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Alles im grünen Bereich


Seit 2013 messen Mitglieder der Organisation „Junger Journalist“ und Jugendliche aus der Schule Nr. 21 in Wladimir alljährlich im Herbst die radioaktive Strahlung in der Partnerstadt. Dieses Mal prüften die Aktivisten vor allem neuere Kunstobjekte, aber auch historische Gebäude mit dem Geigerzähler.

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Das Ergebnis ist beruhigend: Keine der mehr als 50 Messungen – weder im Stadtzentrum noch in den Kljasma-Auen – zeigte erhöhte oder gar bedenkliche Werte. Wie übrigens auch schon in den Vorjahren.

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Überall in Wladimir liegt die Strahlung demnach im natürlichen Bereich, also von 0,08 mSv/h bis 0,10 mSv/h.

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Etwas erhöht sind die Wert nur dort, wo Granit als Baumaterial verwendet wurde, aber auch da ist alles im grünen Bereich. Man müßte schon 30 Jahre ununterbrochen neben einem solchen Granitbrocken sitzen, um auch nur die minimale für den Menschen gefährliche Strahlungsdosis aufzunehmen, meint ein Atomexperte.

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Dennoch sollen die Aktionen – übrigens per Fahrrad – auch im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden, zumal sich nach dem Auftakt in Wladimir 2013 mittlerweile auch Jekaterinburg, Kaliningrad, Sankt Petersburg, Saratow und andere Städte – auch solche in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken – dem Programm angeschlossen haben, alle mit bislang unbedenklichen Ergebnissen. Das möge auch in Zukunft so bleiben.

P.S.: Der Befund gilt in der Region Wladimir übrigens auch für Wild, Beeren und Pilze, denn die radioaktive Wolke von Tschernobyl zog damals weiter südlich mit ihrer gefährlichen Fracht. Die Wälder und Felder um die Partnerstadt blieben verschont.


Wolfgang Rascher, Direktor der Erlanger Kinder- und Jugendklinik, besuchte vom 16. bis 22. September mit Hans-Georg Topf, Leiter der Neonatologie und pädiatrischen Intensivmedizin, Wladimir, um den bewährten Medizineraustausch fortzusetzen. Schon vor fünf Jahren war der Professor für Pädiatrie mit seinem Kollegen, Dieter Wenzel, zu einem dreitägigen Besuch in der Partnerstadt, und vor zwei Jahren kam Swetlana Makarowa, ärztliche Leiterin des Kinderkrankenhauses Wladimir, nach Erlangen, um sich über die moderne Behandlung von Frühgeborenen zu informieren und über verschiedene Behandlungsverfahren auszutauschen.

Wolfgang Rascher, Swetlana Makarowa, Hans-Georg Topf

Wolfgang Rascher, Swetlana Makarowa, Hans-Georg Topf, Natalia Isprawnikowa und Olga Wlassowa

Im Jahre 2011 hatten die Erlanger Kinderärzte vor Ort von einem neuen staatlichen Programm erfahren, wonach fünf Milliarden Rubel (ca. 122 Millionen Euro) in das Gesundheitssystem der Region Wladimir investiert würden, ein Viertel davon sollte in die Geburtsmedizin und Neonatologie fließen.

Bei ihrem aktuelle Besuch konnten sich die beiden Pädiater davon überzeugen, welch großen Erfolg die Investitionen für die Ausstattung und damit auch für die Behandlungsmöglichkeiten der kranken Kinder in der Region Wladimir gebracht haben. Wie vom Staat beabsichtigt, profitierten vor allem auch Frühgeborene von der hohen technischen Ausstattung der Klinik.  So konnten sich die Besucher mit ihrer Kollegin, Swetlana Markarowa, und der Leiterin der Neonatologischen Intensivstation am Kinderkrankenhaus, Olga Wlassowa, über moderne Beatmungsverfahren und die Behandlung von Komplikationen bei sehr kleinen Frühgeborenen austauschen.

Wolfgang Rascher, Nadeschda Tumanowa und Hans-Georg Topf

Wolfgang Rascher, Nadeschda Tumanowa und Hans-Georg Topf

Im Geburtshaus Nr. 2 stand deshalb im Gespräch mit Chefärztin Irina Kirjuchina und ihrem Team die Weiterentwicklung der Geburtsmedizin im Mittelpunkt, während beim Besuch des vor drei Jahren errichteten Perinatalzentrums die Leiterin Nadeschda Tumanowa, stolz die Gebäude und die hervorragende Ausstattung der Klinik unter Anwesenheit von Pressevertreten zeigen konnte, wobei eine noch engere Zusammenarbeit mit Erlangen in Form eines Medizineraustauschs vereinbart wurde.

Auch zeigte sich bei einem Besuch in der Kreisstadt Murom, wie nicht nur in Wladimir, sondern auch hier in der Region die Geburtsklinik von Murom unter Leitung von Konstantin Owtschinnikow und das Kinderkrankenhaus unter Führung von Tatjana Piwikina eine enorme Entwicklung genommen haben.

Wolfgang Rascher und Hans-Georg Topf

Wolfgang Rascher und Hans-Georg Topf

Insgesamt war es für die deutschen Kinderärzte eine Freude, zu sehen, wie staatliche Investitionsprogramme die Behandlung von Kindern zu verbessern vermögen und diese Maßnahmen effektiv vor Ort umgesetzt werden können.

Prof. Dr. Wolfgang Rascher


1964 erschien „Herzog“, ein Roman von Saul Bellow, der heute so lesenswert ist wie damals und einen Aufruf enthält, den man angesichts der Menschenschlächterei in Syrien hinausschreien möchte in eine Welt, die scheinbar nur noch weghören will:

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Dreiländertreffen Soroptimist International

Die Sache war, daß es Menschen gibt, die die Menschheit vernichten können, und daß sie töricht, anmaßend und verrückt sind und gebeten werden müssen, es nicht zu tun. Laßt die Feinde des Lebens abtreten. Laßt jeden Menschen sein Herz prüfen. Ohne einen großen Wandel meines Herzens würde ich mir nicht zutrauen, eine führende Stellung zu bekleiden. Liebe ich die Menschheit? Genug, um sie zu verschonen, wenn ich imstande wäre, sie in die Hölle zu schießen? Laßt uns alle unsere Leichentücher umhängen und nach Washington und Moskau marschieren. Laßt uns alle, Männer, Frauen und Kinder, uns hinlegen und schreien: „Laßt das Leben fortdauern – wir mögen es nicht verdient haben, aber laßt es dauern.“

Christine Faigle

Christine Faigle

Dem Flehen und Bitten setzt der Literatur-Nobelpreisträger, dessen Eltern aus Sankt Petersburg in die Neue Welt emigriert waren, freilich einen wenig hoffnungsfrohen Kontrapunkt entgegen:

Dreiländertreffen Soroptimist International

Dreiländertreffen Soroptimist International: Rentia van Eldik und Inge Richter

In jeder Gemeinschaft gibt es eine Kategorie von Menschen, die für die übrigen unsäglich gefährlich ist. Ich meine nicht die Verbrecher. Für die haben wir Strafmaßnahmen. Ich meine die Führer. Ohne Ausnahme streben die gefährlichsten Leute nach der Macht.

Karin Roberts, Gabriele Saemann und Natalia Serdjukowa

Karin Roberts, Gabriele Saemann und Natalia Serdjukowa

Auch wenn sie es nicht für sich öffentlich reklamieren, wirken die Verantwortlichen der Lokalpolitik in Erlangen und seinen Partnerstädten fast wie wider besseren Wissens fünf Jahrzehnte später noch immer dem drohenden Weltenbrand entgegen, unterstützt von ihrer internationalen Armee der kleinen Leute, die da guten Willens sind. Gäbe es nur mehr von ihnen…

Schulleiterin und Gastgeberin Carmen Vogt

Schulleiterin und Gastgeberin Carmen Vogt

Mehr von ihnen – wie von Soroptimist International, die gestern in der Pestalozzischule ihr Dreiländertreffen abhielten, dessen Ergebnis Schatzmeisterin Doris Lang ebenso spontan wie treffen auf die Formel brachte: „Viele Unterschiede, aber keine Differenzen!“

Die drei Gäste aus Riverside: Lynn Scecina, Jeanne Hatcher und Karin Roberts

Die drei Gäste aus Riverside: Lynn Scecina, Jeanne Hatcher und Karin Roberts

Just an dem Tag waren Mitglieder des Service-Klubs für Frauen aus den amerikanischen und russischen Partnerstädten, Riverside und Wladimir, mit ihren Schwestern aus Erlangen zusammengekommen, als der diplomatische Faden zwischen Washington und Moskau auf der Bühne der UNO zum Zerreißen gespannt war, just an dem Tag suchten die Sorores gemeinsam nach Ähnlichkeiten und Verschiedenartigkeiten der Rolle von Frauen in den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen.

Natalia Serdjukowa

Natalia Serdjukowa

Moderiert von Christine Faigle kamen in Kurzreferaten und Diskussionen all die Fragen zur Sprache, die nirgendwo auf der Welt bisher zufriedenstellend geklärt sind: Warum haben es Frauen noch immer so schwer, in Führungspositionen aufzurücken? Wann gibt es für gleiche Leistung endlich auch gleiche Entlohnung? Wie lassen sich junge Frauen auf ihrem Weg ins Berufsleben begleiten und unterstützen?

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Naina Akimowa und Marianne von der Emde

Während amerikanische und deutsche Frauen sich in der Karriere oft ähnlich behindert erleben, betonen die russischen Gäste, ihnen stünden alle Türen zum Aufstieg offen, und unterschiedliche Löhne und Gehälter gebe es ohnehin nicht. Dafür sei es in Wladimir wiederum erheblich schwieriger – wegen der Steuergesetzgebung -, Spenden einzuwerben und überhaupt eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Wohl auch, weil dort nach dem allgemeinen gesellschaftlichen Verständnis noch immer und schon wieder die öffentlichen Einrichtungen für die Daseinsfürsorge als zuständig gesehen werden. Ganz anders als in den USA, wo ein mit Steuern finanziertes Sozialsystem – vom Gesundheitswesen ganz zu schweigen – von einem großen Teil der Bevölkerung mit Argwohn betrachtet wird.

Naina Akimowa und Doris Lang

Naina Akimowa und Doris Lang

Wie enorm auch in einer durchaus wohlhabenden Stadt wie Riverside der Bedarf an Wohltätigkeitsorganisationen ist, zeigt eine beeindruckende Zahl: Mehr als 70 Benefizvereine tun Gutes in der kalifornischen Partnerstadt, in der Region, dem County, sind es über 300 solcher Serviceklubs. Will man da ehrenamtlich erfolgreich sein, sollte man sich kreativ zeigen bei der Suche nach Sponsoren und bei der Organisation von Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar und Rentia van Eldik

Und noch so ein Unterschied: Während an Soroptimist Riverside zumeist von außen Anträge auf Unterstützung gestellt werden, sucht sich der Erlanger Klub seine Projekte selbst aus – ebenso wie die seit 2001 in Wladimir bestehende Organisation.

Natalia Serdjukowa und Galina Larytschewa

Natalia Serdjukowa und Galina Larytschewa

Aber da gibt es auch überraschende Übereinstimmungen zwischen den amerikanischen und russischen Schwestern: Hier wie dort kostet es buchstäblich ein Vermögen, wenn man studieren will und nicht gerade ein Stipendium erhält. Da sehen es die Frauen von Soroptimist International als ihre Aufgabe, junge Talente zu fördern, denen die finanziellen Mittel fehlen. Überhaupt die Bildung und im weitesten Sinne Aufklärung – ein gemeinsames Betätigungsfeld, angefangen von der Beratung für Mädchen, um nicht ungewollt schwanger zu werden, bis hin zur Berufsorientierung.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar

Viele Gemeinsamkeiten bei allen Unterschieden, ein Arbeitstag, der mit einem Kochabend ausklang und alle zufrieden stimmte. Mehr noch: Im April 2018 feiert Soroptimist Riverside sein siebzigjähriges Bestehen, und spätestens dann will man sich wiedersehen zum nächsten Dreiländertreffen. Bis dahin lassen die Führer dieser Welt unser Leben hoffentlich weiter fortdauern, damit die Armee der kleinen Leute guten Willens um einige weitere Köpfe und Herzen wachsen kann.

Bilder: Nadja Steger

P.S.: Heute ist der Internationale Tag zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen.

 

 


Unter dem Titel „Lane 2016“ fand vom 19. bis 22. September die mittlerweile schon neunte Internationale Konferenz und Ausstellung zur Photonik statt – mit Stationen in Fürth, Erlangen und Bamberg und etwa 300 Teilnehmern von Australien bis Finnland. Darunter auch ein junger Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Physik und Angewandte Mathematik der Universität Wladimir.

Oleg Chorkow am Bayerischen Laserzentrum Erlangen

Oleg Chorkow am Bayerischen Laserzentrum Erlangen

Kirill Chorkow kennt das Bayerische Laserzentrum in Erlangen bereits, denn vor drei Jahren nahm er, noch als Student, an einem Austauschprogramm teil und konnte sich von der Stärken der Laserforschung in der Metropolregion überzeugen. Nun bewarb er sich für die Tagung, die im Zweijahresrhythmus abgehalten wird, und brachte auch einen Vortrag zu seinem Spezialgebiet mit: „Formation monocrystaline carbon micro- and nanostructures under femtosecond laser irradiation of graphite in liquid nitrogen“. Etwas verständlicher: sein Weg vom Graphit zum Diamanten. Noch eingängiger: Der Dozent stellt sich die ganze Städtepartnerschaft als Experimentierfeld vor und will hier wie dort noch viele Wissenschaftler finden, um die deutsch-russische Zusammenarbeit zum Funkeln und Leuchten zu bringen.

Was der Laserspezialist noch so alles kann und erfindet, ist hier nachzulesen: https://is.gd/oSPIYF


Im zweiten Teil des Wladimir-Tourtagebuchs – Teil 1 ist hier zu finden:  https://is.gd/17otEM – mischen wir uns unter das Publikum des Stadtfestes in Wladimir, erleben euphorische russische Fans und beenden den ereignisreichen Tag auf sehr unterhaltsame Weise.

Samstag, 17.09.2016
Die Stadt Wladimir zelebriert einmal im Jahr ein großes Stadtfest. An diesem Tag gibt es vielen Bühnen allerlei musikalische und tänzerische Darbietungen. Außerdem sind zu diesem Anlaß in der ganzen Stadt diverse Attraktionen und Stände aufgebaut, und die Menschen strömen in Scharen durch die Straßen. Das Stadtfest ist vergleichbar mit dem Bardentreffen in Nürnberg und – wie auch dort schon im August – sollten The Variety Show auf der Bühne der lokalen Bands spielen.

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The Variety Show auf dem Weg zur Demetriuskathedrale

Wir verließen das Hotel zusammen mit Stanislaw gegen 11.30 Uhr, und natürlich waren wir nach dem gestrigen Abend allesamt topfit und gespannt auf unsere Tour durch die Stadt und den anstehenden Auftritt. Zuerst liefen wir zur Hauptbühne, auf der russische Trachtentänze aufgeführt wurden. Es waren viele Kamerateams unterwegs und dokumentierten das Event. Stanislaw führte uns dann zur nahegelegenen Christi-Geburts-Kirche. Ein wirklich imposantes kirchliches Bauwerk auf einem Hügel. Hinter dem Gebäude gibt es eine Plattform, von der aus man einen beeindruckenden Ausblick auf die Landschaft hat.

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The Variety Show mit Blick auf die Weiten vor Wladimir

Nachdem wir noch einige Stunden durch die überaus sauberen Straßen Wladimirs gelaufen waren, fanden wir uns wieder im Hotel ein, um zu Mittag zu essen und die Gitarren abzuholen. The Variety Show sollten am frühen Abend an der Georgijstraße spielen. Die Location entpuppte sich, als wir dort gegen 15.00 Uhr ankamen, als Aussichtsplattform mit einer ebenerdigen Bühne, über der ein Mastertent aufgebaut war. Auf dem Plateau lernten wir dann Stanislaws Freund Konstantin kennen, der ziemlich gut Deutsch spricht, da er schon viele Reisen durch Deutschland unternommen hat. Wenn man ihm so zuhörte, schien er ein ziemlich großer Fan des fränkischen Bieres zu sein. Nach einer kurzen Unterhaltung wandten wir unsere Aufmerksamkeit wieder dem anstehenden Konzert zu. Verstärker und ein Drumset waren bereits aufgebaut, allerdings war ein richtiger Soundcheck vorerst nicht möglich, da weder Snare noch Becken vorhanden waren und Schlagzeuger Paul die Info hatte, er brauche kein eigenes Equipment mitnehmen. Tontechniker Andrej kümmerte sich netterweise um uns und orderte schnell Becken und Snare von einer der anderen Bands. Bis die Backline komplett war, nutzten wir die Zeit und die angenehmen Temperaturen, um ein wenig im Backstage zu chillen.

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The Variety Show vor dem Auftritt in Wladimir

Das benötigte Equipment wurde, während die zweite Band des Tages bereits spielte, vom Drummer von Free Fire gebracht, der Band des zwölfjährigen Sascha Usenko, der im November im E-Werk Erlangen spielen wird. Paul schraubte dann die Qualität der aktuell spielenden Band namens  ПопКорн (deutsch: Popcorn) hoch, als er seine Becken im Hintergrund montierte. Gegen 17.00 Uhr spielte Free Fire. Vor der Bühne fanden sich in dem ungefähr 120 Personen umfassenden Publikum schätzungsweise 20 Photographen ein, um den jüngsten Rockstar Wladimirs abzulichten. An der E-Gitarre begleitet wurde der Sascha von Dimitrij Wladimirow von der Band O.N.E., die vor einigen Jahren bereits zu Gast beim Newcomer Festival im Erlanger E-Werk war. Im November kommen Free Fire dann (wieder) nach Erlangen um am 24.11. beim Umsonst und Drinnen Club und am 26.11.2016 beim Newcomer Festival Finale zu spielen.

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Sascha Usenko

Nachdem Free Fire ihr Set beim Stadtfest beendet und wir uns beim Teetrinken in einem schönen Café aufgewärmt hatten, war es für The Variety Show an der Zeit, das Bühnenzelt zu entern und mit ihrer Musik der Kälte zu trotzen. In der malerischen Kulisse des Plateaus hatte sich eine kleine Traube Menschen eingefunden um der einzigen deutschen Band des Tages zu lauschen. Nachdem ich die drei fränkischen Musiker bereits bei ihren Albumaufnahmen im Red Audio Studio besucht hatte, bekam ich nun zum ersten Mal die Chance die neuen Songs live zu hören. Sowohl überaus exzessiv, als auch ruhig und melancholisch zelebrierte das Trio ein sehr gutes Konzert. Auch wenn die kleine PA dabei eindeutig an ihre Grenzen kam.

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Milan Lukaschek in concert

Die Zuschauer quittierten den gelungenen Auftritt, indem sie alle CDs der Band schnellstmöglich an sich rissen. Im Anschluß an ihr Set gaben die Jungs noch einige Autogramme und ließen sich mit den Fans ablichten. Beim Abbauen erfuhren wir dann von Techniker Andrej, er werde am kommenden Tag mit seiner Band als Support für The Variety Show in Murom spielen.

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Paul Schütz beim Signieren

Wir verabschiedeten uns herzlich und begaben uns gemeinsam mit Stanislaw auf den kurzen Weg in Richtung unseres Hotels. Ziemlich geschafft nach diesem langen, kalten Tag beschlossen wir dann nach einem kurzen Nickerchen, wieder zur Hauptbühne des Stadtfests zu gehen, um uns gegen 22.00 Uhr den Headliner des Festivals anzuschauen. Da die Flyer natürlich auf Russisch waren, konnten wir nicht wissen, was uns dort erwarten würde.

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Die Groupies von Wladimir

Die Musikerin, die in Begleitung einer Backingband auftrat, coverte bekannte Pop- und Rocksongs. Die Bühnenshow war soweit nett anzusehen, doch bald beschlossen wir, uns einen Weg durch die Konzertmenge zu bahnen und unsere durchgefrorenen Körper in eine Bar zu schwingen. Bei unserem Lauf durch das Publikum bemerkten wir, daß niemand in der Gegenwart der zahlreichen Polizisten Alkohol trank. Stanislaw hatte uns bereits am Vortag erklärt, es sei hier im Land verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu konsumieren. Dies galt offensichtlich auch während des Stadtfestes. Als wir endlich eine Bar gefunden hatten, ließen wir uns müde in die bequemen Sitzgelegenheiten sinken. Die Auswahl an 40 internationalen Biersorten in Kombination mit Thors Trinkspiel und dem zuvorkommenden Barkeeper sorgte für einen heiteren Ausklang dieses eindrucksvollen Tages. Mit Vorfreude auf den am kommenden Tag anstehenden Gig in Murom begaben wir uns irgendwann in unsere Hotelbetten.

Text & Bilder: Lorena Seipp

Als Dreingabe noch der Link zum Blog von Jochen Preuß und seinem Bericht vom Moskauer Stadtfest, wo es auf den Straßen und Plätzen auch ausgelassen-nüchtern zuging: https://is.gd/8GbAPm


Irgendwann im Juli war da eine Idee – so dahin gesagt, aus einer Laune heraus: „Fahren wir im September nach Wladimir ins Erlangen-Haus“. Ja, warum eigentlich nicht?

Georg Kaczmarek und ich, Ruth Savelsberg, kannten unsere Partnerstadt Wladimir und das Erlangen-Haus bereits von früheren Besuchen und hatten uns dort immer sehr wohl gefühlt. Begeistert machten wir uns also an die Planung. Alles Nötige wurde in die Wege geleitet: Einladung des Erlangen-Hauses in Wladimir angefordert, Visa beantragt, Flüge gebucht – fertig.

Ruth Savelsberg und Georg Kaczmarek am Flughafen Domodjedowo

Ruth Savelsberg und Georg Kaczmarek am Flughafen Domodjedowo

Am 1. September ging es dann endlich los. Von Nürnberg mit der Lufthansa über Frankfurt nach Moskau-Domodjedowo. Von dort mit dem Aero-Express zum Jaroslawskij Bahnhof, weiter mit der Metro-Linie 5 zum Kurskij Bahnhof und weiter mit dem „Strisch“ nach Wladimir. Klingt viel komplizierter als es in Wirklichkeit ist – alles verlief reibungslos und im wahrsten Sinne des Wortes zügig. Müde, aber voller Erwartungen, erreichten wir am Abend unsere Unterkünfte bei Olga Amelina und Olga Michajlowa. Wir kannten die beiden reizenden Russinnen schon aus dem Vorjahr, und die Wiedersehensfreude war groß. Wir wurden mit einem opulenten, alle Klischees erfüllenden Essen empfangen: gegrillter Fisch und Hühnchen, Kotelett, Kartoffeln, Gemüse, Salat, Brot, Kuchen, Wein und Tee. Ach – und natürlich nicht zu vergessen: WODKA. Wir aßen, tauschten uns über die Geschehnisse des vergangenen Jahres aus und saßen bis in die frühen Morgenstunden zusammen.

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Ruth Savelsberg und ein „Bavaria-Hot-Dog“

Der nächste Tag sollte genau wie die folgenden mit einem grandiosen Frühstück beginnen. Frische Kräuter, Tomaten und Gurken aus dem eigenen Garten, Omelette und Würstchen, Brot und Kuchen auf einem liebevoll eingedeckten Tisch. Was ich jedes Mal vergesse, wenn ich nach Wladimir reise: eß- und trinkfest muß man auf jeden Fall sein! Die Waage sollte man zu Hause lassen.

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Mit dem deutschen Bus in Wladimir unterwegs

Gut gestärkt, traf ich mich morgens nach dem Frühstück mit Georg, und wir zogen gemeinsam Richtung Erlangen-Haus. Für gewöhnlich bestritten wir diesen Weg mit dem Bus, allerdings war das Wetter so erfrischend, dass ich mich des Öfteren für den Fußweg entschied. Sehr zu empfehlen, denn die Distanzen im Wladimirer Zentrum sind überschaubar, außerdem passiert man zwangsläufig immer wieder das Goldene Tor, an dem ich mich nicht satt sehen kann.

Georg Kaczmarek mit Freunden in Wladimir

Wladimir Tichomolow, Georg Kaczmarek, Alexandra Piramidina und Pawel Rasorjonow

Im Erlangen-Haus angekommen, erwarteten uns bereits unsere Dozentinnen, Anna Nikonowa und Natalia Dumnowa. Wir kannten beide Damen von früheren Besuchen und hatten im Vorfeld mit ihnen die Unterrichtsstunden abgesprochen sowie unsere Stundenpläne von ihnen erhalten. Wie jedes Jahr wurden wir aber auch vom ganzen Team des Erlangen-Hauses sowie Familienmitgliedern begrüßt. Man hat fast das Gefühl, nach Hause zu kommen. Daß man hier auch übernachten kann, paßt nur zu gut zu der offenen und wohlwollenden Atmosphäre. Uns gefällt es im Erlangen-Haus so gut, daß wir die Räumlichkeiten häufig auch nachmittags zum Lernen nutzten.

Die folgenden Tage waren also mit Unterricht am Vormittag und mit Lernen am Nachmittag ausgefüllt. Die restliche Zeit verbrachten wir damit, Wladimir und Umgebung zu erkunden:

Löffelmuseum

Löffelmuseum

Wir spazierten zum Beispiel durch die Große Moskauer Straße und entdeckten in einer Seitengasse ein Löffelmuseum, das erst vor einem Jahr eröffnet wurde. Es stellt Löffel aus der ganzen Welt aus, insbesondere natürlich russische – große, kleine, bemalte, unbemalte, alles, was das Löffelliebhaberherz eben so begehrt. Mehr dazu unter: https://is.gd/MzjfTo

Xenia Latarzewa und

Xenia Latarzewa, Leiterin des Museums, mit Ruth Savelsberg

Wir besuchten außerdem die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die Demetrius-Kathedrale, das Christi-Geburts-Kloster, die Dreifaltigkeitskirche, den Wasserturm, und und und.

Blintschiki

Blintschiki

An einem Nachmittag trafen sich Georg und ich mit unseren Olgas zum Pfannkuchen-Essen in dem kleinen, gemütlichen Lokal „Blintschiki“ in der Nähe des Platzes auf dem Spasskij-Hügel am Wasserturm mit dem Denkmal „Wladimirer Kirsche“. Solche Unternehmungen sind ein Muß für jeden Wladimir-Besucher, denn diese Stadt bietet unzählige Gaststätten, in denen man einkehren und urige Stunden verbringen kann.

Wladimirer Kirsche

Wladimirer Kirsche

Die beiden Damen führten uns nach dem Essen unter anderem zu St. Georgij dem Siegreichen, durch die neue Fußgängerzone zur Alten Apotheke und zum Fürstinnen-Kloster.

St. Georgij

St. Georgij

Eines Abends besuchte ich mit Olga Michajlowa das Wladimirer Symphonieorchester, das Sergej Prokofjews Konzert zu „Romeo und Julia“ spielte. Was ich nicht wußte war, daß zeitgleich die traditionelle Wladimirer Theaternacht «Ночь в театре» stattfand. Wir sahen uns also nach dem Konzert eine Kabarettvorstellung mit dem Titel „Die Drei Brüder“ (!!!) von Anton Tschechow an. Wir amüsierten uns köstlich. Ich erlebte den russischen Humor und die Bereitschaft zur Selbstironie hautnah mit. Ein Feuerwerk vor dem Theater krönte diesen unvergeßlichen Abend.

An den Wochenenden unternahmen wir Ausflüge in die Umgebung Wladimirs. Ich besuchte mit Maja Bolgarewa, einer russischen Freundin, in Kidekscha eine alte Kirche aus dem 12. Jahrhundert, vier km von Susdal entfernt und Weltkulturerbe. Wir besichtigten außerdem die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche an der Nerl sowie das Kloster Bogoljubowo.

Kidekscha

Kidekscha

Wir verbrachten, wie immer, auch einen Tag in Moskau. Der Rote Platz mit dem GUM, Flanieren auf dem Arbat und Besichtigung des Denkmals der Moskauer Chansonnier-Legende Bulat Okudschawa war unser Ziel.

Ruth Savelsberg und Georg Kaczmarek auf dem Roten Platz

Ruth Savelsberg und Georg Kaczmarek auf dem Roten Platz

Abends gönnten wir uns als besonderes Highlight Tickets für das Folklore-Theater „Russisches Lied“ mit einer Vorstellung von „Kostroma“, einer nationalen russischen Tanzshow.

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Ruth Savelsberg und Georg Kaczmarek vor der Tanzshow aus Kostroma in Moskau

Dank dieser vielen wunderbaren Unternehmungen verging die Zeit leider wieder einmal wie im Flug. Was fällt mir nun rückblickend ein, wenn ich an unseren diesjährigen Aufenthalt in Wladimir denke?

Ruth Savelsberg im GUM

Ruth Savelsberg im GUM

Gastfreundliche Menschen, die mich mit offenen Armen empfingen, unvergessliche Gespräche bei Tee und selbstgemachtem Gebäck bei Olga Michajlowa, Spaziergänge durch die Altstadt Wladimirs mit Freunden, vorbei an bunt bemalten Holzhäusern, der kühle Wind, der mir beim Sonnenuntergang ins Gesicht blies, Olgas und Jurijs Hund Slim, der mich von weitem jeden Abend schwanzwedelnd begrüßte, die halsbrecherischen Schlaglöcher im Asphalt, die jeden Autofahrer zur Weißglut treiben, die liebevoll gepflegten Gärten, an denen ich bewundernd vorbeizog. Ich erinnere mich auch an die klapprigen, voll besetzten Busse bekannter Herkunft, die einen Erlanger jedes Mal unmißverständlich auf den richtigen Ausstieg hinweisen und an die knorrigen aber sympathischen Schaffnerinnen und letztendlich an die typisch russische Atmosphäre Wladimirs.

Bulat Okudschawa und Georg Kaczmarek

Bulat Okudschawa und Georg Kaczmarek

Wir denken aber auch an Natalia Dumnowa und Anna Nikonowa sowie an alle weiteren Dozentinnen im Erlangen-Haus, die sehr kompetent, freundlich und geduldig sind.

Natalia Dumnowa, Georg Kaczmarek, Ruth Savelsberg und

Natalia Dumnowa, Georg Kaczmarek, Ruth Savelsberg und Anna Nikonowa

Wir sind stolz und glücklich, diese Menschen unsere Freunde nennen zu dürfen und freuen uns auf den nächsten Besuch.

Ruth Savelsberg


Während gestern Oberbürgermeister Florian Janik gemeinsam mit Werner Hohenberger, dem ehemaligen Direktor der Chirurgischen Klinik, und Stadtrat Jürgen Zeus – beide betreuen das von den drei Erlanger Rotary Klubs finanzierte Ärzteaustauschprogramm mit Wladimir – die beiden Pädiaterinnen mit der Fachausbildung Neonatologie und Intensivmedizin, Julia Starikowa und Julia Krajnowa, empfing, besuchten parallel dazu in der russischen Partnerstadt Wolfgang Rascher, Direktor der Kinderklinik, und Oberarzt Hans-Georg Topf in Begleitung des TV-Senders Gubernia 33 das vor etwa drei Jahren eröffnete Perinatale Zentrum, wo vor allem Kinder mit einem Gewicht von unter 1,5 kg zur Welt kommen. Zwölf Frühgeburten werden derzeit – je nach Befund bis zu einem Monat – in dieser Einrichtung behandelt.

Werner Hohenberger, Julia Starikowa, Florian Janik, Julia Krajnowa und Jürgen Zeus

Werner Hohenberger, Julia Starikowa, Florian Janik, Julia Krajnowa und Jürgen Zeus

In der Reportage freut sich Wolfgang Rascher, dessen fünftägiger Arbeitsbesuch in der Partnerstadt heute zu Ende geht, über die Erfolge der Wladimirer Ärzteschaft:

Vor fünf Jahren war ich zum ersten Mal in Wladimir. Ich bin beeindruckt von den Veränderungen, die seither zu verzeichnen sind. Das ist eine großartige Entwicklung!

Wolfgang Rascher, Hans-Georg Topf und Irina Chasowa

Wolfgang Rascher, Hans-Georg Topf, Irina Chasowa und Nadeschda Tumanowa, Leiterin des Zentrums

Und sein Kollege, Hans-Georg Topf, lobt die medizintechnische Ausstattung, etwa einen Inkubator mit künstlicher Beatmung der Neugeborenen oder hebt hervor:

Von außerordentlicher Bedeutung für diese Klinik ist ein Gerät zur Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut. Ein weiterer Vorteil des Krankenhauses besteht in der Existenz eines zentralisierten Systems der Überwachung des Zustands der Frauen nach der OP. Unserem Eindruck nach wird hier mit den Apparaten genau so gearbeitet wie bei uns in Deutschland.

Wolfgang Rascher geht sogar noch weiter und meint, man könne durchaus voneinander lernen:

Die Wladimirer Ärzte legen beispielsweise den Neugeborenen einen Katheter, kontrolliert von Ultraschalldiagnostik, wobei sie gleichzeitig auch die übrigen Organe des Kindes im Auge haben. Wir in Erlangen tun das mit Röntgenbildern. Hier könnte uns die Erfahrung der russischen Kollegen nützlich werden, denn Ultraschall ist eine weniger gefährliche Methode und kann viel öfter angewendet werden.

Dolmetscherin Kristina Kapsjonkowa, Dilbar Mamadowa, Hans-Georg Topf, Julia Krajnowa, Julia Starikowa und Wolfgang Rascher

Dolmetscherin Kristina Kapsjonkowa, Dilbar Mamadowa, Hans-Georg Topf, Julia Krajnowa, Julia Starikowa und Wolfgang Rascher

Von Florian Janik danach gefragt, was die beiden Hospitantinnen, deren zweiwöchiger Besuch am Samstag zu Ende geht, an Erfahrungen mit nach Hause nehmen, erklärt Julia Starikowa, man habe viel im Bereich der Pflege und der Abgabe von Medikamenten gelernt und werde natürlich auch in Sachen technischer Ausstattung einen Wunschzettel nach Wladimir bringen. In jedem Fall aber sind die Pädiater der Partnerstädte – gerade auch dank der Rotary-Initiative, wie Erlangens Oberbürgermeister betont – einander wieder einen großen Schritt entgegengekommen, sind mittlerweile wohl fast gleichauf. Was für ein gewaltiger Fortschritt, was für eine großartige Entwicklung, wenn man an die Anfänge des Austausches der Kinderärzte vor 25 Jahren zurückdenkt.

Julia Starikowa, Rotary-Präsident Siegfried Balleis und Julia Krajnowa

Julia Starikowa, Rotary-Präsident Siegfried Balleis und Julia Krajnowa

Und hier geht es zur Reportage des Sender Gubernia 33 über den Besuch der Kinderärzte aus Erlangen: https://is.gd/pKxMpj

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