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Die Vorbereitungen auf die Vernissage am Sonntag um 11.15 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule sind in vollem Gang. Alle Räume und Korridore im ersten Stock des Gebäudes werden bespielt, und der Gast vom Kunstverein der Region Wladimir, Kirill Wedernikow, kann seine fast dreißig Arbeiten, die er gestern in einer unscheinbaren Mappe mitbrachte, in der „guten Stube“, im Historischen Saal, nachgerade kammermusikalisch hängen.

Ungerahmte Kunst aus Wladimir

Am Vormittag via Moskau und Istanbul eingetroffen, stand der ganze Nachmittag im Zeichen der Rahmung und Hängung der Bilder des 1991 im hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegenen Wjasniki geborenen Künstlers, für Erlangen entdeckt und eingeladen von der Gruppe Andersartig, die grenzüberschreitend hinsichtlich der Techniken und Genres ebenso wie der Länder und Sprachen arbeitet. Und natürlich wollte man einander kennenlernen: Jutta Brandis, die Kuratorin der Ausstellung, Markus Bassenhorst, der Leiter der Volkshochschule, und eben Hans-Peter Singer aus Herzogenaurach, der die Städtepartnerschaften seiner Heimatstadt ebenso wie die internationalen Kontakte Erlangens als Brücken der Kunst und Verständigung nutzt und dies so ausdrückt: „Was die Politik nicht hinbekommt, müssen wir schaffen!“

Planungsgespräch: Hans-Peter Singer, Kirill Wedernikow, Jutta Brandis und Markus Bassenhorst

Und Kirill ist gekommen, um moderne russische Kunst zu zeigen. Und was für eine! Mythische Figuren, verfremdet hineingestellt in stilisierte Industrielandschaften, anatomische Studien an Titanen, Wesen einer Zwischenwelt im Kosmos von Welt und Technik, Evolutionen und Revolutionen der Gestaltung. „Paßgenau das, was die Arbeiten von Irene Hetzler, Carolin Gugel und mir von der Gruppe Andersartig thematisch unter dem Titel „(R)Evolution“ ergänzt, die ja dann gemeinsam mit den Bildern aus Wladimir bis April hier hängen werden“, freut sich Hans-Peter Singer. Das andersartige Kunstquartett ist komplett.

Hängung: Hans-Peter Singer und Kirill Wedernikow

Für Kirill Wedernikow, der seine philosophischen Heimat im christlichen Existenzialismus eines Nikolaj Berdjajew sieht, dem es um nicht weniger als die geistige Wiedergeburt des Menschen und die soziale Umgestaltung der Gesellschaft geht, für den Künstler ist es die erste Ausstellung außerhalb seiner Heimat, wo er noch um Anerkennung ringt, nachdem er seine Lehr- und Wanderjahre mit der Ausbildung in Susdal und Stationen in Sankt Petersburg und Moskau abgeschlossen hat und nun in seine kleine Heimatstadt an der Kljasma mit nur gut 35.000 Einwohnern zurückgekehrt ist. In den Großstädten, so seine Erfahrung, drohe die Kunst inhaltsleer zu werden, zu groß sei die Versuchung, den Moden und Trends nachzulaufen. Seine eigene Sprache und Ausdruckskraft könne man viel besser in der Provinz finden, ohne all die Ablenkung der Metropolen, wo dann auch noch die Kosten für das Atelier kaum mehr zu bezahlen seien.

Schaltkreis einer Ausstellung: Kirill Wedernikow, Fred Ziegler und Dieter Erhard

Am ersten Abend in Erlangen dann noch der Besuch einer Vernissage mit Fred Ziegler im Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen unter dem Motto „Poesie der Schaltkreise“, eine Annäherung von Malerei und Wissenschaft – und wieder so eine Grenzüberwindung, für die auch und gerade Dieter Erhard mit seinem kunstfliegenden Wechsel zwischen den Partnerstädten Riverside und Wladimir steht. Aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte. Hier für heute nur noch einmal der Verweis auf den ersten Blogartikel zu Kirill Wedernikow unter: https://is.gd/6fq2uz


Wer in Wladimir lebt, empfindet den Einfluß von Nichtregierungsorganisationen auf die Gesellschaft mehrheitlich als wertvoll. In einer Umfrage zu dem Thema, an der im November gut 700 Menschen teilnahmen, äußerten sich 51,5% positiv und nur 1,6% negativ zu deren Rolle, während die übrigen sich dahingehend noch keine Meinung gebildet hatten. So zumindest das Ergebnis dieser Studie, an der maßgeblich der auch in der Partnerschaft aktive Soziologe Dmitrij Petrosjan mitwirkte und die jetzt veröffentlicht wurde. Besonders in der Altersgruppe von 31 bis 50 Jahren wächst offenbar das Wissen über diese ehrenamtlich arbeitenden Organisationen, und man kennt mittlerweile die Namen und das Profil von Vereinen wie dem Roten Kreuz Wladimir oder auch der Selbsthilfegruppe Swet, die ja beide mit Erlangen zusammenarbeiten. Allerdings scheint das Wissen noch oberflächlich, denn 71% können bislang nichts mit den Namen der Organisationen anfangen. Der entscheidende Unterschied aber zu einer ersten Studie zum Thema aus dem Jahr 2002: Die Arbeit der NGOs wird überwiegend positiv gesehen.

Als wir 2002 dazu forschten, war die Ausgangslage eine ganz andere. Kaum jemand hatte eine Vorstellung von diesem ehrenamtlichen Bereich. Heute ist das – vielfach auch dank dem Internet – anders, die Leute sind besser über das informiert, was in der Gesellschaft passiert. (…) Erwartet hatten wir allerdings eine etwas ablehnendere Haltung gegenüber einer ausländischen Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen. Auch dachten wir, die Menschen nähmen an, diese NGOs seien hauptsächlich auf das eigene Wohl und das Fortkommen ihrer Mitarbeiter aus. Diese Befürchtungen bestätigten sich nicht, die Menschen haben eine durchaus angemessene Einstellung zu den Dingen. Allerdings bringt man die NGOs auch weniger mit Politik und dem Schutz der Menschenrechte als vielmehr mit der Lösung sozialer Fragen in Zusammenhang, weil bei uns traditionell schon immer die sozialen Rechte über die politischen und Bürgerrechte gestellt wurden.

Для владимирцев социальное благо важнее политических прав

Dmitrij Petrosjan

Fragen wie Ökologie, Hilfe für Häftlinge oder Migranten, vor allem aber den Schutz der Bürgerrechte verbindet man am wenigsten mit der Arbeit dieser Organisationen. Eine Erscheinung, die offenkundig landesweit gilt. Nach Einschätzung der Soziologen ist den Russen die soziale Absicherung insgesamt wichtiger als die Verteidigung ihrer Persönlichkeitsrechte. Deshalb meinen auch die Befragten in Wladimir, NGOs sollten sich hauptsächlich um Veteranen und Rentner (68,7%), Behinderten und Familien mit behinderten Kindern (60,9%), (sozialen) Waisen und Kindern in prekären Lebensumständen (54,5%) oder kinderreichen Familien (52,1%) helfen. Weiter unten rangieren die Unterstützung für Obdachlose (16,6%), Arbeitslose (13,7%), Frauen (7,5%), Migranten (3,3%) und Strafgefangene (2,4%).

Dmitrij Petrosjan hält dieses soziale Übergewicht für ungut, wenn nur 12,7% der Befragten die Aktivitäten der NGOs mit dem Schutz der Bürger- und Menschenrechte assoziieren:

Die Menschen begreifen die Nichtregierungsorganisationen als dem Bereich der sozialen Absicherung zugehörig. Warum ich das für schlecht halte? Weil dies just jene Mißachtung gegenüber ihren eigenen, juristischen und bürgerschaftlichen Rechten zum Ausdruck bringt. Diese Einstellung wird auch auf die NGOs übertragen. Man nimmt keine ernsthafte Haltung gegenüber den Rechten ersten Ranges ein: die Freiheit des Wortes, die Gewissensfreiheit, die Unantastbarkeit der Person. Dieser Parameter ändert sich kaum, und daher rührt auch das niedrige Niveau der Entwicklung von zivilgesellschaftlichen Organisationen in unserem Land. Die Menschen glauben in nur geringem Umfang an die Möglichkeit eines effektiven Schutzes ihrer Bürgerrechte. Dabei, so ein Ergebnis der Studie, betrachtet man diese Vereine und Verbände als verlängerten Arm des Staates, der mit öffentlichen Mitteln den Schutz von sozial benachteiligten Menschen gewährleisten soll. Um dies umzudrehen bedürfte es einer rechtlichen Aufklärung, im schlimmsten Fall einer heftigen Verschlechterung der Wirtschaftslage, eines Sinkens von Lebensstandard und Einkommen sowie der Einsicht, daß die politischen Rechte an erster Stelle stehen sollten und von ihnen alles übrige abhängt. Aber diese harte Variante noch einmal durchmachen zu müssen, bleibe uns doch besser erspart.

Vergessener Krieg


Anders als der Zweite Weltkrieg, im Russischen „Großer Vaterländischer Krieg“ genannt (der „Vaterländische Krieg“ wurde gegen Napoleon geführt), ist der zehnjährige Afghanistankrieg weitgehend aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden. Ähnlich wie die anderen 38 Kriege – von Angola bis Vietnam -, an denen sowjetische Soldaten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beteiligt waren. Jetzt, wo sich der Rückzug vom Hindukusch zum dreißigsten Mal jährt, erinnert man sich überall im Land der Opfer und gedenkt jener Tage, als auch die Region Wladimir 3.000 Mann an die Front schickte, von denen 78 fielen und 180 verwundet, 116 als Invaliden in die Heimat zurückkehrten. Und man hört ihnen zu. Einer von ihnen erinnert sich, wohl im Namen von vielen:

Ehrenwache an den Trauernden Engeln, dem Denkmal für die Gefallenen der Region Wladimir im Afghanistankrieg

Im Krieg ist wirklich alles schlimm: keine Hygiene, schlechte Verpflegung. Einmal schob ich mehr als 30 Tage und Nächte lang Wache. Dabei gestand man mir pro Tag nur zwei Stunden Schlaf zu. Und dann noch die Schikanen der Dedowschtschina. Die „Großväter“ drangsalierten die Jungspunde. Aber bei den Kampfeinsätzen gingen sie vorneweg, verteidigten uns, als wären sie unsere älteren Brüder. Kaum zurück bei der Einheit jedoch ging es wieder zu wie vorher, als herrschte Krieg im eigenen Lager. Vor dem Tod hatten wir seltsamerweise keine Angst. Ich ging einmal mit einer Mine hoch, Freunde von mir kamen dabei ums Leben. Aber Todesangst kam erst einen Monat vor der Heimkehr auf, die Angst, im letzten Moment noch getötet zu werden. (…) Die erste Reaktion, als ich von meinem Einsatz in Afghanistan erfuhr, war: „Ich will nicht!“ Ein richtiger Schock für einen achtzehnjährigen Mann. Das Gefühl, als ob man dir das Leben zerstört. Ich träume noch oft vom Krieg. Uns „Afghanen“ hat man vergessen. Alles, was wir bekommen, sind 2.000 Rubel im Monat.

Schon im November hatte Oberstadtdirektor Andrej Schochin durchblicken lassen, er halte die seit einem Jahrzehnt in Wladimir regierende Doppelspitze aus Citymanager und Oberbürgermeisterin für nicht länger praktikabel, als er gegenüber den Medien sagte:

Ich habe Hochachtung vor meiner Kollegin Olga Dejewa. Wenn wir aber von einem System sprechen, das meiner Meinung nach effektiver wäre, halte ich dafür, die Doppelspitze abzuschaffen. Die Bürger sollten wissen, an wen sie sich wenden, wen sie kritisieren können. Ich meine, das System sollte ein Oberhaupt der Verwaltung und einen Vorsitz des Stadtrats vorsehen. So sehe ich das. Wie das dann alles umgestaltet wird, ist noch zu klären. Die Vollmachten legt ein föderales Gesetz fest, da gibt es nicht zu rütteln. Danach übt die Exekutive alle Vollmachten zur Umsetzung der Finanzierung aus, und teilweise hat auch der Stadtrat im Rahmen der Gesetzgebung einige Vollmachten.

Andrej Schochin und Olga Dejewa

Wie auch immer, in der Bevölkerung, die ihre obersten Vertreter schon seit zehn Jahren nicht mehr direkt wählen kann – der Citymanager wird nach einem Auswahlverfahren vom Stadtrat bestimmt, und zum Stadtoberhaupt kürt der Stadtrat jemanden aus seinen Reihen –  herrschte nie so recht Klarheit darüber, wer nun für was zuständig zeichnet. Diese Dekade der Unsicherheit geht nun zu Ende. Laut einem neuen Gesetz der Regionalduma, unterschrieben von Gouverneur Wladimir Sipjagin, können die Kommunen entscheiden, nach welchen Regeln sie wählen lassen: direkt oder indirekt. Für Wladimir bedeutet dies: Ab 2020 wird es keine Trennung mehr zwischen den Ämtern des Oberstadtdirektors und des Oberbürgermeisters mehr geben. Alle Leitungsfunktionen gehen auf den Chef der Verwaltung über, während der Stadtrat nur noch einen Vorsitzenden hat, der über keine weiteren Funktionen verfügt. De facto handelt es sich dabei um die Beschreibung des Istzustandes: Olga Dejewa nennt sich rein formal Oberbürgermeisterin, ohne, abgesehen von ihren repräsentativen Funktionen, über tatsächliche Vollmachten zu verfügen. Die faktische Macht in Händen hält Oberstadtdirektor Andrej Schochin. Wenn also im September nächsten Jahres in Wladimir Kommunalwahlen stattfinden, macht man sein Kreuzchen nur noch für die Zusammensetzung des Stadtrates, der dann entscheidet, wer allein das Sagen hat.

Dank zum Jubiläum


Die Partnerschaft zwischen dem Euroklub Wladimir und der Eurowerkstatt in Jena, entstanden aus der gemeinsamen Verbindung mit Erlangen hält nun schon seit fünfzehn Jahren. Grund genug auch für das Rathaus der Partnerstadt, den wichtigsten Akteuren dafür zu danken, so viele junge Menschen zusammengebracht zu haben. Grund genug, diese natürlich auch im Blog nochmals zu nennen: Jelena Guskowa, Cornelia Bartlau, Elke Kerber, Thomas Kaktus Grund, Natalia Kostina, Iwan Nisowzew und Anna Kulakowa.

Aber auch in Jena würdigt man dieses völkerverbindende Engament. So erhielt Elke Kerber, mittlerweile im Ruhestand, für ihren Einsatz im Rahmen des Austausches der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft ÜAG mit Jugendlichen aus Wladimir, unlängst aus den Händen von Oberbürgermeister Thomas Nitzsche eine Ehrenurkunde.

Thomas Nitzsche und Elke Kerber

Von den vielen Berichten über diese Begegnungen sei nur dieser Bericht aus dem Blog https://is.gd/z7SVNg angeführt, und ein kreatives Zeugnis der Zusammenarbeit findet man noch heute in Jena.

Bleibt nur, weiter Glück und Erfolg bei der Völkerverständigung auch für die kommenden fünfzehn Jahre zu wünschen. Und Dank zu sagen an alle, die mitwirkten und dabeibleiben.

Halali und Topinambur


Noch liegt ja in und um Wladimir alles unter einer hohen Schneedecke, aber schon bald werden nicht nur die Bäume und Blumen austreiben, sondern auch ein unerwünschter Dauergast aus dem Kaukasus, der Riesen-Bärenklau. Kommt man mit der auch Herkulesstaude genannten Giftpflanze ungeschützt in Berührung, holt man sich teuflisch schmerzende Blasen, gegen die wiederum kein Kraut gewachsen ist. Doch nun überlegt man auf Anregung von Schülern den bisher fast aussichtslosen Kampf – der Doldenblütler hat sein Verbreitungsgebiet in der Region Wladimir in den letzten zwei Jahren um ein Drittel erweitert und gehört auch schon zur Botanik der Partnerstadt – mit der Aussaat von Topinambur antreten, ihrerseits freilich ebenfalls ein Neophyt mit all den unerwünschten Nebenwirkungen auf die heimischen Gewächse. Die Nachwuchsbotaniker erhielten, wie Zebra-TV berichtet Kenntnis von Feldversuchen in Galitsch bei Sankt Petersburg, deren Erfolg nun ja auch in Wladimir Abhilfe schaffen könnte.

Topinambur schlägt Riesen-Bärenklau, montiert von Zebra-TV

Als „Indianerkartoffel“ kam der Topinambur Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa und verwildert seither auch gern – mit nur wenigen Freßfeinden wie der Wühlmaus und dem Wildschwein. Doch just dieses hat man ja schon 2016/17 aus Furcht vor der Afrikanischen Schweinepest drastisch dezimiert, von 3.000 auf 800 Exemplare. Solange die Seuche noch umgeht, will man nun die Population auf diesem Stand halten – mit 0,25 Exemplaren auf 1.000 ha. Das Halali dürfte also munter weitergehen, weil immer wieder Rotten aus den Nachbarregionen Nischnij Nowgorod, Moskau oder Iwanowo herüberwechseln, an deren Grenzen man immerhin nicht, wie das die Dänen tun, Zäune bauen will.

Zum Abschuß freigegeben ist nun auch wieder in großer Zahl der Fuchs. Im Vorjahr hatte man 300 Meister Reineke erlegt, heuer hebt man das Jagdziel auf 500 Exemplare an, um der Tollwut Einhalt zu gebieten. 1.200 Rubel Prämie gibt es sogar für jeden toten Rotrock. Impfung wie in Deutschland ist in den russischen Wäldern leider nicht vorgesehen, also geht man mit der Flinte vor. Immerhin mit meßbarem Erfolg. 2015 zählte man noch 148 Fälle von Tollwut, im Vorjahr waren es nur noch 41, einer sogar tödlich für einen Menschen.

P.S.: In dem grandiosen Roman „Die Leidenschaften der Seele“ von António Lobo Antunes findet sich folgende Episode:

Mein Onkel ging mit dem Fuch an der Leine in der kleinen Stadt spazieren, setzte sich mit dem Tier ins Café zum Abenddomino, die Straßenköter kamen, vom Waldgeruch des Tieres angelockt, knurrend an die Schwelle, und die besiegten Dominopartner blickten es haßerfüllt an und beschlossen, sich ebenfalls einen Fuchs anzuschaffen, um genausoviel Glück beim Spiel zu haben. (…) Jemand hatte das Gitter des Hühnerstalls angehoben und eine Latte aus dem Gartenzaun herausgezogen, damit der Fuchs aufs freie Feld und in den Wald entkommen konnte. Mein Onkel (…) ging am Abend, nachdem er sich umgezogen hatte, zur gewohnten Stunde ins Café, setzte sich ohne das Tier an den Dominotisch, den Blick starr auf einen kleinen Weinbrand auf der Tischplatte gerichtet, mischte die Steine vor der Runde der Kameraden, die sich nicht rührten. Er verlor an diesem Abend und an allen folgenden Abenden, siebenunddreißig Jahre lang, eingeschlossen Sonn- und Feiertage, bis zu jenem Samstag, als sie ihn, der schon kein Wort mehr sagen konnte und seine Faust fest um eine Doppelsechs geschlossen hielt, auf einer Bahre ins Haus brachten.


Und er rieselt und rieselt, mal leise, mal vom heulenden Sturm getrieben, dann wieder flockig still. Kein Mangel an Schnee in diesem Jahr in Wladimir, und die Aussichten auf die nächsten Tage versprechen bei verhältnismäßig milden Temperaturen weiter den verstärkten Einsatz von Räumfahrzeugen in den Straßen der Partnerstadt. Während man in Erlangen schon bei den ersten zaghaften Flocken entschieden mit schwerem Gerät und Massen an Streumaterial ausrückt, auch wenn die weiße Pracht gleich schon wieder von selbst zu tauen beginnt, hat man es in der Partnerstadt mit der Frage zu tun: Wohin mit den Hinterlassenschaften des Winters?

Dieser Tage zeigte die Stadtverwaltung nun den Ort, eine Schlucht nordöstlich des Zentrums, wohin die Mischung aus Schnee, Sand und Salz seit dem Jahr 2011 gebracht wird. Schon im Herbst präpariert man die Kippe so, daß im Frühjahr das trübe Tauwasser nicht in den Grund sickert und die Schmutz- und Müllreste auf die Deponie gebracht werden können.

Zwei Raupen sind eingesetzt, um die Ladungen der 20 bis 25 Sattelschlepper zu komprimieren, die täglich im Einsatz sind. Bereits jetzt 50.000 Tonnen mehr als im Vorjahr, insgesamt etwa 220.000 Tonnen kamen so schon zusammen.

Rosenkranzkirche im Schnee, gesehen von Wladimir Fedin

Die Behörden meinen, damit komme man gut über den Winter, sollte es freilich noch viel mehr schneien, habe man noch andere Flächen zur Schneelagerung in der Hinterhand. Teure Schneeschmelzaggregate wie in Moskau jedenfalls benötige man nicht. Und außerdem beginnt ja bald die Masleniza, der russische Fasching, und damit das Winteraustreiben. Mal sehen, wer sich heuer wann durchsetzt.

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