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Archive for 14. Februar 2010


Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab es in der römischisch-katholischen Kirche noch einen Vorfasten-Sonntag, etwa 50 Tage vor Ostern, der im liturgischen Kalender die Bezeichnung „Estomihi“ trug, entlehnt aus dem Psalm 31, „Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet“.

Schuldvergebung

In der russisch-orthodoxen Kirche lebt dieser Feiertag fort, an dem das Evangelium aus Mt. 6, 14-21 gelesen wird, wo es darum geht, einander zu verzeihen, andernfalls auch wir keine Vergebung unserer Sünden vor dem Herrn finden. Der Sonntag der Vergebung fordert deshalb alle Gläubigen auf, einander um Verzeihung zu bitten und sie auch selbst zu gewähren. Erst im Akt der Vergebung und demütigen Bitte um Vergebung nämlich werde man innerlich rein genug, um in die Fastenzeit eintreten zu können.  Das äußerliche Zeichen der Bußfertigkeit und Indulgenz ist die gegenseitige Verneigung voreinander, besonders eindrucksvoll während des Gottesdienstes vollzogen. Zurück geht dieser Brauch, der auch eine Umarmung einschließen kann, wohl auf die Mönche auf dem Sinai. Die nämlich verabschiedeten sich voneinander vor der Fastenzeit, um die Passion in der Wüste als Eremiten zu verleben, wo sie oft Opfer von wilden Tieren wurden und anderweitig ums Leben kamen. Man verabschiedete sich also an diesem Tag voneinander, als wäre es der letzte Tag, beichtete einander die gegenseitige Schuld, vergab einander wie vor dem Tod. Treffen würde man sich ja nämlich erst wieder zu Ostern – oder eben in der Auferstehung von den Toten.

In vorrevolutionären Rußland unterwarf sich sogar der Zar diesem religiösen Brauch. Er bat sein Volk um Vergebung für seine Sünden und machte einen Truppenbesuch, nahm am Festgottesdienst teil und beichtete öffentlich vor den Erzpriestern.

Wintervertreibung

Nicht genug damit: An diesem Sonntag wird auch der Vertreibung aus dem Paradies gedacht, und es endet die Masleniza, die Butterwoche. Heute ist also der letzte Tag, wo es erlaubt ist, Fleisch und Milchprodukte zu essen, bevor das lange und strenge vorösterliche Fasten beginnt. Und auch ein vorchristlicher Brauch hat sich erhalten: das Verbrennen einer Strohpuppe als Symbol des Winters, den man auf diese Weise aus dem Kalender vertrieben sehen will. Ein bißchen viel für einen einzigen Sonntag. Heuer besonders, fällt doch auch noch der Valentinstag auf ihn. An den freilich braucht man hier nicht eigens erinnern. Das besorgt mittlerweile eine auch in Rußland florierende Werbemaschinerie, vor der man sich weder auf einen schützenden Fels noch in eine feste Burg retten kann.

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