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„Wenn möglich, komme ich jedes Jahr einmal nach Erlangen – und das immer sehr gern“, sagt Andrej Wenkow, der nach fast zwei Wochen am Samstag wieder nach Wladimir fährt. Sein Gastgeber ist Oleg Tschuchlow, der ebenfalls aus der Partnerstadt kommt, aber schon seit zwei Jahrzehnten in Franken lebt und immer wieder Besucher aus Wladimir betreut.

Oleg Tschuchlow und Andrej Wenkow

„Dieses Mal war es ein Freundschaftsbesuch, natürlich auch der Bergkirchweih wegen“, meint der Fuhrunternehmer, „aber das nächste Mal will ich versuchen, hier auch Geschäftspartner zu finden.“ Das könnte übrigens schon im Dezember sein. Dann werden wir ja sehen.


Die Agentur Tour-Stat befragte unlängst russische Touristen, wohin sie am liebsten innerhalb des Landes reisen, um dort die Gastronomie zu genießen. Drei Prozent davon nannten Susdal. Die Stadt am Goldenen Ring belegte damit gemeinsam mit Sotschi den zehnten Platz. Ganz vorne liegt mit 16% der Stimmen Sankt Petersburg, gefolgt von Kasan und Moskau. Gefragt wurde übrigens auch nach den Lieblingszielen für russische Feinschmecker im Ausland. Da favorisierte man Weißrußland vor Georgien, Italien, Armenien und Frankreich. Deutschland folgt unter ferner liefen, obwohl zumindest die Gäste aus Wladimir doch vor allem die fränkischen Wurstwaren und das hiesige Bier schätzen. Das hat sich wohl noch nicht landesweit herumgesprochen. Wie auch immer: Für alle Topfgucker der Hinweis darauf, daß heute in Susdal der Tag der nachhaltigen Gastronomie begangen wird – mit einer Küche aus lokalen Zutaten. Hungers dahinserbeln wird aber auch so in Rothenburgs Partnerstadt niemand, allerdings sind die Preise in den Lokalen durchaus gepfeffert und gesalzen.

Für diejenigen also, die heute Hausmannskost genießen, ein ganz einfaches Rezept, das sich nach jedem Mahl empfiehlt: Ein Café glacé à la russe, der immer gelingt, gleich ob mit Mokka, Kaffee, Muckefuck oder Kakao. Nach russischem Gusto – im Unterschied zur deutschen Variante des Eiskaffees – sollte das Getränk nur wirklich frisch aufgebrüht oder angerührt sein – und noch schön heiß. Wichtig auch, nur wirklich gutes Eis als Einlage zu nehmen. Am besten mit viel Sahne, wie im Plombir. Das erspart die Beigabe von Zucker und Milch sowie Schlagobers.

Und zum Nachtisch noch eine Sentenz von Alexander Puschkin, der meinte: „Der Magen eines gebildeten Menschen hat die besten Eigenschaften eines edlen Herzens: Sensibilität und Dankbarkeit.“ Dem Sinnspruch des russischen Dichterfürsten wollen wir uns als Genießer würdig erweisen.


Nun liegen die konkreten Pläne für die mautpflichtige Autobahn vor, die anstelle der Hochgeschwindigkeitstrasse für die Eisenbahn – möglicherweise mit Hilfe italienischer Investoren – weitgehend parallel zur bestehenden M7 ab 2025 Moskau via Wladimir mit Nischnij Nowgorod und Kasan verbinden soll, wovon der Blog bereits berichtete: https://is.gd/NCwhQg

Die erste Wildbrücke Rußlands in der Region Kaluga

Auf einer Länge von 36 km verläuft die Streckenführung nach Meinung von Umweltschützern durch hochsensible Ökosysteme, die großen Schaden nehmen könnten. Derzeit läuft deshalb eine Unterschriftenaktion, gerichtet an Staatspräsident Wladimir Putin, die zumindest für dieses Teilstück – das gesamte Projekt wird nicht in Frage gestellt – eine alternative Trasse vorschlägt.

Mit dem Fahrrad aufs Land statt mit dem Auto!

Am westlichen Stadtrand von Wladimir beabsichtigt ein Bauträger die Errichtung eines neuen Wohnviertels am Rand eines Naherholungsgebiets. Dem breiten Widerstand bis hin zu einem Protestkonzert schloß sich nun sogar Gouverneur Wladimir Sipjagin an, der sich für den Erhalt der grünen Zone aussprach.

Reinigung eines Teiches in Wladimir bei einem Subbotnik

In der Region Wladimir – vor allem an der Grenze zum Gouvernement Moskau – laufen die Menschen Sturm gegen den aus der Hauptstadt importierten Müll. Die Zufahrten zu Flächen, die im Wald für Deponien vorgesehen sind, werden blockiert, gleichzeitig fordert die Bevölkerung überall, illegale Halden zu schließen beziehungsweise zu entfernen und zu rekultivieren. Sogar die Staatsanwaltschaft nimmt sich des Themas verstärkt an.

Und auch die Kommunalpolitik steuern allmählich um. Gerade eben richtete man die drei ersten Annahmestellen für quecksilberhaltiges Material in der Region Wladimir ein. Und in der Partnerstadt läuft ein Pilotprojekt an, das die Abholung von Sperrmüll organisiert. Landesweit schließlich gibt es Aufrufe, den Müll zu trennen. Hier, unter diesem Link, gut zu sehen, auch wenn man kein Russisch kann: http://просторазделяй.рф – Auffallend allerdings die Ablehnung der Müllverbrennung als umweltschädlich, während sie ja in Deutschland seit Jahrzehnten mit großer Akzeptanz praktiziert wird. Wie man in Rußland tatsächlich ohne die thermische Behandlung der Abfallberge Herr werden will, muß sich noch zeigen.


Dieser Tage kommt Natalia Wan mit ihrem zwölfjährigen Sohn Alexander nach Erlangen. Zu einer Verwandten auf Besuch, die sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, da sie mit ihrer Familie in Kasachstan lebt. Die Verbindung liegt drei Generationen zurück, als zwei Schwestern sich trennten. Die eine zog in den Hungerjahren der frühen Sowjetunion nach Kasachstan, die andere ließ sich in Wladimir nieder. Da ist es doch vielleicht einmal zu hören interessant, was sich die eine Enkelin sich  so von ihrem ersten Besuch in Deutschland erwartet, wo ihre Verwandte nun auch schon über ein Jahrzehnt lebt. 

Natalia Wan

Welche Vorstellungen habt ihr von Deutschland, was ist Deutschland für Euch?

Etwas ganz Neues, das wir noch nie sahen, eine ganz andere Kultur, wir sind ja in Asien zu Hause. Jetzt würden wir gern alles sehen: Wie die Menschen leben, denken.

Alexander, warum willst Du mitkommen?

Ich will sehen, wie sich Deutschland von Kasachstan unterscheidet.

Wo warst Du schon?

In Georgien. Da hat es mir gefallen. Es gab keine so großen Unterschiede. Über Deutschland habe ich schon einige Sendungen gesehen, die mir sehr gefallen haben. Besonders die Parks, wo man Fahrrad fahren kann. Die Würstchen würde ich gern probieren und überhaupt die Küche.

Ist Deutschland für Euch vor allem Geschichte, oder Autos, oder Landschaft?

Mehr etwas Technologisches, höher entwickelt, aber wir wissen auch, daß es nicht nur hochtechnologische Städte gibt, sondern viel Natur. Da gibt es vielleicht sogar mehr schöne Orte als bei uns in Kasachstan.

Ihr sprecht ja nicht Deutsch, wie meint Ihr, daß man sich Euch gegenüber verhält.

Ich denke, das ist ein gastfreundliches Land. Ich glaube nicht, daß man uns gegenüber feindselig eingestellt sein wird. Ich denke, bei Euch weiß man über Kasachstan sehr wenig. Eine Kollegin war schon einmal dort und bekam lauter Fragen gestellt, etwa zur Größe des Landes. Kasachstan ist ja fünf Mal größer als Frankreich, aber das ist kaum bekannt. Über Flüchtlinge hört man viel, aber das ist nicht mehr das große Thema. Wir machen uns deswegen jedenfalls keine Sorgen. Da gibt es bestimmt mehr Kriminalität bei uns in manchen Stadtvierteln.

Und die Küche?

Natürlich wissen wir von dem guten Bier. Wir haben in Alma-Aty ein Restaurant „München“. Wir freuen uns auf die Würstchen, den Strudel, die Haxen…

Habt Ihr ein wenig Angst vor der Reise?

Nein, überhaupt nicht, selbst wenn es enttäuschend werden sollte. Wir sind ganz offen, haben keine Vorurteile, wollen einfach sehen, was da so kommt.

30 Jahre sind seit unserem letzten Treffen vergangen. Wir kamen damals aus Wladimir zu Euch auf Besuch. Jetzt erwarten wir Euch.

Ich wollte ja schon damals einmal nach Westeuropa, träumte immer von Spanien, aber das trat dann in den Hintergrund. Dennoch blieb Deutschland immer auf meinem Wunschzettel. Wir haben uns so lange nicht gesehen. Jetzt möchte ich Dich wiedersehen und natürlich das Land, in dem Du lebst. Bis bald.

Wie ist das mit dem Fahrrad? Könnt Ihr Euch vorstellen, hier zu radeln?

Alexander: Das würde ich sehr gern machen. Ich mag den Gestank von Autos nicht. Mama: Ich will gern fahren, ich kann es, wenn das schneller und billiger ist, gerne. Nur bitte nicht bergauf, es sollte eben sein.

Alexander, kennst Du Deutsche aus Geschichte oder Gegenwart?

Friedrich Nietzsche kenne ich, von dem stammt der Satz, was uns nicht umbringt, macht uns stärker; E.T.A. Hofmann, da war noch jemand, aber den habe ich jetzt vergessen. Fußballer interessieren mich nicht so. An Firmen kenne ich BMW, Mercedes, Golf, Puma, Adidas, die beiden Brüder, die früher zusammenarbeiteten, sich dann aber trennten.

Aber sie wissen nicht, daß Herzogenaurach gleich bei Erlangen liegt.

Und die Oma, was meint die zu Eurer Reise?

Sie freut sich riesig, daß wir fahren und uns wiedersehen. Sie ist zufrieden, daß die Familienbande wieder hergestellt sind.

Das Interview wurde via Skype geführt.

Rus ausgezeichnet


Das Tanz- und Folklore-Ensemble Rus schloß dieser Tage in Wladimir die Saison mit einem begeisternden Auftritt ab, gekrönt von einer Auszeichnung durch Gouverneur Wladimir Sipjagin. Die Truppe unter Leitung von Nikolaj Litwinow hat ein neues Programm einstudiert, das man hoffentlich auch bald in Erlangen zu sehen bekommt. Bis dahin müssen diese Bilder der Gruppe genügen, die 1987 ihren ersten Auftritt in der Stadthalle hatte und seither die Partnerschaft begleitet und bereichert wie kein anderes Ensemble.

Mordmotiv Katze


Dieser Fall hat das Zeug, in die Kriminalliteratur Eingang zu finden: Katzen als Mordmotiv. Die Belletristik ist reich an Beispielen für die unberechenbaren Schmusetiere wie Kater Murr von E.T.A. Hoffmann, der riesenhafte Begemoth von Michail Bulgakow oder der Schwarze Kater von Edgar Allan Poe, um nur drei der bekanntesten felinen Figuren zu nennen. Nun aber gleich zu dem ungeheuerlichen Kasus, der sich im Landkreis Alexandrow der Region Wladimir am 11. Juni auf tragische Weise zutrug.
Die Polizei wurde auf das Gelände eines Heimgartenvereins gerufen, wo sie eine 65jährige Frau mit tödlichen Hieb- und Schußwunden auffand. Als dringend der Tat verdächtig wurde der 37jährige, aus Moskau stammende Vorsitzende der Datschengemeinschaft festgenommen, der freilich zunächst alles abstritt. Doch die Indizien überführten den Mann so überzeugend, daß er bald gestand und auch das Motiv angab, von dem sich die Sprecherin der Staatsanwaltschaft „gelinge gesagt geschockt“ zeigte: Der Tatverdächtige sei nach der Scheidung zunächst auf seine Datscha gezogen – mit einer Katze, die bald darauf verschwand und später in erbärmlichem Zustand in der Nähe seines Gartengrundstücks aufgefunden wurde. Darauf habe er sich ein neues Kätzchen zugelegt, das ebenfalls verschwunden sei, und auch das mittlerweile dritte Tier sei seit dem 10. Juni abgängig. Schuld daran waren nach Auffassung des mutmaßlichen Mörders die Nachbarn. Er habe deshalb nach Verschwinden des dritten Kätzchens zur Luftdruckpistole gegriffen und, gut versteckt, gewartet, wer als erster aus der Nachbardatscha treten werde. Es traf besagte Rentnerin, die alleine war. Der Rächer seiner Katzen stürzte sich auf die Frau, schlug sie und schoß. Doch damit nicht genug: Er stürmte in das Haus des Opfers, wo er eine Schaufel fand, mit der er erneut zuschlug. Nun wird erst einmal ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Da wird sich hoffentlich klären, wie Katzenliebe eine solch irrsinnige Tat motivieren kann. Und sicher liegt hier ein Fall für die forensische Literatur vor. Einem Krimi-Autor würde man ja einen solchen Plot kaum abnehmen.

Es ist heiß derzeit in Wladimir, hochsommerlich. Da liegt es nahe, Abkühlung zu suchen, im und am Wasser. Am besten mit eigenen vier Wänden. Und die sind rund um die Partnerstadt ausgesprochen günstig zu haben, wie jetzt eine Auflistung des Internetportals Awito zeigt. Landesweit stieg die Nachfrage nach einem Haus am See oder Fluß im Zeitraum vom Mai 2018 bis Mai 2019 um satte 38%. Und in der Region Wladimir kann man sich diesen Traum noch einigermaßen leisten. Nur im Altai und im Gouvernement Kemerowo kann man sich seinen Traum für noch weniger Rubel erfüllen. Mit knapp drei Millionen Rubel ist man im Schnitt dabei. Zum Vergleich: Landesweit kostet der Spaß durchschnittlich gute fünf Millionen Rubel, im Umland von Moskau mindestens acht Millionen Rubel.

Wer sich das nicht leisten kann oder will, greife – wieder einmal – zu dem Roman „Das Haus an der Moskwa“ von Jurij Trifonow, der vor dem Hintergrund des Stalin-Terrors zeitlos gültige Menschheitsthemen wie Freundschaft und Verrat verhandelt. Ein Stück Weltliteratur, 1976 erschienen, gut abgehangen also im Rauchfang der Zeit.

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