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Im Kreis seiner „Wilden 13“, seines Teams vom Bürgermeister- und Presseamt, nahm gestern abend im würdigen Rahmen des Schlosses zu Tennenlohe Herbert Lerche Abschied von seinem Dienst, den er seit Herbst 1969 mit, wie es Oberbürgermeister Florian Janik formulierte, „einer großen inneren Ruhe und einem weiten Überblick, unglaublich gut vernetzt mit der Verwaltung und der Stadtgesellschaft“ versah, vor allem in den 17 Jahren als stellvertretender Leiter der Bürgermeister- und Presseamtes, bis er 2003 das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt übernahm und 2012 als Nachfolger von Helmut Schmitt an die Spitze des Bürgermeister- und Presseamtes zurückkehrte. Vier Oberbürgermeistern – Heinrich Lades, Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis und Florian Janik – hat er über all die Jahre treu gedient, und für seine vielen Mannschaften zeigte er sich in all den wechselnden Positionen immer als Libero mit viel Gespür für die jeweiligen persönlichen Stärken in seiner „Elf“. Genug Stoff für eine Sonderausgabe vom „Rathausplatz 1“ in einer Auflage von 300 Exemplaren in einmaliger Erscheinungsweise, kostenlos verteilt vom Zeitungsjungen Andrea Kaiser – mit einem Artikel mit dem Titel „Herbert Lerche und Wladimir“ aus der Feder von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Peter Steger:

Herbert Lerche im Blauen Himmel, Wladimir, Juni 2016

Herbert Lerche im Blauen Himmel, Wladimir, Juni 2016

Zu den vielfältigen Aufgaben, die Herbert Lerche bearbeitete, gehörte ab 1983 der ebenso brisante wie spannende Start der Städtepartnerschaft mit Wladimir. Bevor Dagmar Paliwal und Peter Steger ab der zweiten Jahreshälfte 1987 den Kontakt übernahmen, war es Herbert Lerche, der die ersten vier, besonders heiklen und intensiven Jahre der Partnerschaft mit großem Engagement und viel Fingerspitzengefühl betreute:

Herbert Lerche

Herbert Lerche

Da war die Reise der ersten Erlanger Stadtratsdelegation nach Wladimir vom 28. Juli 1983 zu organisieren, der noch im gleichen Jahr Besuche der Volkshochschule, der Gewerkschaft ÖTV und Anfang Juni 1984 einer Jugendleiterdelegation folgten. Zu einer schwierigen, aber rundum gelungenen Bewährungsprobe wurde für Herbert Lerche und das Team des Bürgermeisteramtes dann der Besuch der ersten offiziellen Delegation aus Wladimir in Erlangen vom 18. bis 24. Juni 1984, gipfelnd in einem mutigen Austauschprogramm für die Jahre 1984 bis 1987, darunter das große Turnerfest mit Eberhard Ginger und den Wladimirer Olympiasiegern.

Andrea Kaiser als Zeitungsjunge

Andrea Kaiser als Zeitungsjunge

Der gegenseitige Austausch nahm Fahrt auf und fand mit den Kultur- und Sporttagen in Wladimir vom 7. bis 13. September 1986 mit über 100 Gästen aus Erlangen seinen Höhepunkt. Zur Vorbereitung dieser wiederum bestens gelungenen Veranstaltung war Herbert Lerche zusammen mit Georg Leipold und Herbert Halbgebauer vom Kulturamt nach Wladimir gereist. Ja, und auch die förmliche Besiegelung der Partnerschaft, die im Rahmen der Wladimirer Kultur- und Sporttage in Erlangen vom 29. Mai bis 4. Juni 1987 erfolgte und zu der die zweite offizielle Delegation aus Wladimir mit insgesamt 80 Aktiven aus Sport und Kultur angereist war, hat Herbert Lerche maßgeblich mitorganisiert.

Sabine Lotter und Silvia Klein mit Herbert Lerche

Sabine Lotter und Silvia Klein mit Herbert Lerche

Das große persönliche Engagement des stellvertretenden Amtsleiters zeigte sich auch darin, mit welchem Erfolg er zusammen mit Klaus Wrobel 1984 an der VHS den Freundeskreis Wladimir gründete und viele Jahre intensiv betreute. Kein Zweifel: Herbert Lerche hat sich um die zunächst von vielen für utopisch gehaltene lebendige Bürgerpartnerschaft mit Wladimir sehr verdient gemacht.

Dietmar Hahlweg und Peter Steger

Herbert Lerche, umgeben von Elisabeth Preuß, Florian und Sylvia Janik, Gabriele Lerche, Sabine Lotter, Dietmar und Heidi Hahlweg, Marlene Wüstner und Susanne Lender-Cassens

Herbert Lerche, umgeben von Elisabeth Preuß, Florian und Sylvia Janik, Gabriele Lerche, Sabine Lotter, Dietmar und Heidi Hahlweg, Marlene Wüstner und Susanne Lender-Cassens

Ein russisches Sprichwort sagt: „Wo andere Menschen ihre Seele haben, da tragen Beamte nur ihre polierten Knöpfe zur Schau.“ An Herbert Lerche zeigt sich, wie sehr der Volksmund irren kann. Nie hat der am 8. Mai 1952 geborene Erlanger – so oft man ihn auch auf dem Fahrrad sieht – nach oben gebuckelt und nach unten getreten, und gerade die Städtepartnerschaften verdanken seinem von Vertrauen geprägten Führungsstil ihr reibungsloses Funktionieren auf der Ebene der Verwaltung, ein in seiner Bedeutung oft unterschätztes Element, das wesentlich zum Erfolg beiträgt. Einen guten Chef zeichnet aber vor allem eines aus: die gute Regelung der eigenen Nachfolge. So wie Helmut Schmitt erst zu einem richtig guten Chef wurde, als es ihm gelang, mit seinem Ausscheiden Herbert Lerche zurück ins Bürgermeister- und Presseamt zu holen, so bewies dieser so recht, wie gut er ist, als er erfolgreich Sabine Lotter als künftige Leiterin der Erlanger „Staatskanzlei“ vorschlug. Gut für das ganze Team und sicher gut für die Partnerschaft mit Wladimir und den anderen Städten und Gemeinden in aller Welt.


Fast genau drei Jahre ist es her, seit der Blog zum ersten Mal von Jurij Treguboff (1913 – 2000) berichtete – https://is.gd/sK53U1 -, jenem Schriftsteller, der einen großen Teil seiner Kindheit in und um Wladimir verbrachte, bevor die Wirren und Wehen der Revolution sein Leben in den Mahlstrom der Geschichte katapultierten und schier zwischen den Mächten der Politik zerrieben hätten. Eine Biographie wie aus einem Sittengemälde des vergangenen Jahrhunderts, festgehalten in vielen Romanen und Erzählungen, alle erschienen im Feuervogel-Verlag, vertrieben von der Witwe des Autors. Kennengelernt und auf die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir aufmerksam gemacht hat Anita Treguboff bei einer Messe in der Heinrich-Lades-Halle Barbara Wittig, Mitglied des Fördervereins Rotes Kreuz. Der Rest ist rasch erzählt: Es lag nahe, vor allem Exemplare der literarischen Werke mit Wladimir-Bezug an eine Bücherei in der Partnerstadt abzugeben. Auf Vermittlung des Erlangen-Hauses entstand dann der Kontakt zur Wissenschaftlichen Regionalbibliothek, wo Olga Akimowa, Leiterin der Abteilung für fremdsprachige Literatur, die Bücher gerne in ihren Bestand aufnahm und in einen regen Austausch per E-Mail mit Anita Treguboff trat. Nun trafen sich die beiden vorgestern zum ersten Mal – natürlich in Erlangen, die eine aus Wladimir gekommen, die andere eigens aus Frankfurt angereist – und freuten sich besonders, auch Barbara Wittig zu sehen, die ja am Beginn dieser bemerkenswerten Verbindung stand.

Dolmetscherin Kristina Kapsjonkowa, Barbara Wittig, Olga Akimowa und Jutta Treguboff

Dolmetscherin Kristina Kapsjonkowa, Barbara Wittig, Olga Akimowa und Anita Treguboff

Einen ganzen Rucksack voller Bücher aus dem Nachlaß ihres Mannes, darunter Raritäten wie ein viersprachiges Lexikon, hatte Anita Treguboff für die Besucherin aus Wladimir mitgebracht, vor allem aber einen ganzen Nachmittag Zeit, um all das viele bisher noch Ungesagte endlich der Frau zu erzählen, die das Gedächtnis der frühen Heimat des Autors bewahren möchte. Da wurde vielleicht gestern vollendet, was Jurij Treguboff nur noch hatte anlegen können.

Anne Reimann und Olga Akimowa

Anne Reimann und Olga Akimowa

Bevor es heute in die Kloster- und Stiftsbibliothek Waldsassen und morgen schon wieder nach Hause geht, besuchte Olga Akimowa gestern noch einmal die städtische Bibliothek und holte die Besichtigung der Kinder- und Jugendabteilung nach. Hier fand sie nun endlich auch russischsprachige Bücher und Gelegenheit, ihre literarischen Geschenke an die Kollegin, Anne Reimann, zu überreichen, verbunden natürlich mit einer herzlichen Einladung zum Gegenbesuch in Wladimir. Wer weiß… Vielleicht wird da ja schon eine jener überraschenden Geschichten im Fortsetzungsband der Partnerschaft geschrieben. Wer so lange nicht warten will, lese einmal hier hinein: https://is.gd/tj83K1


Über die unmittelbar bevorstehende Tournee und die Stationen des Kammerensembles der Wladimirer Philharmonie unter Leitung von Igor Besotosnyj wurde hier bereits berichtet. Doch nun gibt das Quartett kurzfristig am Dienstag, den 13. Dezember, ein zusätzliches Erlangen-Konzert um 16.00 Uhr in der „Cafeteria“ der WAB Kosbach, Schleienweg 11.

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Bei freiem Eintritt – um Spenden wird gebeten – sind Werke aus der westeuropäischen Klassik sowie Werke der russischen Folklore in einer ganz außergewöhnlichen Interpretation zu hören: Balalaika, Domra, Bajan – und Geige. Spielfreude und Virtuosität der Musiker versprechen ein ganz außergewöhnliches Hörerlebnis: kommen, hören und genießen!

Siehe auch: https://is.gd/iDA8d3


Bibliotheken haben ein langes Gedächtnis, das im Fall der Partnerstädte Erlangen – Wladimir bis in die frühen 90er Jahre zurückreicht, als die Büchereien bereits einen ersten Austausch pflegten. Olga Akimowa, heute Leiterin der Abteilung für fremdsprachige Literatur an der Regionalen Wissenschaftlichen Bibliothek, war in jener Zeit, 1992, auch schon einmal in Erlangen, damals freilich als Studentin für drei Wochen am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde.

Claudia Nägel, Olga Akimowa und Anne Reimann

Claudia Nägel, Olga Akimowa und Anne Reimann

Da fiel es der gelernten Philologin nicht schwer, die Einladung in die Partnerstadt anzunehmen, zumal sie sich freut, bei dem Besuch ihr etwas aus der Übung gekommenes Deutsch zu reaktivieren. Überhaupt die Sprachen. Unter ihrer Ägide entstanden in der Bibliothek ein Amerika- und ein Frankreichzentrum, zwei Deutsch-Kurse sind im Angebot, und Bücher aus etwa vierzig Ländern sind auszuleihen. Und dann gibt es natürlich immer wieder thematische Veranstaltungen rund um das Buch.

Peter Wabel und Olga Akimowa

Peter Wabel und Olga Akimowa

Die Ausleihe ist in Wladimir übrigens kostenlos, und die Bücherei hat auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Aber es gibt Planvorgaben seitens des Trägers, der Regionalverwaltung, hinsichtlich der Nutzungszahlen. Kommen weniger Leser als vorgesehen, kann sich das auf die Gehälter auswirken, sind Personalkürzungen möglich, es droht sogar die Schließung der Einrichtung. Keine Gefahr für die Bibliothek von Olga Akimowa, aber auf dem Land durchaus eine reale Bedrohung.

Christine Lenhart und Olga Akimowa

Christine Lenhart und Olga Akimowa

Mit etwa zwei Millionen Dokumenten – von der Karte über Zeitungen bis zum Buch – versammelt die Wissenschaftliche Bibliothek alles, was zum Thema Landeskunde der Region Wladimir relevant erscheint. Aber natürlich findet man auch schöngeistige Literatur, Bücher für Kinder und selbstverständlich elektronische Medien. Doch was man in Erlangen, wo die Stadtbibliothek mit ihren 160.000 Objekten den Fokus auf die aktuelle Nutzung legt, ans Archiv geben würde, bleibt in Wladimir im Besitz der Bücherei, obwohl das Gebäude nicht für diese Zwecke errichtet wurde und man durchaus Schwierigkeiten mit dem Klima hat, manch ein Foliant oder Dokument besser geschützt sein sollte.

Olga Akimowa

Olga Akimowa

Ein Überraschungsmoment für Olga Akimowa dann beim Rundgang durch das Palais Stutterheim: Motive aus der Heimat bei einer Ausstellung der Pfadfinder vom Stamm Asgard, die im vorletzten Jahr ein Projekt im Blauen Himmel bei Wladimir umgesetzt haben. Die Partnerstadt ist eben in Erlangen so gut wie omnipräsent.

Claudia Nägel und Olga Akimowa

Claudia Nägel und Olga Akimowa

Durchaus neu für die Besucherin der zielgruppenorientierte Ansatz in Erlangen. Besonders interessant die Ausrichtung auf Senioren, das Thema „Leichtes Lesen“, vor allem aber die Beschäftigung mit Demenz, eine Problematik, die ja in der russischen Gesellschaft nicht weniger aktuell ist wie hierzulande.

Marlene Neumann und Olga Akimowa

Marlene Neumann und Olga Akimowa

Ähnlich dann aber wieder hier wie dort die Angebote an Migranten und Flüchtlinge bis hin zu Sprachkursen oder der Internetservice. Dann noch eine Überraschung: Viele Nutzer in Wladimir wünschen sich den Zugang zu deutschen Zeitungen und Fachpublikationen. Und siehe da, Marlene Neumann verschafft der russischen Kollegin im Handumdrehen den Zugang zu Franken-Onleihe. Was will man mehr! Heinrich Heine hätte da seine Invektive – „Für die Güte einer Bibliothek könnte man denselben Beweis anführen, den Boccaccio für die Religion anführt: Sie besteht trotz ihrer Beamten.“ – sicher unterlassen oder wohlwollender formuliert. Jedenfalls genügte ein Tag nicht, um alles zu besprechen und alles zu sehen, etwa die Kinderabteilung. Aber Olga Akimowa bleibt ja noch bis Samstag, hat also Zeit für ein weiteres Treffen mit Leiterin Anne Reimann und ihrem ausgezeichneten Team.

Olga Akimowa und Christoph Jensen

Olga Akimowa und Christoph Jensen

Auf etwa 500 laufende Meter – etwa die Entfernung zum Palais Stutterheim – pro Jahr schätzt Christoph Jensen die Neuanschaffungen für die Universitätsbibliothek, zu deren Urbestand die Sammlung von Friederike Sophie Wilhelmine, der Lieblingsschwester von Friedrich dem Großen, gehört. Bei allem Stolz auf das Archiv und die insgesamt wohl um die fünf Millionen Bände im Besitz der FAU, ist dem Buchwissenschaftler doch vor allem die aktuelle Ausleihe für Studenten und Wissenschaftler ein Anliegen – mit all den vielen „Filialbibliotheken“ an den einzelnen Standorten der Fakultäten und Institute.

Olga Akimowa und Christoph Jensen unter dem Portrait von Sophie

Olga Akimowa und Christoph Jensen unter dem Portrait von Friederike Sophie Wilhelmine

Am Abend eines langen Tages im Zeichen der Bücher ist Olga Akimowa ebenso müde wie glücklich: „Auf alle meine Fragen habe ich ausführliche Antworten erhalten. Jetzt will ich mir das alles notieren. Aber dann habe ich noch viele Fragen…“


Auf Anregung von Lutz-Michael Meyer hat ging unlängst per Post ein Exemplar des Bandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ an die Bücherei der Deutschen Botschaft in Moskau. Nun hat der Arzt der Auslandsvertretung, der nebenbei auch noch die Städtepartnerschaften im zentralrussischen Verwaltungsbezirk betreut, das Buch beim Nikolaus-Empfang für das gesamte Personal Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch überreicht, der die zeitgeschichtliche Arbeit als ein wichtiges Zeichen der Verständigung zwischen unseren Ländern würdigte.

Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch und Botschaftsarzt Lutz-Michael Meyer

Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch und Botschaftsarzt Lutz-Michael Meyer

Nachdem Lutz-Michael Meyer sich bereits bei zwei Besuchen in Wladimir ein persönliches Bild von der Zusammenarbeit der Partnerstädte hatte machen können, ist es nun im Rahmen eines privaten Besuchs im November erstmals auch zu einer persönlichen Begegnung gekommen, wo die ganze Vielfalt des Austausches zur Sprache kam. Vor allem aber sagte der Botschaftsvertreter auch für die Zukunft jede nur denkbare Unterstützung für die Kontakte zu.

Lutz-Michael Meyer und Peter Steger

Lutz-Michael Meyer und Peter Steger

Es mögen kleine Gesten sein – ein persönliches Kennenlernen, die Übergabe eines Buches, die Zusage von Unterstützung -, aber diesen unscheinbaren Zeichen wohnt jener Geist der Anerkennung für das Gesamtwerk der Partnerschaft inne, der Luft unter die Flügel bläst und die Thermik für  die langen Strecken schenkt, welche noch vor allen liegen, die am Gelingen mitwirken und sich jenes Ziel des Miteinanders gesteckt haben, das mal zum Greifen nahe scheint und dann wieder zum Verzweifeln fern und unerreichbar. Immer im Sinn der Maxime von Lew Tolstoj: „Das wichtigste Ziel ist das Jetzt, der wichtigste Mensch ist der Nächste, mit dem ich jetzt spreche; die wichtigste Tat ist, dem Nächsten Gutes zu tun.“ Lassen wir uns nicht entmutigen dabei!


Unlängst hat Hans-Joachim Preuß in seinem so lesenswerten Blog eine kundige Einführung in die russische Küche gegeben und dabei der Suppe die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, ohne dabei freilich Rezepte zu verraten: https://is.gd/tySQjW. In Ergänzung zu dem Appetitanreger des schreibenden Kollegen hier die Anleitung zur Zubereitung einer Pilzsuppe, die um diese Jahreszeit nach einer ungewöhnlich reichen Saison ganz oben auf dem Speiseplan der russischen Hausmannskost steht.

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Man übergießt dazu – am besten schon über Nacht – zwei bis drei Handvoll getrockneter Waldpilze mit heißem Wasser und läßt sie mindestens drei Stunden – gern auch länger – ziehen und quellen. Alles andere dauert dann nicht mehr lange.

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Drei bis vier mittelgroße Kartoffeln werden geschält, in Streifen geschnitten und in einem Liter Wasser gekocht. Außerdem benötigt man eine große Zwiebel sowie ein Stück roter Paprika, die man würfelt, und zusammen mit einer mittelgroßen, geriebenen Karotte in reichlich Sonnenblumenöl anbrät.

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Unterdessen nimmt man die Pilze aus dem Sud (bitte nicht wegschütten, der wird noch gebraucht), trocknet sie etwas ab, schneidet sie mittelklein, fügt sie zum Gemüse hinzu und läßt alles zusammen ca. fünf Minuten dünsten. Nun kommt noch eine feingewürfelte Tomate obendrein, die Mischung köchelt ein paar Minuten weiter, bis man die Kartoffelstücke beigibt und alles mit einem Glas von dem Sud abschmeckt.

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Jetzt darf mit Salz, Pfeffer und einem Lorbeerblatt abgeschmeckt werden. Zwei bis drei Eßlöffel Bulgur und frische Kräuter bilden den Abschluß, und der Topf bleibt weitere zehn Minuten auf dem Herd am Kochen. Doch dann ist der Genuß groß, besonders groß mit einem Schlag Schmand, mit dem man die in Deutschland fehlende Smetana am besten ersetzt. Man muß halt hierzulande gewisse Kompromisse machen…


Des Schreibers Erfahrung lehrt Vorsicht im Umgang mit Hyperbeln, nur zu rasch putscht sich die eine Übertreibung nur auf, um sich in der Wortarena vom verfolgenden Superlativ über immer noch höhere Hürden treiben zu lassen, ein stilistisches Wettrennen kommt in Gang, das nach stets neuen sprachlichen Spitzenleistungen verlangt, die rhetorischen Mittel schießen schnell ins Kraut und enden als welke Stilblüten, die geneigte Leserschaft wendet sich bei all dem verbalen Doping früher oder später angewidert ab und ruft nach nüchtern-sachlichem Klartext. Dem sei heute entsprochen mit der Ansage: Wer gestern abend der Einladung in die Gaststätte der Spielvereinigung zu der Vorführung des Films „Eiskalt: Mit dem Fahrrad durchs Baltikum nach Rußland“ nicht folgen konnte – im Blog war rechtzeitig ein Hinweis auf die Veranstaltung erschienen – hat nichts Weniger als den ultimativen Roadmovie einer Annäherung per Fahrrad an Wladimir im frostigen Frühjahr 2013 versäumt. Man erinnert sich fröstelnd: Damals machten sogar die Zugvögel wieder kehrt, als ein Trupp Unentwegter sich auf den 4.000 km weiten Weg begab.

Walter Költsch und die Wladimir-Équipe

Walter Költsch, vorne 2. v.l., und die Wladimir-Équipe

Sieht man die Bilder, die Walter Költsch, weiß Gott ein zu Land und Wasser welterfahrener Extremreisender, unter wahrlich erschwerten Bedingungen von dieser einzigartigen Expedition Richtung Nordosten gedreht hat, versteht man, warum die Équipe um Peter Smolka – Wladimir war seine erste Station auf der Radtour um den Globus, wo er derzeit zwischen Äthiopien und dem Sudan den Rückweg nach Europa sucht, bis er im Herbst nächsten Jahres via Jena nach Erlangen zurückkommt – begreift man, weshalb das Team von Halt zu Halt ausdünnte, bis dann ab der deutsch-tschechischen Grenze nur noch Gertrud Härer und Jörg Gruner (auf dem Bild erste Reihe 1. v.l. und zwei Reihe 4. v.l.) bei der Stange und bis zum glücklichen Ende in Wladimir blieben.

Walter Költsch im Nirgendwo

Walter Költsch bei einer „Abkürzung“ durchs Nirgendwo

Diese Reise war wohl ein einziges Trotzdem. Tag um Tag steifer Gegenwind, ein Hase-und-Igel-Spiel mit Schnee und Eis, wobei die Naturgewalten erst kurz vor dem Ziel ein Einsehen oder besser Nachsehen hatten. Man wird Zeuge einer Fahrt, wo freundliche Menschen ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie vom Ziel der Radler hören, wo Pannen viel handwerkliches Geschick verlangen, wo Abkürzungen rasch zu Umwegen werden können…

Wladimir zum Greifen nah

Wladimir zum Greifen nah

Zumindest ist bei dem gut vierzigtägigen Unterfangen das Bier nie kalt geworden, denn Frühling wurde es erst kurz vor Wladimir. Da bestätigte sich dann auch spätestens beim Empfang mit Oberbürgermeister Sergej Sacharow und einer gemeinsamen Radtour durch die Partnerstadt der Eindruck: Die Russen sind richtig angenehme Leute – solange sie nicht hinter dem Steuer sitzen… Aber das sollte man sich selbst alles ansehen, jetzt freilich nur noch möglich in Lauf an der Pegnitz, PZ Kulturraum, Nürnberger Straße 19, am 14. und 15. Januar um 19.30 Uhr bzw. 18.00 Uhr und dann die letzten drei Mal am 20. und 21. Januar um 19.30 Uhr sowie am 22. Januar um 18.00 Uhr. Es lohnt sich bei aller Vorsicht im Umgang mit Hyperbeln.

Mehr zum Thema unter: https://walters-verrueckte-reisen.de

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