsteil berichtete, die Staatliche Universität ein Überwachungssystem entwickelt, das Einlaß in ein Gebäude nur per Fingerabdruck gewährt. Damit kann jede Einrichtung zu einem technisch aufgerüsteten Hochsicherheitstrakt mutieren. Uneinnehmbar für Terroristen und sonstige Übeltäter – oder unerwünschte Besucher.

Doch damit nicht genug: Die Technik erlaubt eine lückenlose Überwachung der Schüler und Lehrer sowie die Einrichtung eines Portals, über das später einmal alle angeschlossenen Lehreinrichtungen – und wohl nicht nur die – vernetzt werden. Und die Eltern oder Angehörigen oder Chefs haben von ihrem PC aus die Möglichkeit, jederzeit Auskunft über den Standort des Kindes, Verwandten oder Mitarbeiters zu erhalten. Da versuche noch jemand, blau zu machen oder einen Seitensprung zu riskieren. Der gläserne Mensch nimmt Gestalt an. Der Nackt-Scanner ist dagegen nur noch ein frivoles Spielzeug.

Den technikverliebten Jugendlichen verkauft man denn auch die Innovation als etwas Spielerisches – und den Eltern natürlich mit dem Sicherheitsaspekt: Jedes Kind erhält einen „Tracker“, einen Positionsbestimmer, der auch außerhalb der Schule den Eltern Auskunft darüber gibt, wo sich der Nachwuchs aufhält. Und sollte der in Kalamitäten geraten, etwa überfallen werden, ist da ein Notrufknopf, der die Polizei sicher zum Tatort lotsen kann.

Sicher lobenswert für die Prävention und den Opferschutz. Aber wollen wir wirklich, daß uns und die unseren immer und überall das wache Auge des Großen Bruders wie die Wolke Gottes auf Schritt und Tritt verfolgt? Wo endet das legitime Bedürfnis nach Sicherheit, und wo beginnt das Unwesen der Überwachung, die Übertretung der Schwelle zur Privatsphäre? Oder ist es längst obsolet, diese Grenze weiter ziehen zu wollen?

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