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Eine doppelte Premiere war das gestern in der „Scheune“ der WAB-Kosbach im Erlanger Ortsteil Häusling. Christoph Reichert eröffnete zum ersten Mal in den gelungen restaurierten Räumen ein Konzert, und das Trio aus Wladimir machte mit dem Auftritt den Auftakt zu seiner einwöchigen Gastspielreise durch Franken und Oberbayern.

Christoph Reichert bei der Vorstellung des Trios

Und was für einen Auftakt! Man kennt ja das 1992 von Igor Besotosnyj gegründete Kammerensemble der Wladimirer Philharmonie, und doch überraschen die Gäste dann doch immer wieder damit, sich selbst zu übertreffen. Dieses Mal auf besondere Weise.

Igor Besotosnyj

Erstmals seit Jahren nämlich nicht in der Besetzung: Swetlana Besotosnaja. Der Vater verrät auch den Grund: Die Tochter ist in anderen Umständen. Und nun scheint es, als wolle das Trio beweisen, auch ohne die virtuose Geigerin das Publikum für sich gewinnen zu können.

Alexander Schaposchnikow

Spielerisch gelingt das, im wahrsten Sinne des Wortes, als hätten – im ersten Teil des Konzerts – Antonio Vivaldi, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Pjotr Tschajkowskij oder Dmitrij Schostakowitsch für Balalaika, Domra und Bajan komponiert. Ganz zu schweigen von Niccolò Paganini, den Igor Besotosnyj an seinem dreisaitigen Instrument interpretiert, als hätte er das Stück selbst komponiert.

Olga Besotosnaja

Aber auch Domra und Bajan, die häufig eher im musikalischen Schatten der Balalaika erklingen, bekommen nicht nur ihr Soloparts, sondern erspielen sich in dieser Formation ihre je ganz eigene Stimme, die ebenso für sich selbst trägt wie auch das harmonische Zusammenspiel prägt.

Leonhard Hirl

In der Pause zwischen dem klassischen und dem folkloristischen Teil des Konzerts dann eine anrührende Einlage. Den aus dem Publikum vorgebrachten Wunsch, eine russische Weihnachtsgeschichte vorzutragen, erfüllte Leonhard Hirl, Gründer der WAB Kosbach und Gastgeber des Trios, spontan mit dem Vortrag der Erzählung „Weihnachtsbrief“ von Anton Tschechow. Stimmig!

Russische Weihnacht

So sorgfältig das Repertoire zusammengestellt ist, so präsent und transparent wird jedes Stück – gleich ob aus der Klassik oder der Folklore – angestimmt. Und das, obwohl das Ensemble aus Wladimir erst am Morgen nach fast vierzigstündiger Fahrt durch Eis und Schnee im eigenen Tourbus in Erlangen eingetroffen ist – und prompt gleich bei der Ankunft eine Panne hatte: Die Kupplung ist wohl dahin und wird jetzt von Adam Neidhardt repariert, der schon so manches Fahrzeug aus der Partnerstadt wieder flott gemacht hat.

Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Das dankbare Publikum entließ das Ensemble schließlich erst nach zwei Zugaben in die Gardrobe. Die Tournee des Trios, das zu Hause im großen Orchester spielt und am Institut für Kunst unterrichtet, hat also gut begonnen, und heute abend geht es in Adelsdorf schon weiter:

Igor Besotosnyj, Olga Besotosnaja und Alexander Schaposchnikow

Um 19.00 Uhr in der AWO / WAB, Fabrikstraße 1a, Adelsdorf; am Mittwoch, den 13. Dezember, um 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn, Wörnerweg 30; am Donnerstag, den 14. Dezember, um 19.00 Uhr im Klinikum Penzberg, Am Schloßbichl 7; am Freitag, den 15. Dezember, um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum St. Xystus, Kolpingweg 16, Erlangen; am Samstag, den 16. Dezember, um 14.00 Uhr in der Kirche „Zur Heiligen Familie“ / Barmherzige Brüder, Eustachius-Kugler-Straße 1, Gremsdorf und am gleichen Tag um 19.00 Uhr im Klinikum Starnberg, Oßwaldstr. 1. Die Gastspielreise klingt aus am Sonntag, den 17. Dezember, um 14.00 Uhr auf der Waldweihnacht in Erlangen, Schloßplatz, und um 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik Herzogenaurach, In der Reuth 1. Überall bei freiem Eintritt mit der Bitte um Spenden.


Keine guten Nachrichten für alle Eisenbahnfreunde. Wie „Zebra-TV“ berichtet, rückt der Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau via Wladimir nach Kasan mit späterem Anschluß bis in den Ural und nach Sibirien in weite Ferne. Das zumindest ist Ergebnis eines Arbeitstreffens im Rahmen des 11. Internationalen Verkehrsforums in Moskau, wo auch der zuständige Minister, Maxim Sokolow auftrat und folgende Erklärung zu dem Projekt abgab, das ursprünglich einmal als Infrastrukturmaßnahme zur Fußballweltmeisterschaft gedacht war:

Der Investitionsumfang für dieses Vorhaben wird heute unterschiedlich hoch angegeben – ungeachtet einer zu den Streckenteilen bereits vorliegenden Dokumentation zwischen 1,3 und 1,5 Trillionen Rubel -, und ich denke, aus dem, was vorher über das Finanzdefizit gesagt wurde, ist gut begründet, warum wir bisher diese Sache nicht angehen können… Denn im Haushalt ist für dieses Projekt kein einziger Rubel vorgesehen. Eine solche Summe bereitzustellen und die Rentabilität für private Investoren zu gewährleisten, ein solches Modell bekommen wir bisher nicht hin. Eben deshalb befindet sich ein aus meiner Sicht so wichtiges und strategisches Projekt noch immer im Planungsstadium. Obwohl ja auch die Planung schon ein Vorwärtsbewegung in die Sache bringt.

Wirklich schade drum, zumal erst Mitte Oktober bekannt wurde, man wolle die ursprünglich im ersten Schritt bis Kasan führende 770 km lange Trasse zunächst nur auf die ersten 172 km von Moskau bis Wladimir anlegen und damit die Fahrtzeit um etwa eine Stunde verkürzen. Nun wird auf absehbare Zeit auch daraus nichts. Schade für das Land, das so zusammen mit China die moderne Variante der „Seidenstraße“ bauen wollte – von Moskau bis Peking – , aber immerhin für die Partnerstadt verkraftbar, denn mit den gegenwärtigen Verbindungen in die Metropole in weniger als zwei Stunden ist man ja auch schon recht schnell und bequem unterwegs. Und wie man gestern bei der Jungfernfahrt des ICE zwischen München und Berlin sah, kann die herkömmliche und erprobte Verbindung durchaus schneller und weniger pannenanfällig sein als die neue Sprintvariante.

S. auch die früheren Beiträge, die man nun schon zur Verkehrsgeschichte rechnen kann: https://is.gd/U0l554, https://is.gd/q2RO8w, https://is.gd/SGm5dn und https://is.gd/K4FYGl

 


Offenbar wirken die Maßnahmen zur Senkung des Alkoholkonsums in der Region Wladimir. Es ist immer weniger an dem Klischee dran, zur russischen Gastfreundschaft gehöre Wodka schon zum Frühstück und bis zum Abwinken als Absacker. Nach den jüngsten statistischen Erhebungen liegt das Gouvernement am Goldenen Ring hinsichtlich Nüchternheit landesweit unter allen 85 Subjekten der Republik auf Platz 20 und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um 13 Positionen verbessert. Rechnet man die sieben muslimisch geprägten und ganz vorne platzierten Regionen des Kaukasus oder die Republik Tatarstan heraus, rückt Wladimir sogar noch weiter nach vorne.

Der Studie zugrunde liegen Untersuchungen zur Zahl der dem Alkohol zuzurechnenden Sterbefälle, die Quantität der als alkoholkrank gemeldeten Menschen; die im Zustand der Trunkenheit begangenen Straftaten; der Pro-Kopf-Verbrauch an alkoholischen Getränken; die Wirkung von behördlichen Maßnahmen gegen Alkoholmißbrauch. Letztere wurden offenbar nicht vergebens ergriffen: Seit etwa zehn Jahren darf zwischen 23.00 Uhr und 7.00 Uhr kein alkoholhaltiges Getränk über die Ladentheke (viele Geschäfte haben rund um die Uhr geöffnet) gehen und nur noch in Gaststätten ausgeschenkt werden; Orte, wo Alkoholika verkauft werden, müssen einen Mindestabstand von 25 Metern zu öffentlichen Einrichtungen einhalten; seit Anfang 2014 sind sogar Bier und Wein nur noch bis 23.00 Uhr im Geschäft erhältlich; am 8. Juli, dem „Tag der Familie, Liebe und Treue“ sowie am 1. September, dem „Tag des Wissens“ und Schulbeginns herrscht Prohibition; streng hält man es mit dem Verbot, Alkohol an Minderjährige abzugeben; dem übergroßen Durst wirken aber sicher auch die zwischen zehn und zwanzig Prozent gestaffelt steigenden Preise entgegen.

Wider die Trunksucht!

Bevor jetzt aber die Freunde eines guten Tropfens ganz der Trübsal anheimfallen noch ein tröstender Witz aus dem unerschöpflich reichen Reservoir des russischen Volksmundes:

Nicht auszustehen die Leute, die behaupten, das Leben lasse sich auch ohne zu trinken genießen. Klar, man kann ja auch ohne Sportschuhe laufen. Aber man rennt nun einmal besser und schneller mit als ohne…

Alkohol 3

Vorsitzender des Dorfsowjets – „Genosse Vorsitzender, da ist das Landratsamt dran… Die sagen, wir brennen unseren Wodka selbst.“ – „Aber den holen wir uns doch im Nachbarkreis!“


So gut sie inhaltlich vorbereitet war, so gut ist sie auch technisch – abgesehen von anfänglichen Störgeräuschen durch falsch positionierte Mikrophone –  gestern im Universitätsgebäude der Friedrich-Alexander-Universität in der Kochstraße 4 gelungen, die erste Videokonferenz zwischen Erlangen und Wladimir. Von 9.00 Uhr bis 11.45 Uhr tauschte man Kurzvorträge zum Thema „100 Jahre Russische Revolution – Deutsche und russische Perspektiven“ aus und vertiefte anschließend den vielfältigen Stoff in der Diskussion.

Die Initiative zu dieser Premiere ging von der russischen Seite aus, die sich auf dem Bildschirm auch in beeindruckender Aufstellung präsentierte. Irina Lapschina, Leiterin der Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte und habilitierte Historikerin, moderierte im sich rasch einspielenden Tandem mit Moritz Florin, ihrem Erlanger promovierten Kollegen vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, die Runde mit den abgesprochenen Themenblöcken.

Als Arbeitssprache hatte man Englisch gewählt, da auf Seiten Erlangens nicht alle über ausreichend Russischkenntnisse verfügten. Desto erstaunlicher der Vortrag von Alexej Andrianow auf Deutsch, wenn man einmal absieht vom flüssig-gewandten Wechsel zwischen allen drei Sprachen, den Moritz Florin an den Tag legte, oder vom gepflegten Russisch des Muttersprachlers Igor Biberman.

Wladimir zwischen Moskau und Gorkij

Das „mächtige Häuflein“ in Erlangen hatte sich gut vorbereitet mit einer Landkarte der Sowjetunion aus dem Jahr 1961, behängt mit Artikeln und Publikationen zum Thema, sowie einem kleinen Büchertisch, Zeugnisse einer intensiven Auseinandersetzung der deutschen Öffentlichkeit mit der Oktoberrevolution. Nicht von ungefähr zeigte man diese „Leistungsschau“, denn allgemein herrscht der Eindruck vor, die russische Politik, Wissenschaft und Medienwelt habe dem Jahrhundertereignis eher stiefmütterliches Interesse entgegengebracht. Ob dem auch wirklich so sei, sollte schließlich zu einem der Leitmotive der Konferenz werden.

Klaus Dyroff grüßt Wladimir

Von Nikolaj Karamsin, dem Vater der russischen Geschichtsschreibung stammt der Satz „Das Volk ist ein scharfes Eisen, mit dem zu spielen gefährlich ist, und die Revolution ist ein offener Sarg für die Tugend ebenso wie für die Missetat.“ Er hatte die Französische Revolution vor Augen, aber gültig ist sein Aphorismus sicher nicht minder für das, was im Oktober/November vor 100 Jahren in Petrograd seinen blutigen Anfang nahm.

Heute, so Irina Lapschina in ihrer Einführung, sei die Bevölkerung in der Beurteilung der Ereignisse – ob Revolution oder Staatsstreich – geteilter Meinung: 46:46 stehen sich mit einer positiven bzw. negativen Haltung gegenüber. Und die Historiker hier wie dort? Das auszudiskutieren, genügen natürlich auch drei Stunden nicht, aber ein guter Anfang ist gemacht.

Moritz Florin im Dialog mit Irina Lapschina

Immerhin gelang es, in zwölf Blöcken im Wechsel neue Ansätze des Verständnisses und der Interpretation vorzustellen, weg von Sozialgeschichte, wie sie in der UdSSR vorherrschte, hin zu einer stärker subjektiven Wahrnehmung etwa in Karl Schlögels neuer Monographie „Das sowjetische Jahrhundert“, in neuen Bewertungen der Revolution durch zeitgenössische russische Forscher, die Entdeckung von Archivmaterial mit Tagebuchaufzeichnungen und Briefen, wie derzeit in der Süddeutschen Zeitung publiziert, in der Rezeption von Erinnerungen des französischen Diplomaten Georges Maurice Paléologue, der Reportagen des amerikanischen Journalisten und Gründer der kommunistischen Arbeiterpartei in den USA, John Reed, oder der Memoiren des britischen Diplomaten, George Buchanan.

Michael Herzog zum Thema „Martin Luther und Wladimir Lenin“

Interessant auch der Einblick in die Stoffvermittlung in russischen Lehrbüchern, in eine große Ausstellung im Landesmuseum Wladimir oder die umfangreiche Berichterstattung deutscher Printmedien und TV-Reportagen wie der Sendung „Zarensturz – Ende der Romanows“ im ZDF oder „Die Künstler und die Revolution“ auf Arte. Kurios die Parallelen, die sich – an manchem wirren Haar – herbeiziehen lassen zwischen 500 Jahren Reformation und 100 Jahren Revolution.

Die Technik überlistet von Sonja Ruppik und Cornelia Götschel

In der Diskussion stellte sich rasch eines heraus: Man kann und will über alles sprechen, weder hier noch dort gibt es Tabuzonen oder vorgestanzte Auffassungen, die ja Friedrich Schiller immer so fürchtete:  „Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, / schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.“ Auch nicht zum mehr diskutierten als rezipierten Spielfilm „Mathilde“, der in russisch-orthodoxen Kreisen – auch in Wladimir – so viel Wirbel ausgelöst hatte und die gestrige Runde so gelassen ließ; auch nicht zur Frage, warum denn nun die Kreml-Politik die Rote Revolution im Jubiläumsjahr so unter den Scheffel stellt. Eine Wladimirer Studentin mutmaßt denn auch, man wolle wohl angesichts der Präsidentschaftswahl im März niemanden auch nur in Gedanken auf die Barrikaden bringen. Ein eher geringes Risiko so die russische Meinung dazu, zumal ja auch nur wenige den Aufrufen der Kommunisten zu ihren Kundgebungen folgten.

Werner Landmann, Sonja Ruppig, Cornelia Götschel, Igor Biberman, Moritz Florin, Andreas Beckert, Klaus Dyroff und Michael Herzog

In Abwandlung eines Ausspruchs von Zarin Katharina II – „Ihr Philosophen habt es gut. Ihr schreibt auf Papier, und Papier ist geduldig. Ich unglückliche Kaiserin schreibe auf der empfindlichen Haut von Menschen.“ – könnte man sagen, die Oktoberrevolution hat die Haut von Millionen von Menschen gegerbt, die Narben und Verletzungen werden wohl noch lange weitervererbt. Da braucht es dann schon eine gute Erklärung für die Frage, warum neuerdings in der russischen Forschung der Begriff „Große Revolution“ auftauche. Vielleicht, so eine Deutung aus Wladimir, weil damit das gesamte Jahr 1917 gemeint ist, das Zusammenwirken der bürgerlichen Revolution im Februar mit dem bolschewistischen Umsturz im Oktober. Da besteht aber sicher noch Klärungsbedarf zwischen den Debattanten, die es sicher nicht bei dieser ersten Videokonferenz bewenden lassen, zumal – wie es sich für jede anständige Konferenz gehört – eine Zusammenstellung und Publizierung der Beiträge vorgesehen ist und man auch schon ein Wiedersehen realiter im Sommer plant.

S. auch: https://is.gd/t6UFpQ und https://is.gd/PkRADg


Mein Name ist Frederick, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Erlangen. Diesen Sommer habe ich die Schule abgeschlossen und mich anschließend über das Erasmus+ – Programm auf die Stelle in Wladimir beworben. Mein erster Aufenthalt in Wladimir war 2015, als ich dort mit einer Erlanger Pfadfindergruppe einen Niedrigseilgarten für den Blauen Himmel errichtete.

Als mich Peter Steger im Sommer fragte, ob ich mir das Projekt in Wladimir vorstellen könnte, war die Entscheidung für mich eigentlich schon gefallen, da ich bereits ein klares Bild von Wladimir hatte und somit die Vorzüge aber auch die Einschränkungen eines Aufenthalts in der Partnerstadt kannte. Die Tätigkeiten dort klangen sehr vielversprechend, und auch nach etwa dem, was ich bisher für die Erlanger Pfadfinder getan habe. Angst hatte ich nur vor den eisigen Temperaturen, die mir bisher aber noch nicht zu schaffen machen.

Hier in Wladimir werde ich einen russischen Sprachkurs besuchen und für den „Euroklub“, eine Jugendorganisation, die Freizeitangebote für Schüler und Studenten macht, verschiedene Projekte für Kinder und Jugendliche organisieren und durchführen. Der „Euroklub“ hat zum Ziel, jungen Menschen verschiedene landeskundlich-kulturelle Inhalte spielerisch zu vermitteln.

An der Universität werde ich Studenten, die die deutsche Sprache lernen, durch Dialoge und Kurzpräsentationen bei ihren Lernfortschritten unterstützen, aber auch Hintergrundwissen über kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede der beiden Länder vermitteln. Auch Hausarbeiten oder Aufsätze werde ich gegenlesen und mit den Verfassern überarbeiten. Die Studenten sagten mir, ihr Unterricht laufe sehr theoretisch ab und es mangele ihnen deswegen an Praxisgebrauch der Fremdsprachen – die Nachfrage seitens der Studenten an Konversationsstunden ist auf jeden Fall sehr groß.

 

Frederick Marthol im Eispalast von Wladimir

Nach der Landung in Moskau begann ich erst zu begreifen: Dieses Land wird für die nächsten Monate meine Heimat sein. Ärgerlich nur, wenn man die Menschen hier nicht versteht. Weder Zoll- noch Einreisebeamte am Flughafen beherrschen die englische Sprache, geschweige denn Eisenbahnangestellte. Daher stellte sich insbesondere der Fahrkartenkauf für ein Zugticket nach Wladimir als äußerst kompliziert heraus. Leider funktioniert mein deutscher Handyvertrag hier nicht, weshalb ich meine Abholerinnen nicht erreichen konnte, um ihnen zu sagen, daß ich aufgrund einer Verspätung meinen ursprünglichen Zug nach Wladimir nicht erreicht habe und deswegen später komme. Nachdem diese also über zwei Stunden am Bahnhof auf mich gewartet hatten, sind sie wieder heimgefahren, bevor ich kurze Zeit später mit dem 23-Uhr-Zug ankam. Mit meinem gesamten Gepäck verließ ich das Bahnhofsgebäude, um mich in der verschneiten Nacht auf die Suche nach einem WLAN-Netzwerk zu machen, von dem aus ich die Adresse meiner Unterkunft in Erfahrung bringen konnte (da ich abgeholt werden sollte, hatte ich diese ja nicht!). Ein paar Anrufe später saß ich dann endlich im Taxi zu meiner Unterkunft. Da ich noch kein russisches Geld hatte, gab ich dem Fahrer für die zwanzigminütige Fahrt einen Fünf-Euro-Schein, er freute sich unglaublich darüber, denn er hatte umgerechnet nur 1,20 € verlangt.

Die Studentenwohnheime sind triste, plattenbauähnliche Gebäude, ich würde sagen aus den Siebzigerjahren und seitdem ohne größere Sanierungen. Es gibt ein eigenes Wohnheim für die ausländischen Studenten, in welchem auch ich mein Zimmer habe. Dieses an sich ist aber sehr schön, und vor allem größer, als ich es mir vorgestellt habe. Die Küche ist aber nur sehr spärlich ausgestattet, und die Duschen sind, wie selbst die Leiterin der Wohnanlage sagt, schrecklich.

Insgesamt ist die Wohnsituation aber absolut in Ordnung, und ich freue mich auf nette Bekanntschaften an der Wohnanlage.

Am Samstag wurde ich von Jelena Guskowa, der Leiterin des Euroklubs besucht. Sie erklärte mir alles und gab mir freundlicherweise ein paar nützliche Dinge für den Alltag im Studentenwohnheim mit. Anschließend war ich Einkaufen und habe einen mobilen Internetvertrag abgeschlossen, damit ich wieder kommunizieren kann. Hierbei half mir Timofej, ein russischer Student, der Deutsch als Lehramt studiert und sogar ein schöneres Deutsch spricht, als die meisten meiner Freunde in Erlangen. Die Redewendung „Das finde ich ja allerhand“ gehört für ihn genauso zum Stammwortschatz wie diverse Fachbegriffe: „Stagnieren“ ist sein Lieblingswort. Fasziniert von dem Gespräch mit ihm, endet mein erster richtiger Abend in der Stadt.

Den Sonntag habe ich mit anderen Stundentinnen, die ebenfalls Deutsch und Englisch lernen, verbracht. Wir waren im Stadtzentrum, im Park und einer kleinen Cafeteria. Das Highlight des Tages war aber auf jeden Fall das Schlittschuhlaufen in einer Eissporthalle nahe des Zentralnyj Park.

Mein zweiter „erster Eindruck“ ist also sehr gut, ich bin gespannt, was mich in den nächsten Tagen hier erwarten wird. Es lohnt sich also, diesen informativen Blog regelmäßig zu lesen.

Frederick Marthol vor der Universität Wladimir

Frederick Marthol

Und hier geht es zum allerersten Blick von Frederick Marthol auf Wladimir: https://is.gd/RSfPxD


Ein gutes Jahr geht für den politisch wie konfessionell neutralen Verein „Nadjeschda“ zu Ende. Seit 15 Jahren aktiv in der Zusammenarbeit  und bei der Förderung des Jugendaustausches mit der katholischen Rosenkranzgemeinde Wladimir, ehrte Erzbischof Ludwig Schick die 39 Mitglieder für im Juli für ihre völkerverbindende Arbeit, und bereits im April hatte Vorstandsmitglied Jutta Schnabel aus den Händen der Bürgermeisterinnen Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß den „Ehrenbrief der Stadt Erlangen für besondere Verdienste im Bereich der Jugendarbeit“ erhalten.

Nadjeschda am Nikolaus-Tag 2017

Überhaupt die Jugendarbeit: Sie dominierte auch neben dem Projekt „Pilgerzentrum“ die gestrige Vollversammlung von „Nadjeschda“ – zu Deutsch „Hoffnung – unter dem Vorsitz von Dekan Josef Dobeneck mit einem ausführlichen Rückblick auf die jüngsten Begegnungen – dazu wird noch ein Bericht für den Blog erwartet – und einer Vorschau auf die Planungen für das nächste Jahr, in dem der Verein im Rahmen des 2018 anstehenden fünfunddreißigjährigen Partnerschaftsjubiläums in verschiedenen Gemeinden einen „Wladimir-Tag“ veranstalten möchte, um über die Katholiken in Wladimir zu berichten und die Kollekte für deren Gemeindearbeit vorzusehen. St. Kunigund und St. Sebald haben in der Hinsicht für dieses Jahr bereits ihren Plan großmütig erfüllt. Vor allem aber: Jedes Mitglied zählt mit seinen Ideen und Aktivitäten. Wer also mitmachen will, ist herzlich eingeladen, sich bei Josef Dobeneck unter Tel.: 09131/4000350 oder per E-Mail unter josef.dobeneck@erzbistum-bamberg.de zu melden. Der Mindestmitgliedsbeitrag beträgt gerade einmal 15 Euro. Möglich sind aber natürlich auch Einzelspenden auf das Vereinskonto Nr. IBAN DE09 7635 0000 0022 0017 64. Vergelt’s Gott!

Himmlische Amtshilfe


Am 18. November feiert nach irdischer Zeitrechnung Väterchen Frost Geburtstag. Für den slawischen Vetter des hl. Nikolaus eine erste Gelegenheit, sich in den vorwinterlichen Städten und Dörfern umzusehen, mit den Kindern zu sprechen, sich umzuhören auf Gottes schönster aller Welten. Der Weg führte den ehrwürdigen Herrn natürlich auch in das adventlich gestimmte Wladimir, wo man ihm einen festlichen Empfang bereitete und einen Briefkasten, von Meisterhand aus Holz gefertigt, aufstellte, in den die Kinder ihre Glückwünsche steckten, die noch am gleichen Tag nach Welikij Ustjug expediert wurden, wo Väterchen Frost residiert und aus allen Zusendungen die schönste auswählt, um den Absender dann zum Neujahr mit einem himmlischen Preis auszuzeichnen.

In der Fürstenstadt an der Kljasma aber blieb der kunstvolle Briefkasten stehen, damit die Kinder dort auch ihre Post mit dem Betreff „Wünsche an Väterchen Frost“ einwerfen können, bis in der finstren Nacht des 24. November eine wahre Untat geschah: Unbekannte Wüteriche trieben ihr schändliches Unwesen, brachen die Holzbox auf und veranstalteten mit den Kinderbriefen eine üble Schnitzeljagd, deren Spuren am nächsten Morgen zu beklagen waren.

Dieser himmelschreiende Frevel blieb natürlich im Jenseits nicht unbemerkt. Erzengel Michael, der stets wachsame Schutzpatron der Polizei, schlug denn auch umgehend Alarm und machte Sankt Nikolaus, der schon mitten in den Vorbereitungen auf seine Erdenfahrt steckte, Meldung von dem unerhörten Vorfall im Land der Reußen. Noch bevor von dort der offizielle Antrag auf Amtshilfe eintraf, beratschlagte sich der Bischof ohne Verzug mit dem Christkind, das gerade aus einem Alptraum aufgewacht war. Verdächtige Gestalten, ein rechtes Gelichter, Spießgesellen der dunklen Mächte hatten sich da lärmend durch seinen Schlaf getrieben und allerlei Allotria veranstaltet, aus Gesangbüchern Seiten herausgerissen, um daraus mit ungeschickten Händen Papierflieger zu falten, mit Weihwasser verdorrte Brennesseln gegossen oder Meßgewänder als Untersatz zu mißbrauchen, mit dem man trockenen Hinterns verschneite Hügel hinabrutschen konnte. Und dann auch das noch: das Briefgeheimnis auf so niederträchtige Weise gebrochen.

Inzwischen war aber schon Augustinus mit einem kleinen Trupp Schriftgelehrter, eskortiert von einer umsichtigen Engelschar, hinabgefahren auf die im Osten noch dunkle Erde. Der Kirchenvater hatte ja seit seiner göttlichen Weisung „tolle et lege“ eine besondere Expertise bei der treffsicheren Lektüre heiliger Schriften bewiesen und erschien den himmlischen Mächten als der richtige Mann, um das Unrecht – „mies und fies“ hatte es Sankt Nikolaus in seiner ersten Aufwallung nur allzu gerechten Zorns genannt – wiedergutzumachen.

In der Tat gelang es dem Gottesmann noch vor Anbruch des Tages, aus den Spuren der Verwüstung herauszulesen, was die Kinder sich so alles wünschten. Mehr noch, der Blog erhielt soeben sogar das Imprimatur für Auszüge aus diesen Briefen, freilich ohne Angabe der Absender. Sätze sind da zu lesen wie: „Immer erfüllst Du die Wünsche anderer, deshalb schicke ich Dir nur ein Bild von mir, damit Du mich auch bestimmt findest.“ – „Was Du mir bringst, ist mir eigentlich egal, Hauptsache – Du kommst!“ – „Ich war leider nicht immer brav in diesem Jahr, aber meine Mama lobt mich immer schon, wenn ich es wenigstens versuche. Ob das für ein Geschenk reicht?“ – „Mein Papa ist bei der Post. Er sagt, mein Brief kommt unfrankiert nicht an. Aber er weiß auch nicht, welche Marke richtig ist. Ich schicke Dir den Brief jetzt per Nachnahme. Wenn Du kommst, gibt Dir Papa die Gebühr zurück.“ – „So viel, wie ich mir wünsche, kann Dein Schlitten gar nicht tragen.“ – „Ich wünsche mir ein Fahrrad, das nie einen Platten kriegt.“ – „Mach bitte meinen Opa wieder gesund im Kopf. Er legt immer wieder sein Gebiß in meine Lieblingstasse, wenn er ins Bett geht. Ich mag ihn sehr, aber das ist pfui und eklig.“ – „Ich wünsche mir, was Du mir bringst!“ – „Mein kleiner Bruder ist krank. Ich habe gehört, wie der Doktor gesagt hat, er lebt vielleicht nicht mehr bis Weihnachten. Kannst Du nicht gleich das Christkind mitbringen?“

Wir wissen nun zwar nicht, welche Buße dereinst den Finsterlingen auferlegt wird, die in jener Nacht den lichten Zauber zu brechen versuchten, aber zuverlässige Quellen sichern uns zu, daß heute Sankt Nikolaus nach getaner Arbeit in seinem weströmischen Herrschaftsbereich auch noch einen Abstecher zu den Kindern in Wladimir plant, deren Briefe keine menschliche Niedertracht daran hindern kann, in den Himmel aufzusteigen, wo sich bestimmt auch noch Väterchen Frost mit dem Bischof zu einem Geburtstagsfestschmaus trifft.

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