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Die Zusammenarbeit des Erlangen-Hauses in seiner Funktion als Sprachlernzentrum mit dem Goethe-Institut in Moskau kennt viele Facetten: Angebote im Bereich Fortbildung und Seminare für die Lehrkräfte, Beteiligung an Wettbewerben, Unterstützung durch Unterrichtsmaterial, Bereitstellung von Medien… In diese lange Liste reiht sich auch die Entsendung von Sprachassistenten ein, die als Muttersprachler in den Deutschkursen tätig sind und eigene Schwerpunkte setzen können.

Lara Heinen

Schon mit Beginn des Wintersemesters, also Anfang September, nimmt nun Lara Heinen die Arbeit am Erlangen-Haus auf. Und die Lüdenscheiderin weiß bereits, was ganz oben auf der Wunschliste der Kursteilnehmer steht: Konversation, gefolgt von Landeskunde und thematischen Veranstaltungen. Der Blog bleibt jedenfalls dran und wird sicher bald davon berichten können, wie sich die Gastdozentin am Erlangen-Haus einarbeitet. Zunächst aber: willkommen und добро пожаловать!


Normalerweise endet ein Empfang für Gäste aus den Partnerstädten nach spätestens einer halben Stunde. Ganz anders gestern vormittag, als Elisabeth Preuß die 20 jungen Gäste des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im 14. Stock des Rathauses begrüßte. Erst nach fast einer Stunde ging man auseinander und das auch nur, weil die Bürgermeisterin einen Anschlußtermin wahrzunehmen hatte, andernfalls das Treffen noch lange gedauert hätte – bei all den Fragen von der Flüchtlingsthematik bis hin zu Studienmöglichkeiten an der FAU aus der Gruppe. „Das hat jetzt richtig Spaß gemacht, bei so viel Interesse“, bedauerte denn auch Elisabeth Preuß das erzwungene Ende der Begegnung mit den Jugendlichen aus der Rosenkranzgemeinde, der orthodoxen Diözese und der Universität von Wladimir.

Elisabeth Preuß und die gemischte deutsch-russische Gruppe des BDKJ

 

Auch Jutta Schnabel und ihr Orga-Team sind zufrieden mit der Gruppe, die jetzt schon seit einer Woche in einem Begegnungshaus in der Nähe von Geiselwind – in Erlangen fehlt leider eine derartige Einrichtung – ihr umfangreiches Programm abarbeitet und morgen noch für zwei Tage nach Berlin reisen wird, von wo aus man schließlich die Rückreise nach Wladimir antritt. „Der Kreis wird größer“, freut sich denn auch Jutta Schnabel über das wachsende Interesse auf beiden Seiten an dem Austausch, der ja schon im September mit einem Gegenbesuch in der russischen Partnerstadt seine Fortsetzung findet.

Eine Fortsetzung ist übrigens auch für diesen ersten Bericht versprochen. Vorfreude darf da schon mal aufkommen.


Nehmen wir es vorweg: Die beiden Begegnungen im Ring, am Freitag in Straubing und am gestrigen Sonntag in Weißenburg hätten für die Boxstaffel aus Wladimir besser ausgehen können.

Boxstaffel Wladimir in Weißenburg

Beide Male unterlagen die Russen den Gastgebern. Aber sie schlugen sich tapfer und wissen auch zu siegen.

Karl-Heinrich Pauckner

Von 1.200 Zuschauern sprach der Veranstalter gestern im Festzelt von Weißenburg. Bestimmt nicht übertrieben, denn die Bänke waren bis in die letzten Ecken besetzt.

Besonders wichtig aber: Es herrschte eine faire Atmosphäre. Auch wenn die dicke Luft schon von Beginn an, besonders als dann zur Mittagszeit auch noch die Bräter und Grills angeworfen wurden, Publikum wie Sportler kräftig schwitzen ließ. Gleich wer nach dem Gong die Faust heben durfte, der Beifall war ihm sicher. Nicht ganz selbstverständlich im Sport, wenn die Gäste keine eigenen Fans im Troß haben.

Deniel Krotter gegen Elchin Agajew

Und die Kämpfe? Die waren ausnahmslos von einem sauberen Stil geprägt. Ermahnungen blieben die Ausnahme, kein einziger Tiefschlag, der hätte geahndet werden müssen. Dabei hätte Wladimir durchaus niedergeschlagen sein können, denn der erste Teil der Veranstaltung – die Kämpfe der Junioren – ging klar mit 5:0 an den Box-Club Weißenburg. Die Gäste nahmen es sportlich: „Da haben wir noch einiges mit unserem Nachwuchs zu arbeiten.“

Elchin Agajew und Deniel Krotter

Es waren ja auch Jungs dabei wie Deniel Krotter mit einer überragenden Technik und großen Titeln, die zu schlagen einer kleinen Sensation nahegegekommen wäre.

Boxerausweis von Ilja Kossulnikow

Im Halbwelter der Männer dann endlich der erste russische Sieg mit Ilja Kossulnikow, Jahrgang 1997, gefolgt vom Weltergewichtler Alexander Korowin, geboren 1988, der ausgerechnet über Daniel Jaß, den zweiten Sohn von Igor Krotter im Wettkampf triumphierte.

Alexander Korowin und Daniel Jaß

Das war sie dann wohl auch, die kleine Sensation im Ring, denn die Brüder vergeben sich nichts beim Sammeln von Titeln und traten als Favoriten an. Auch Meister müssen bisweilen noch Lehrgeld bezahlen.

Alexander Korowin und Daniel Jaß

Artjom Bogatow hingegen tat sich von Beginn an schwer gegen seinen Gegner, Roman Gorst. Der zwanzigjährige Schwergewichtler aus Wladimir konnte zwar auf seine gute Deckung zählen, aber ein Rezept gegen die langen Arme des Mannes aus der blauen Ecke fand er nicht. Richtig deshalb die Entscheidung des Trainers, nach der zweiten Runde das Handtuch zu werfen.

Roman Gorst und Artjom Bogatow

Die Scharte wetzte dann im Superschwergewicht Wladimir Mitrofanow aus. Wuchtig und mit Überblick ging der 1992 geborene Faustkämpfer zu Werke und setzte dem fünf Jahre jüngeren Collin Biesenberger gehörig zu. Verdient denn auch der Sieg für den Russen.

Collin Biesenberger und Wladimir Mitrofanow

Der freilich – vielleicht noch im Taumel des sicher geglaubten Triumphs – hatte das Urteil nicht richtig verstanden und meinte, den Ring als Verlierer verlassen zu müssen. Desto größer die Freude, als man ihm schon im Abgang erklärte, wie die Richter gepunktet hatten…

Wladimir Mitrofanow und Collin Biesenberger

Da läßt es sich dann gut tänzeln auf der Matte. Und daß der letzte Kampf dann ein Stellvertreterturnier wurde und verloren ging, weil Andrej Mersljakow kein Visum erhalten hatte, ist dann nur noch eine Randnotiz.

Der Tanz im Ring: Wladimir Mitrofanow

Zu einem Mißverständnis ist es aber wohl auch zwischen den Gästen und Ausrichtern des Wettkampfs gekommen. Die russischen Sportler wurden nämlich als Boxer aus Moskau angekündigt; Wladimir hatte man als Vereinsnamen aufgefaßt. Aber da wohl niemand aus der russischen Hauptstadt im Zelt zugegen war, kam es auch zu keinen Protesten.

Glücklich vereint nach dem Kampf

Karl-Heinrich Pauckner, Vorstand des Box-Clubs Weißenburg, kann zusammen mit Igor Krotter rundum zufrieden sein und freut sich schon auf die nächsten Verstanstaltungen. Geht es nach den beiden, werden nicht nur im November schon fränkische Boxer in Wladimir in den Ring steigen. Vielmehr soll es schon bald Vier-Länder-Wettkämpfe geben zwischen Deutschland, Österreich, Italien und Rußland. Vielleicht sogar mit tschechischer Beteiligung. Gute Aussichten für den Boxsport in Wladimir.


Ein neues Denkmal für einen Filmklassiker und dessen weltberühmten Regisseur sind seit fast einem Monat in Susdal zu bestaunen. Damit hat es seine besondere Bewandtnis. Hier nämlich, in der Partnerstadt von Rothenburg, drehte Andrej Tarkowskij 1965 die so eindrucksvolle Abschlußszene von „Andrej Rubljow“ – mit dem Gießen der Glocke, diesem bildmächtigen Symbol für die Kraft der Jugend und Kunst.

Eine stilisierte, vier Meter hohe Glocke, überragt von einer kreuzgekrönten Kuppel, stellt denn auch den mächtigen Hintergrund des Denkmals dar, vor dem der Regisseur und zwei seiner Darsteller, Anatolij Solonizyn als Andrej Rubljow und Nikolaj Burljajew als Boriska, lebensgroß zu stehen kommen, geschaffen in dreijähriger unentgeltlicher Arbeit von der Moskauer Künstlerin Maria Tichonowa zum 85. Geburtstag des bereits 1986 verstorbenen Filmemachers.

Maria Tichonowa

Vor 50 Jahren kam der dreistündige Streifen „Andrej Rubljow“ in den Verleih, freilich von der sowjetischen Zensur einigermaßen zurechtgestutzt und vor allem wegen seiner religiösen Thematik von den Ideologen des Kremls argwöhnisch beäugt. Von Leonid Breschnjew freilich heißt es, die Vorführung habe ihn gelangweilt und schon nach wenigen Minuten sei er ins Billardzimmer verschwunden…

Denkmal für den besten Film aller Zeiten und Völker und dessen Schöpfer, den großen russischen Regisseur A. Tarkowskij

Berufenere Betrachter wie Ingmar Bergman riefen aus, noch nichts in der Art gesehen zu haben, und in der Tat erhielt das Werk mit Szenen, die auch in Wladimir gedreht wurden, Auszeichnung um Auszeichnung bis hin zur Aufnahme in die Empire-Liste der 500 besten Filme aller Zeiten auf Platz 36. Etwas großsprecherisch deshalb, was da die Inschrift des Monuments verkündet, aber im Überschwang der Begeisterung verzeihlich – und nachvollziehbar, wenn man sich wieder einmal der überwältigenden Bildsprache von „Andrej Rubljow“ überläßt und sich mit ihm auf den beschwerlichen Weg zwischen Kunst und Religion durch das spätmittelalterliche Rußland macht, an dessen Ende das göttliche Leuchten der Inspiration wartet.

 


Anfang August trug sich im Erlangen-Haus eine bewegende Begegnung zu. Alexander Papin kam eigens aus dem Landkreis Melenki, etwa 150 km von Wladimir, ganz im Osten des Gouvernements gelegen, um von einem Ort im Wald, unweit des Dörfchens Sokolje, zu berichten, wo er die Begräbnisstätte für bis zu 200 deutsche Kriegsgefangene vermute. In unmittelbarer Nähe eines Lagers, wo etwa 550 Mann beim Torfabbau eingesetzt waren. Früher, meinte der Gast, habe es dort auf einer Fläche im Durchmesser von 20 bis 25 Metern nach Erzählungen von Zeitzeugen noch erkennbare Gräber gegeben, Steine, Hügel… Doch die Zeit habe nun alles eingeebnet.

Hier ruhen deutsche Kriegsgefangene

Damit die Geschichte dieses Ortes nicht vergessen werde, hat Alexander Papin zur Selbsthilfe gegriffen und aus eigenen Mitteln eine Gedenktafel aufgestellt, denn: „Ich kann einfach nicht vergessen, daß hier Menschen begraben liegen.“ Und dann fügte er noch hinzu: „Freundschaft läßt sich nicht mit Sanktionen belegen.“

Die Angaben Alexander Papins zum Lager Sokolje bestätigte mittlerweile der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, allerdings hatte man dort bislang nur Kenntnis von etwa einem Dutzend, bisher namenlosen beigesetzten Gefangenen. Nun will man die Sache nochmals prüfen, und vielleicht gelingt es ja, hier eine gemeinsame Gedenkstätte einzurichten. In jedem Fall steht Alexander Papin schon jetzt für ein berührendes Zeichen der Verständigung über den Gräbern einer schweren Vergangenheit von Deutschen und Russen.


Das war schon eine Tour de Force: Am Dienstagmorgen erhielt die Jugendboxstaffel erst in Moskau die Visa, setzte sich in zwei Kleinbusse und stürmte los Richtung Deutschland. Um 4.00 Uhr morgens kam dann gestern die fünfzehnköpfige Gruppe in ihrem Quartier an und fand sich schon um 11.00 Uhr vollzählig zum Empfang im Erlanger Rathaus ein.

Boxstaffel mit Ulrich Klement und Susanne Lender-Cassens in ihrer Mitte

Viel Zeit zum Regenieren bleibt den Sportlern nicht, denn heute steigen sie bereits um 14.00 Uhr in der Ejadonhalle, Straubing, in den Ring. Und am Sonntag stehen um 10.30 Uhr im Festzelt von Weißenburg die nächsten Wettkämpfe auf dem Programm, bevor es zu Wochenbeginn wieder zurück nach Wladimir geht.

Die Boxer aus Wladimir mit Igor Krotter und Sergej Schtschedrin in ihrer Mitte

Geht es nach dem Trainer Igor Krotter, der seit 2014 seitens des TV 1848 den Boxaustausch mit der russischen Partnerstadt pflegt und mit seinem Team schon im November eine Gegeneinladung nach Wladimir annimmt, soll es bereits im nächsten Jahr eine eigene Boxabteilung seines Vereins in Erlangen geben. Dann wären solche „Gastspiele“ in anderen Städten nicht mehr nötig, man könnte in Erlangen die Kräfte messen. Und überhaupt wolle man mehr Sportaustausch, betonte Sergej Schtschedrin, Initiator der Boxkontakte, gegenüber Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und Sportamtsleiter Ulrich Klement und kündigte für September konkrete Vorschläge an. Ganz im Sinne der Kommunalpolitikerin, denn: „Je mehr wir an solchen Begegnungen haben, desto besser für die Verständigung und unsere Städtepartnerschaft.“


Im nördlichen Teil des Nationalparks Meschtschjora entdeckte man eine bis dato dort unbekannte Orchideenart, das Große Zweiblatt, von dem ansonsten nur noch sieben Vorkommen in der Region Wladimir belegt sind. Die Blume steht denn auch in Zentralrußland ebenso wie in Weißrußland, Armenien und in der Ukraine auf der Roten Liste; als schutzwürdig gilt die Pflanze auch hierzulande, weshalb sie bereits 1992 zur Orchidee des Jahres gewählt wurde.

Großes Zweiblatt

Der neue Fundort liegt ausgerechnet am Straßenrand, was Botaniker mit dem Kalzium des Schotters erklären. Der Umstand, daß das Große Zweiblatt blühte, weist auf ein Alter von mindestens zehn Jahren hin, weil es erst im vierten Jahr von der Wurzel her austreibt und dann weitere sechs bis sieben Jahre braucht, um Blüten anzusetzen. Mit der hier bisher unbekannten Spezies zählt der Nationalpark nun 822 Pflanzenarten. Hoffentlich noch länger, denn die Orchidee ist sehr verletzlich: Wird sie zufällig überfahren, ist es für immer dahin mit der Pracht.

Der Blog widmet diesen Beitrag über das Große Zweiblatt und die nachstehenden Verse einer russischen Euterpe mit der Doppelflöte als Attribut und Symbol der Völkerverständigung durch die Kunst, jener Muse, die nicht nur die Redaktion immer wieder aufs neue inspiriert – und nicht nur an ihrem Geburtstag.

Vom Grund der Nacht genommen, / im Gold des Lichts verblüht, / auf diese Welt gekommen, / zurück ins Nichts gespült.

Dazwischen Worte schützen, / was wund sich treibend reibt / und sucht nach Halt und Stütze / just dort, wo doch nichts bleibt.

Als musikalische Dreingabe das unübertroffen schöne Geburtstagslied von Krokodil Gena: https://is.gd/Aoj7xI

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