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Des Schreibers Erfahrung lehrt Vorsicht im Umgang mit Hyperbeln, nur zu rasch putscht sich die eine Übertreibung nur auf, um sich in der Wortarena vom verfolgenden Superlativ über immer noch höhere Hürden treiben zu lassen, ein stilistisches Wettrennen kommt in Gang, das nach stets neuen sprachlichen Spitzenleistungen verlangt, die rhetorischen Mittel schießen schnell ins Kraut und enden als welke Stilblüten, die geneigte Leserschaft wendet sich bei all dem verbalen Doping früher oder später angewidert ab und ruft nach nüchtern-sachlichem Klartext. Dem sei heute entsprochen mit der Ansage: Wer gestern abend der Einladung in die Gaststätte der Spielvereinigung zu der Vorführung des Films „Eiskalt: Mit dem Fahrrad durchs Baltikum nach Rußland“ nicht folgen konnte – im Blog war rechtzeitig ein Hinweis auf die Veranstaltung erschienen – hat nichts Weniger als den ultimativen Roadmovie einer Annäherung per Fahrrad an Wladimir im frostigen Frühjahr 2013 versäumt. Man erinnert sich fröstelnd: Damals machten sogar die Zugvögel wieder kehrt, als ein Trupp Unentwegter sich auf den 4.000 km weiten Weg begab.

Walter Költsch und die Wladimir-Équipe

Walter Költsch, vorne 2. v.l., und die Wladimir-Équipe

Sieht man die Bilder, die Walter Költsch, weiß Gott ein zu Land und Wasser welterfahrener Extremreisender, unter wahrlich erschwerten Bedingungen von dieser einzigartigen Expedition Richtung Nordosten gedreht hat, versteht man, warum die Équipe um Peter Smolka – Wladimir war seine erste Station auf der Radtour um den Globus, wo er derzeit zwischen Äthiopien und dem Sudan den Rückweg nach Europa sucht, bis er im Herbst nächsten Jahres via Jena nach Erlangen zurückkommt – begreift man, weshalb das Team von Halt zu Halt ausdünnte, bis dann ab der deutsch-tschechischen Grenze nur noch Gertrud Härer und Jörg Gruner (auf dem Bild erste Reihe 1. v.l. und zwei Reihe 4. v.l.) bei der Stange und bis zum glücklichen Ende in Wladimir blieben.

Walter Költsch im Nirgendwo

Walter Költsch bei einer „Abkürzung“ durchs Nirgendwo

Diese Reise war wohl ein einziges Trotzdem. Tag um Tag steifer Gegenwind, ein Hase-und-Igel-Spiel mit Schnee und Eis, wobei die Naturgewalten erst kurz vor dem Ziel ein Einsehen oder besser Nachsehen hatten. Man wird Zeuge einer Fahrt, wo freundliche Menschen ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie vom Ziel der Radler hören, wo Pannen viel handwerkliches Geschick verlangen, wo Abkürzungen rasch zu Umwegen werden können…

Wladimir zum Greifen nah

Wladimir zum Greifen nah

Zumindest ist bei dem gut vierzigtägigen Unterfangen das Bier nie kalt geworden, denn Frühling wurde es erst kurz vor Wladimir. Da bestätigte sich dann auch spätestens beim Empfang mit Oberbürgermeister Sergej Sacharow und einer gemeinsamen Radtour durch die Partnerstadt der Eindruck: Die Russen sind richtig angenehme Leute – solange sie nicht hinter dem Steuer sitzen… Aber das sollte man sich selbst alles ansehen, jetzt freilich nur noch möglich in Lauf an der Pegnitz, PZ Kulturraum, Nürnberger Straße 19, am 14. und 15. Januar um 19.30 Uhr bzw. 18.00 Uhr und dann die letzten drei Mal am 20. und 21. Januar um 19.30 Uhr sowie am 22. Januar um 18.00 Uhr. Es lohnt sich bei aller Vorsicht im Umgang mit Hyperbeln.

Mehr zum Thema unter: https://walters-verrueckte-reisen.de


Alle zwei Jahre nur wird er vergeben, und mit satten 10.000 Euro ist er dotiert, der Kulturpreis der Stadt Erlangen, mit dem gestern Oberbürgermeister Florian Janik im prächtig restaurierten Saal von „Kreuz und Quer“ den Chor Vocanta für drei Jahrzehnte eines einzigartigen musikalischen Schaffens auszeichnete. Gewürdigt wurde damit auch ein Ensemble, das dank seinem Zusammenwirken mit dem Kammerchor Raspew aus Wladimir seit 2006 bei gemeinsamen Konzerten sein deutsch-russisches Publikum beglückt.

Vocanta mit Joachim Adamczewski, Florian Janik, Dieter Rossmeissl und Jörg Krämer

Vocanta mit Joachim Adamczewski, Florian Janik, Dieter Rossmeissl und Jörg Krämer

Bei Vocanta ist alles stimmig, bei dem Chor stimmt alles, das Ensemble nimmt alle für sich ein, Kenner wie Laien. Das kann nicht nur an der streng geschulten Stimmbildung, der künstlerischen Disziplin, der stupenden Vielfalt des Repertoires liegen. Da ist mehr am Werk. Vielleicht etwas, wovon Anton Tschechow in seiner Erzählung  Krankensaal Nr. 6 schreibt: „Es ist wahr, wir haben Bücher, doch diese geben uns nicht dasselbe wie ein lebendiges Gespräch und der geistige Austausch… So sind Bücher mit Noten zu vergleichen, aber ein Gespräch – mit Gesang.“ Vielleicht liegt tatsächlich in dieser unprätentiösen Wendung das Geheimnis von Vocanta: in der Hinwendung des Chors zum Publikum, wo Gesang zum Gespräch wird.

Vocanta mit Joachim Adamczewski und Florian Janik

Vocanta mit Joachim Adamczewski und Florian Janik

Aber auch das trifft noch nicht den Zauber, der jedem Auftritt von Vocanta innewohnt. Da ist noch eine andere Dimension, eine spirituelle Ebene – wie in einer Ikone, geschaffen, um dem Menschen einen Blick ins Reich der jenseitigen Dinge zu gestatten, wie in einem Bild, das den Ausblick in den Himmel öffnet, gerade weit genug, um eine Ahnung zu bekommen von dem, was einen dort erwartet. Mehr – so die Botschaft – würden wir ohnehin nicht verkraften.

Vocanta mit seinem Leiter Joachim Adamczewski

Vocanta mit seinem Leiter Joachim Adamczewski

Wie das bei Vocanta gelingt, hat sicher auch mit der Wahl der Werke zu tun, die in kluger Folge vom strahlenden Gotteslob des Bach-Schülers Gottfried August Homilius über Robert Schumanns changierende Lieder „An die Sterne“ und „Ungewisses Licht“ bis zu dem tektonisch so vielgestaltigen „Alleluia“ des zeitgenössischen Komponisten Eric Whitacre aus den USA reicht, abgeschlossen von dem sphärisch verklingenden „Little Picture Frame“ des 1977 geborenen Letten Ēriks Ešenvalds. Spätestens hier ist nun aber Anton Tschechow auch schon wieder widerlegt, meinte er doch einmal an anderer Stelle: „Die Leute lieben an der Kunst zumeist das Banale und längst Bekannte, das, woran sie gewöhnt sind.“ Mag stimmen, zumeist. Nie aber für das Publikum von Vocanta. Wie das der Chor hinbekommt, ob mit Gespräch, ob mit Zauber, ob mit Spiritualität, das möge sein Geheimnis bleiben, das wir alle gern auch in Zukunft mit ihm teilen. Ebenso wie die Freude über die gestrige Auszeichnung, die Joachim Adamczewski als Gründer und Leiter des Ensembles auch als Verpflichtung und Versprechen für die Zukunft versteht.

Joachim Adamczewski und sein Chor Vocanta

Joachim Adamczewski und sein Chor Vocanta

Zu diesem Versprechen gehören sicher auch neue Konzerte mit Raspew in Erlangen und Wladimir, aber ebenso der schon im Frühjahr bevorstehende Besuch des Mädchenchors aus der russischen Partnerstadt, mit dem Joachim Adamczewski als Musiklehrer am Christian-Ernst-Gymnasium seit 2010 den Austausch pflegt. Wer so lange nicht warten will: Am 26. Dezember um 17.00 Uhr ist Vocanta wieder in Heilig Kreuz mit seinem Weihnachtskonzert zu hören. Garantiert ohne musikalische Banalitäten, lieber Anton Tschechow!


Die gestrige, mittlerweile dreizehnte, Ansprache an die Nation des Präsidenten der Russischen Föderation fiel auf den Welt-AIDS-Tag. Eigentlich ein guter Anlaß, auf ein für sein Land drängendes Problem hinzuweisen, aber Wladimir Putin beließ es dabei, allgemein davon zu sprechen, es gebe weiterhin Probleme im Bereich des Gesundheitswesens, sogar jede Menge: Man habe es mit langen Warteschlangen zu tun, erfahre als Patient eine formale Behandlung, oft gebe es zwar moderne Geräte, aber es fehle dann an der Qualifikation; außerdem müsse man die Ärzte von der Routinearbeit mit all den Bescheinigungen befreien. Und dann der zentrale Satz: „Unsere Bemühungen zielen auf die Bewahrung der traditionellen Werte der Familie. Das natürliche Bevölkerungswachstum hält an. Es liegt höher als in den meisten europäischen Ländern. Wir sind ein einiges Volk, und wir haben nur ein Rußland.“
Man muß AIDS nicht fürchten, man muß es kennen!

Man muß AIDS nicht fürchten, man muß es kennen!

In diesem Land der „traditionellen Werte“ stecken sich mittlerweile täglich nach offiziellen Angaben etwa 250 Menschen neu mit HIV an, 58.000 Todesfälle waren im Vorjahr zu beklagen, exakt so viele wie in dem um ein Vielfaches bevölkerungsreicheren China; in den USA waren es 20.000 und in Deutschland 500 Menschen, die 2015 an der Infektion starben. Ist mehr als 1% der Bevölkerung infiziert, spricht man von einer „allgemeinen Epidemie“, ein Zustand, der bereits in 15 Regionen von Samara an der Wolga über Jekaterinburg im Ural bis Irkutsk in Sibirien erreicht ist, bisher ungebremst.
Welt-Anti-AIDS-Tag. Heute nachdenken, damit es morgen nicht zu spät sei!

Welt-Anti-AIDS-Tag. Heute nachdenken, damit es morgen nicht zu spät sei!

Im Westen bewährte Methoden wie die Ausgabe von sterilen Spritzen, Verordnung von Methadon oder auch nur die Propagierung von Präservativen zur Prävention (Ansteckungsrisiken sind je etwa zur Hälfte ungeschützter heterosexueller Geschlechtsverkehr – homosexueller schlägt nur mit etwa 1,5 % zu Buche – und verschmutzte Nadeln) treffen oft auf behördliche Ablehnung oder stoßen auf bigottes Unverständnis bei der Bevölkerung, wie leider derzeit in Bogoljubowo vor den Toren von Wladimir zu erleben, wo ab 2018 ein Betrieb Kontrazeptiva produzieren will und ultrareligiöse Aktivisten das verhütende Gummi als „Abtreibung für den Mann“ bezeichnen sowie auf die alttestamentarische Sünde des Onan verweisen. Lieber solle man Grantwerfer an dem für die russische Geschichte heiligen Ort mit dem Frauenkloster herstellen als dieses verderbliche Mittel zur Geburtenverhinderung auf Gottes Volk loslassen, zumal die Schutzfunktion des Präservativs gegen HIV ohnehin nur ein „Mythos“ sei. Schon hat die Firma, die etwa 200 Arbeitsplätze schaffen und in dem Werk auch Hygieneartikel für Kleinkinder produzieren will, dem orthodoxen Druck nachgegeben und angeboten, als juristische Adresse nicht Bogoljubowo, sondern Wladimir anzugeben, damit zumindest der Name des Ortes unbefleckt bleibe, wo Großfürst Andrej auf Geheiß der Gottesmutter, wenn man der Heiligenlegende Glauben schenken will, seine Residenz baute und das heute noch bestehende Kloster gründete, bevor der fromme Adelsmann Kiew, die „Mutter der russischen Städte“ und seine eigene Heimat, brandschatzen ließ und Wladimir-Susdal zum Zentrum der staatlichen und später auch kirchlichen Macht erhob.
Sind Sie sicher, gerade Sie werde es nicht treffen? Nein zu AIDS!

Sind Sie sicher, gerade Sie werde es nicht treffen? Nein zu AIDS!

In der aufgeklärten Partnerstadt sorgt man sich derweil weniger um das moralische Reinheitsgebot, sondern mehr um die tatsächlichen Probleme des irdischen Lebens. Man hat eine Hotline zum Thema HIV eingerichtet, und Anfang nächster Woche treffen sich in Susdal die führenden Fachleute des Landes zum Thema Therapie und Prophylaxe. Denn auch in der Region Wladimir steigt die Zahl der Infektionen – um ganze 10% gegenüber dem Vorjahr. 482 Neufälle sind in den ersten zehn Monaten des Jahres hinzugekommen, insgesamt zählt man 3.392 HIV-Infizierte, und seit Anfang des Jahres sind laut Gesundheitsamt bereits 82 Menschen an AIDS, 39 von ihnen im Endstadium, verstorben. Von 1.888 untersuchten Personen trugen 83 das Virus in sich. Wie ernst man das Problem nun nimmt, zeigt ein Regierungsprogramm, nach dem 13 Mio. Rubel  zusätzlich in die Region Wladimir gehen. Hoffentlich zum Nutzen aller. Hilfreich wäre aber sicher noch mehr, wenn Moskau sich endlich am „90-90-90-Programm“ der Weltgesundheitsorganisation beteiligte, wonach bis zum Jahr 2020 rund 90 % der HIV-Infizierten von ihrem Status wissen, 90 % der Diagnostizierten Medikamente bekommen und bei 90 % von ihnen der Rückgang der Infektion beobachtet werden soll. Es ist den Menschen zu wünschen, denn zu den „traditionellen Werten“ gehört doch sicher auch der Schutz des geborenen Lebens in all seiner gottgewollten Vielfalt.


Im April 2002 wurde unter dem Vorsitz von Konrad Wegner der Verein „Nadjeschda“ gegründet. Als der Gemeindepfarrer von St. Kunigund drei Jahre darauf verstarb, übernahm sein Amtsbruder von St. Theresia, Udo Zettelmaier, die Leitung über die ca. 30 Mitglieder, deren Anliegen es in den letzten Jahren vor allem war, die Rosenkranzgemeinde in Wladimir bei der Planung und baulichen Umsetzung des Pilgerzentrums zu unterstützen. Ursprünglich freilich wurde „Nadjeschda“, zu Deutsch „die Hoffnung“, ins Leben gerufen, um den interkonfessionellen Jugendaustausch mit der Partnerstadt zu fördern.

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Verein Nadejschda

Mit der Wahl von Jutta Schnabel als Beisitzerin in den Vorstand kam nun gestern eine Rückbesinnung auf dieses Thema klar zum Ausdruck, ist die Physikerin doch Herz und Motor der Begegnungen zwischen dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Erlangen mit Gleichaltrigen aus Wladimir. Wer bei dieser guten Sache mitwirken möchte, melde sich am besten gleich unter udozettelmaier1@alice.de, denn, wie Thomas Carlyle einmal sagte: „Der Mensch ist auf Hoffnung gebaut, und er hat eigentlich keinen anderen Besitz als die Hoffnung. Unsere Wohnung hier heißt: die Stätte der Hoffnung.“

 


Bald ist es wieder so weit. Das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir unter Leitung von Igor Besotosnyj tourt erneut durch Bayern. Mit der bewährten Unterstützung von Dorothee Lotsch, die wohl auch beim einen oder anderen Auftritt selbst singen wird.

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All denen, die das Quartett noch nicht gehört haben, sei ein Konzertbesuch empfohlen, wenn man gepflegte Musik hören möchte, meisterhaft interpretiert auf Instrumenten der russischen Volksmusik. Nun, und wer die Gruppe bereits kennt, wird sicher nicht genug bekommen und ohnehin eines der Konzerte besuchen: 11.12. – 17.00 Uhr St.-Andreas-Kirche Kalchreuth; 12.12. – 19.00 Uhr Wohnstift Hallerwiese Nürnberg; 14.12. – 19.00 Uhr m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn; 15.12. – 19.00 Uhr Klinikum Penzberg; 16.12. 19.30 Uhr Sängerhalle Saulheim; 17.12. – 19.00 Uhr Klinikum Starnberg; 18.12. – 14.00 Uhr Erlanger Waldweihnacht und 19.00 Uhr m&i-Fachklinik Herzogenaurach.

Die Teefee aus Wladimir


Es ist ein wenig wie im „Winterlichen Gedicht“ von Alexander Puschkin in der Übertragung von Friedrich Fiedler, wo es heißt: „Ein böser Schneesturm da begann / und brach die dünnen Zweige. / Der Sturmwind blies die Sterne weg, / die Lichter, die wir lieben…“ Eisregen mit Stromausfällen, frühen Schnee mit Verkehrsunfällen erlebte Wladimir bereits in diesem Spätherbst, und nun klirrende Kälte aus dem Stand mit Temperaturen, die gestern noch beim Gefrierpunkt lagen und heute nacht auf bis zu – 16° C sinken.

Nadjas Schneefee

Nadjas Schneefee; Arrangement, Rezeptur und Photo von Nadja Steger

Da auch hierzulande der erste Schwall Polarluft zu erwarten steht, sei heute der Rat erteilt, sich mit einer Teekreation aus Wladimir, „Nadjas Schneefee“ genannt, gegen all die Widrigkeiten des Wetters zu wappnen, indem man Thymian, gefrorene Moos- oder Preißelbeeren mit Ingwer und Orange aufkocht, honigsüß abschmeckt und dann unter der Lieblingskuscheldecke – zu zweit spendet sie erfahrungsgemäß zusätzlich kräftigende Wärme – die wohltuende Wirkung des köstlichen Heiltranks genießt. Sollte die Rezeptur eine heraufziehende Erkältung nicht mehr verhindern können, hilft sie, ganz dem sinnlichen Vergnügen ergeben, zumindest die schlimmsten Folgen des Infektes klaglos zu erdulden, der natürlich ohne jede innere und äußere Anwendung mindestens eine Woche sein Unwesen treibt, während er bei Einnahme von Hausmitteln wie diesem und ärztlich verordneten Medikamenten zumeist nur sieben Tage wütet wie jener „böse Schneesturm“, dessen Spuren anderntags der Dichter preist: „Und jetzt? So schau doch nur hinaus: / Die Welt ertrinkt in Wonne. / Ein weißer Teppich liegt jetzt aus. / Es strahlt und lacht die Sonne.“


Etwa 2.500 Dörfer gibt es in der Region Wladimir, von denen nur 200 mehr als 200 Einwohner haben. Um der anhaltenden Landflucht und Vergreisung der Kleinkommunen entgegenzuwirken, hat die Verwaltung des Gouvernements ein Programm entwickelt, das bei einer Konferenz in Moskau als landesweit beispielhaft bezeichnet wurde. Grund genug, einmal die einzelnen Punkte zu betrachten.

Verlassenes Dorf von P. Innokentij

Verlassenes Dorf von P. Innokentij

Das Sterben der Dörfer kann nur aufgehalten werden, wenn möglichst viele Angebote vor Ort gemacht werden, wenn man nicht wegen jeder Angelegenheit in die nächste Stadt oder gar bis Wladimir fahren braucht. Die Region hat ja immerhin die Größe des Bundeslandes Brandenburg. Also fahren regelmäßig Diagnostikzentren auf Rädern in die ländlischen Gebiete, und ab Januar gibt es das System „Tele-EKG“, während bereits seit März ein diagnostisches Beratungszentrum in Wladimir tätig ist, wo schon mehr als 400 EKG-Daten aus verschiedenen Dörfern eingegangen sind. Nicht minder wichtig – die Bildung mit innovativen Ansätzen. 3.000 Schüler auf dem Land sind bereits an ein Fernnetz angeschlossen. Und natürlich darf auch die Kultur nicht zu kurz kommen, weshalb es zum Beispiel seit drei Jahren das Festival „Musikalische Expedition“ gibt, das in Kleinstädten und Siedlungen Station macht, und seit zwei Jahren führt man einen Wettbewerb nach dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden“ durch. Schließlich sind dann aber auch noch die Infrastrukturprojekte von der Straßenbeleuchtung bis hin zur Anbindung an das Gasnetz, die den Bevölkerungsrückgang verlangsamen sollen. Immerhin gelten etwa 300 Dörfer als aufgegeben, und 700 weitere stehen kurz davor, verlassen zu werden, sprich es wohnen dort nicht mehr als zehn Menschen. Gerade einmal knapp 22% der Bevölkerung in der Region Wladimir lebt noch auf dem Land. Ein Bild, das in etwa auch insgesamt für die Russische Föderation gilt. Da tut Abhilfe not, wenn man mit den Menschen nicht auch eine ganze Kultur verlieren will.

 

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