Die Familiengeschichte von Alexandra Rauhtäschlein hat etwas von einem großen Roman an sich, fulminant eröffnet mit dem Entschluß des Ururgroßvaters, der von Italien kommend den Weg nach Bamberg fand, wo er Verwalter der Schloßgüter wurde, bis es ihn weiterzog, den Ludwig-Donau-Main-Kanal hinunter und einem Taschentuch folgend, das er mit der Absicht dem Wind überantwortete, sich dort niederzulassen, wo es landen würde. Die Saga will es, daß sein Paneto da Naso in Pretzfeld landete, wo der Giardiniere jene Streuobstwiesen anlegte, von denen heute die guten Säfte der Fränkischen Schweiz stammen. Sein Sohn grub einen Keller in den Hang, wo man das Kirschenfest feiert, und begründete die Familientradition des Bierbrauens, von Alexandra Rauhtäschleins Eltern erst vor wenigen Jahren aufgegeben. Wer mehr erfahren möchte, suche und finde den Keller in der warmen Jahreszeit und genieße den Blick auf das schmucke Tor zur Fränkischen Schweiz.
Alexandra Rauhtäschlein hat schon während ihrer Ausbildung die ganze Schule des Lebens im Erlanger Rathaus durchlaufen. Da kommen einem Qualitäten zupaß, wie sie Triathleten entwickeln. Auch wenn sie heute keinen Ausdauersport mehr betreibt, hat sie noch immer einen langen Atem, kommt nicht aus dem Tritt und legt so manchen Zwischensprint ein. Dabei kann es schon einmal vorkommen, daß sie mit dem ebenfalls stets hurtigen Schritts die Räume durcheilenden Wirtschaftsreferenten und späteren Oberbürgermeister zusammenprallt oder beherzt ihrem cholerischen Interims-Chef die Akten zu einer Besprechung nachträgt und mit einer Referenz von der “blöden Auszubildenden” auf den Tisch knallt, die er auf dem eigenen Schreibtisch unter der Zeitung nicht hatte finden können und wofür er die “blöde Auszubildende” verantwortlich machte. Immerhin hatte er die Größe sich anderntags mit einer großen Packung Merci für den Ausfall zu entschuldigen. Einen anderen Vorgesetzten hat das stillvergnügte Energiebündel sogar einmal zu Fall gebracht und für Tage außer Gefecht gesetzt, weil der sich hinter der Tür nicht rechtzeitig in Sicherheit hatte bringen können.
Aber das war alles in ihrer Sturm- und Drangzeit. Seit 1997 ist Alexandra Rauhtäschlein in der VHS das sprichwörtliche Mädchen für alles. Besonders für Reinhard Beer, den stellvertretenden Direktor und Leiter der Sprachenabteilung. Heute ist sie selbst schon seit elf Jahren Ausbilderin und macht alles, was ihr Chef sie machen läßt. Und das ist fürwahr viel: Kundenbüro, Beratung, Raumvergabe, Teilnehmer- und Dozentenbetreuung, Systemverwaltung, Werbung und und und – Vorbereitung sowie Durchführung von Sonderveranstaltungen wie der so erfolgreichen Deutsch-Russischen Wochen. Sogar den Rollentausch beherrscht sie spielend. Als sie einmal Reinhard Beer bei einer Englisch-Prüfung assistierte, meinte sie selbstbewußt, den Test würde sie auch bestehen. Ihr Chef nahm sie beim Wort, drückte ihr einen Prüfungsbogen in die Hand, und sie – gesagt getan – bestand.
Bestand hat denn auch das Tandem Reinhard Beer – Alexandra Rauhtäschlein. Manchmal sehen sich die beiden schon wie ein altes Ehepaar, wo die Verständigung mit ein paar einfachen Gesten funktioniert, die Mißverständnisse ausschließen. Nur so erklären sich die Erfolge gerade der Erlanger Sprachenabteilung mit 440 Kursen und 4.400 Hörern in 24 Zungen pro Halbjahr - gegen den landesweiten Trend. Während in ganz Bayern an den 217 Volkshochschulen, um nur ein Beispiel zu nennen, die Zahl der Teilnehmer an Englischkursen von 103.000 abgerutscht ist auf 87.000, hält man in der Hugenottenstadt die Stellung. In manchen Bereichen baut man sie sogar aus. Im Russischen besonders. Da ist Erlangen unschlagbar. Nur zwei Prüfungszentren gibt es im Freistaat, eines in Freising, das andere hat Reinhard Beer gegründet. Doch nur hier werden bisher tatsächlich Prüfungen abgenommen. Just heute wieder für eine Fünfergruppe in der telc-Stufe B 1, nach dem erfolgreichen Vorlauf mit A 1 im Vorjahr.
Es gehört zu den Binsenwahrheiten der Partnerschaft: Die Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir wäre nicht, was sie ist, gäbe es die VHS nicht. Ob anhand der frühen Bürgerreisen oder der Arbeitskreise des vor zwölf Jahren in den Ruhestand verabschiedeten Klaus Wrobel, ob anhand der Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen, und des Freundeskreises im Club International, eingerichtet von seiner Nachfolgerin, Christine Flemming, oder eben anhand der Sprachkurse und Deutsch-Russischen Wochen in der Zuständigkeit von Reinhard Beer und Alexandra Rauhtäschlein läßt sich der Pegelstand der Partnerschaft ablesen. Und der ist hoch: Die fünf Russisch-Kurse sind die am stärksten nachgefragten unter den sogenannten “selten unterrichteten” Sprachen. So etwas kann nur in einem förderlichen Umfeld gelingen: Am 13. Januar fand der Russische Abend statt, für den 10. März ist ein kulinarischer Russischkurs geplant, am 20. April lädt der Club International ganz im Geiste von “docere et delectare” zu der heiteren Lehrstunde “Ach, diese Russen!” ein, und für den 16. Juni stehen schon wieder telc-Prüfungen für das Niveau A 2 an. Dazwischen schiebt sich am 17. März noch ein Treffen der ca. 20 VHS-Prüfungszentren in Erlangen, wo die Franken sich mit ihrem Russisch-Schwerpunkt präsentieren wollen.
Wenn Alexandra Rauhtäschlein ein Energiebündel ist, das sich nicht zu schade ist, den Eltern beim Holzhacken zu helfen, darf man Reinhard Beer als Kraftwerk bezeichnen, immer mit voller Auslastung. Prüfungsbeauftragter für Nordbayern ist der studierte Erwachsenenpädagoge mit Praxiserfahrung als Dozent für Französisch und Spanisch. Daneben fungiert er als Schlichter in Streitfällen, als Lehrbuchautor und Integrationsbeauftragter des Kulturamtes Erlangen. Letztere Funktion liegt dem Hessen besonders am Herzen, denn in den letzten Jahren waren es vor allem die Deutsch-Prüfungen für Einbürgerungen oder Studienzulassungen, die fern allen theoretischen Konzepten dafür sorgen, daß Zuwanderer hierzulande Fuß fassen können. Eine Zusatzaufgabe, von der VHS gemeistert ohne zusätzliche Kräfte.
Und schließlich: Ohne Reinhard Beer, der früher einmal Konzerte für deutsche Rockbands organisiert hat und noch heute Kraft bei gepflegtem Krautrock zu tanken versteht, ohne seinen heißen Draht zum Goethe-Institut gäbe es am Sprachlernzentrum Erlangen-Haus die Deutsch-Kurse nicht in ihrer jetzigen konkurrenzlosen Qualität. Nur eines muß er noch nachholen: Während er die Partnerstadt dank einem halben Dutzend Besuche bestens kennt, war Alexandra Rauhtäschlein noch nie in Wladimir. Das kann und sollte sich 2013 ändern, wenn an der Kljasma das dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum gefeiert wird. Unbedingt mit einem Rückblick auf den einzigartigen und ungebrochenen Beitrag der VHS zum Gelingen der Städtefreundschaft.
Mehr unter: www.vhs-sprachpruefung.de oder im Blog unter: http://is.gd/p3XFF1





