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Mit ‘Viehzucht Wladimir’ getaggte Artikel


In der Ausgabe Nr. 4 der Wochenzeitung “Die Zeit” war ein Artikel über die bedrohte Vielfalt der Haustierrassen zu lesen.  54 der 65 zur Zucht zugelassenen Huftierrassen gelten demnach in deutschen Landen als gefährdet. Die Gründe liegen auf der Hand bzw. in der Hand der Verbraucher, die immer mehr für immer weniger Geld wollen, was dazu führt, daß wir alle am Ende viel weniger haben, weniger Artenvielfalt, weniger Auswahl, weniger Leben. Nur noch billige Masse anstatt Klasse und Rasse.

Rotbuckelrind

In Rußland ist diese Entwicklung leider auch nicht ermutigender. Es ist zwar offenbar gelungen, den Wladimirer Kaltblüter vor dem Verschwinden zu retten, doch eine Rindviehrasse steht kurz vor ihrer Auslöschung. Die widerstandsfähigen Rotbuckelrinder, Anfang des 20. Jahrhunderts in der Region Nischnij Nowgorod, erstmals gezüchtet und in ganz Zentralrußland weit verbreitet, werden heute nur noch in zwei Ställen in der Region Wladimir gehalten. Entstanden ist die Rasse durch eine Züchtung aus den örtlichen Braunen von der Oka mit eingeführten Tiroler Kühen. Etwa 1.100 gehörnte Köpfe zählen die beiden Herden. Noch. Denn die Ställe sind baufällig, und das Geld für ein neues Dach fehlt. Dabei wird die Milch, von der jede Kuh aber nur zehn Liter am Tag gibt, wegen ihres hohen Fettgehalts und süßen Geschmacks geschätzt. Besonders von Feinschmeckern in Moskau. Wenn nicht bald etwas geschieht, werden die sich dann sicher auch das Fleisch der Rotbuckligen munden lassen. Solange es sie noch gibt.

Tula-Gans

Anderes Vieh, Federvieh, gleiches Thema. In Deutschland schätzt man besonders zur Winterzeit wohlfeile Gänse aus den Mastbetrieben Polens oder Ungarns. Kaum bekannt aber ist hierzulande, daß es in der historischen Museumsstadt Susdal, gute 30 km von Wladimir entfernt, das einzige landwirtschaftliche Institut gibt, wo alle russischen Gänserassen gezogen werden. 21 gibt es davon – noch. Etwa die Tula-Gans, die älteste russische Rasse, oder die Kuban-Gans oder die Wladimirer Lehm-Gans, die mit nur noch drei Exemplaren kurz vor dem Aussterben stand. Doch auch hier droht Gefahr: Das Institut mit seinen Freilaufflächen wird von Häuslebauern in die Zange genommen, erhält zu wenig Mittel vom Staat, während die Hälfte der Gänserassen aus eigener Kraft nicht mehr überleben würde.

Im Institut erzählt man die Geschichte von einem jungen Gänserich, der sich in eine alte Gans verliebt habe, eine alte, bereits erblindete. Er richtete ihr die Federn, rieb den Kopf an ihrem Hals, führte sie zum Wasser und zum Trog – bis sie an Altersschwäche starb. Ob der Ganter sich später neu verliebte, ist nicht überliefert, aber eine Lektion in rührender Würde hat er all jenen erteilt, die in Tieren nur (Re-)Produktionseinheiten zur Profitmaximierung sehen.

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