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Archive for 12. Februar 2010


FC Torpedo Wladimir

Im Stadion von Wladimir hat sich viel Ärger aufgestaut, es bahnt sich ein handfester Skandal an. In einem offenen Brief, unterzeichnet von dreizehn Spielern des Zweit-Liga-Klubs „Torpedo“, heißt es, man warte noch immer auf die vertraglich zugesagten Prämien für die Spiele im Jahr 2008, von 2009 ganz zu schweigen. Die Klage richtet sich an das Gouvernement, denn mangels Sponsoren aus der Großindustrie leistet sich das Weiße Haus in Wladimir aus Steuermitteln den Verein, der ganz vorne in der zweiten Liga mitspielt. Nun reißt den Kickern der Geduldsfaden, sie fordern ultimativ die Nachzahlung ihrer Prämien. Andernfalls wollen sie sich an den Russischen Fußballverband wenden, was für den Klub und damit seinen Besitzer, die Gouvernementsverwaltung, empfindliche Strafen nach sich zöge. Der Verband nämlich wacht streng über die Regeln, die geschaffen wurden, um Spieler nicht zu Sklaven verantwortungsloser Vereinsbesitzer machen zu lassen, die nicht zu ihren vertraglichen Verpflichtungen stehen. Genasführt fühlt sich das Team um Jewgenij Durnjew besonders von den Beamten, die immer wieder versprechen, ein Aufstieg in die erste Liga – sportlich seit Jahren durchaus realistisch – sei finanziell abgesichert, während offenbar nicht einmal das Geld für die Zahlung von Prämien bereitsteht.

Trainer Jewgenij Durnjew

Nun tobt ein Meinungskampf in der Öffentlichkeit darüber, ob es richtig war, den Beschwerdebrief an die Medien zu geben, ob die Sache nicht im stillen Kämmerlein hätte geklärt werden können. Trainer Jewgenij Durnjew jedenfalls stellt sich auf die Seite seiner Mannschaft und äußert Verständnis für deren Frust, wenn er sich auch gewünscht hätte, der Streit wäre nicht eskaliert und hätte sich gütlich beilegen lassen. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Schon wird diskutiert, ob es nicht besser wäre, den Klub in private Hände zu geben, eine AG aus ihm zu machen. Doch was wird dann mit der Nachwuchsarbeit des Vereins, der sich seine Spieler bisher hauptsächlich an der eigenen Fußballschule herangezogen hat? Ernsthaft glaubt ohnehin niemand daran, daß in nennbarem Umfang privates Kapital in den Klub fließen wird. Damit kann man erst rechnen, wenn man in der ersten Liga spielt. Dafür fehlt den Wladimirern aber offenbar das Geld, und die Katze beißt sich in den Schwanz. Oder eine sportliche Variante des alten Streits, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei.

Es wird wohl nicht dazu kommen, daß Dmitrij Medwedjew oder Wladimir Putin sich wie Angela Merkel als Streitschlichter bewähren müssen; Gouverneur Nikolaj Winogradow wird die Angelegenheit sicher richten. Aber es zeigt, wie verschieden unsere Welten auch im Fußball sind: Die einen ziehen in ihrer unstillbaren Gier nach Mehr aus in einen Nichtgenugkrieg, die andern haben genug davon, nicht das zu kriegen, was ihnen zusteht.

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