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“Die Maifeiertage liegen hinter uns”, schreibt Olga Dejewa, die Geschäftsführerin des Roten Kreuzes Wladimir, und fährt fort: “Die Arbeit hat uns wieder.”

Angetreten zum Wettkampf der Ersten Hilfe. Im Vordergrund Olga Dejewa.

Angetreten zum Wettkampf der Ersten Hilfe. Im Vordergrund Olga Dejewa.

Und diese Arbeit trägt Früchte, vor allem bei der Jugend. Der Ortsverband des Russischen Roten Kreuzes in der Partnerstadt hat nämlich dieser Tage ein großes Treffen für Schüler veranstaltet, bei denen die jungen Leute, beobachtet von den Medien, in Wettkämpfen zeigen sollten, was sie dank dem Programm “Das sollte jeder wissen” so alles gelernt haben: Wiederbelebung, Erstversorgung sowie Transport von Unfallopfern und Verletzten.

Erstversorgung im Wettkampf

Erstversorgung im Wettkampf

Alle vier Schulen, an denen das Rote Kreuz seine Kurse anbietet, nahmen an der Veranstaltung teil, und so kamen - mit den Zuschauern - am Ende mehr als einhundert Schüler zusammen. Gefördert wurde das Treffen übrigens von der Stadtverwaltung Wladimir, als deren Vertreter Roman Wlassow, einer der stellvertretenden Bürgermeister, sprach. Aber auch die Schulverwaltung, das Katastrophenschutzamt und der Klub “Retter” waren mit von der Partie. Und natürlich gab es Preise für die besten Notfallhelfer: Pokale und Medaillen sowie ein Rot-Kreuz-Hemd für jeden.

Wiederbelebung unter Beobachtung

Wiederbelebung unter Beobachtung

Parallel dazu ist auch das Projekt “Hospiz – Haus der Hoffnung” an den Start gegangen, das unterstützt wird von der Privatklinik “Nadeschda – Hoffnung”, wo die Ärztin Wera Guskowa arbeitet, früher Sozialbürgermeisterin Wladimirs und nach wie vor Vorstandsmitglied des Roten Kreuzes. Bei so viel Hoffnung kann die Sache ja nur gutgehen!

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Nun ist es auch amtlich und schriftlich bestätigt mit einer Urkunde: Der Ortsverband Wladimir des Russischen Roten Kreuzes hat die Ausschreibung um Sozialprojekte für das Jahr 2013 gewonnen. Die beiden Programme “Häusliche Pflege, Hospiz” und “Das sollte jeder wissen, Erste Hilfe” werden mit 60.000 Rbl. bzw. 10.000 Rbl. aus Mitteln der Stadt Wladimir unterstützt. Die umgerechnet 1.750 Euro werden dieser Tage angewiesen.

Olga Dejewa bei der Überreichung der Urkunde durch Sergej Sacharow und Andrej Schochin.

Olga Dejewa bei der Überreichung der Urkunde durch Stadtoberhaupt Sergej Sacharow und City-Manager Andrej Schochin.

Olga Dejewa, die Geschäftsführerin des Roten Kreuzes Wladimir, dazu:

Ich freue mich riesig über diese Anerkennung. Es ist zwar nicht so wahnsinnig viel Geld, wir könnten mehr brauchen, aber alleine die öffentliche Anerkennung unserer Arbeit zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg. Und wir stehen ja noch ganz am Anfang. Wir haben schon wieder alle Hände voll zu tun und arbeiten eng mit einem Krankenhaus zusammen, das uns Angaben macht zu Krebspatienten, die häuslicher Pflege bedürfen. Darüber hinaus haben wir einen Kooperationsvertrag mit einer Privatklinik abgeschlossen, an der Wera Guskowa, Mitglied des Vorstands des Roten Kreuzes Wladimir und vormals Bürgermeisterin für Soziales, die Geschäfte führt.

Grund zur Freude auch für die Mitglieder des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir hierzulande, die gut daran getan haben, einen langen Atem zu beweisen. Grund zur Freude und zum Dank!

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Für gute Nachrichten ist es nie zu spät. Und, wie unlängst auch von der Wissenschaft bewiesen, sie verbreiten sich schneller im Netz als schlechte. So sei denn eine Geschichte nachgeliefert, die sich bereits zum Jahreswechsel zutrug. Da nämlich haben Freiwillige der Wladimirer Krankenhilfeschule gemeinsam mit Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes im Rahmen des Programms “Licht des Guten” eine Aktion unter der Bezeichung “Tue Gutes” durchgeführt.

Olga Dejewa, stehend, leitet die Aktion.

Olga Dejewa, stehend, leitet die Aktion.

Zu Neujahr verteilten die jungen Helfer kleine Geschenke an Gehbehinderte von der Selbsthilfegruppe “Nadeschda – Hoffnung”. Doch dabei blieb es nicht. Die guten Geister übernahmen gleich auch noch Hausarbeiten, putzten und fegten die Wohnungen, fühlten den Puls, maßen Blutdruck und Blutzucker, Temperatur. Auch Druckstellen behandelten die angehenden Krankenschwestern und legten neue Verbände.

Freiwillige beim Hausbesuch.

Freiwillige beim Hausbesuch.

“Danach”, berichtet Olga Dejewa, Geschäftsführerin des Roten Kreuzes Wladimir und Initiatorin der Aktion, “haben sich alle besser gefühlt, die Rollstuhlfahrer wie unser ehrenamtliches Team. Wer andern hilft, tut auch sich selbst etwas Gutes!” Da kann man sich und anderen nur mehr Feste und Anlässe dieser Art wünschen. Auch im Alltag.

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Oberbürgermeister Sergej Sacharow ist gerade erst aus Palästina zurückgekehrt, wo er die 20. Städtepartnerschaft Wladimirs abgeschlossen hat: mit Bethlehem. Und am Abend bricht er nach Berlin auf, um an einer Konferenz zum Thema “Kommunalpolitik und Wirtschaft” teilzunehmen. Ein Mann zwischen den Kulturen und den Welten, vor allem aber ein Freund seiner Partner, besonders wenn sie aus Erlangen kommen, ein Freund, der sich viel Zeit für das Gespräch nimmt und für das Zuhören.

Jelena Owtschinnikowa und Sergej Sacharow.

Jelena Owtschinnikowa und Sergej Sacharow.

Es gibt freilich auch viel zu besprechen mit den Gästen. Natürlich das aktuelle Arbeitsprogramm, daneben aber auch die Pläne für das dreißigjährige Jubiläum der Partnerschaft. Ganze 33 Punkte sind auf der Agenda abzuarbeiten. Manche davon kann man gleich wieder streichen, doch weniger werden es deswegen nicht, weil immer wieder neue Ideen und Vorschläge kommen. Es ist eben noch alles im Werden und Entstehen. Aber das Gerüst steht, nun kann die Arbeit an den Feinheiten beginnen.

Großer Empfang im Rathaus.

Großer Empfang im Rathaus.

Kultur, Sport, Wirtschaft, Wissenschaft sind nur einige der Themen, die während des Jubiläums ihren Platz im Programm finden werden. Schwerpunkt aber soll die Jugend werden, die wesentlich auch selbst das Programm gestaltet. Es genüge hier, die Akteure aus Erlangen zu nennen: Stadtjugendring, Jugendparlament, Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums, Flötenensemble der Sing- und Musikschule, zwei Rockbands. Und auch an die Kinder ist gedacht, die sich auf eine Aufführung von Petterson und Findus des Theaters Kuckucksheim aus Heppstadt freuen dürfen.

Wladimirer Küche.

Wladimirer Küche.

Immer wieder bekommt man in Wladimir die Frage gestellt, was sich denn so aus der Sicht der Besucher verändert habe. Da darf man getrost die Gastronomie nennen: Feinschmecker finden hier Raffinesse, Liebhaber von russischer Hausmannskost können sich auf eine deftige Küche verlassen, und kulinarisch sind längst alle Länder dieser Welt in der Partnerstadt daheim. Am schönsten weiß Alexander Bersenjew, Chefpsychiater der Region Wladimir, zusammenzufassen, was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat: die Eleganz der Franzosen vereint mit dem Geschmack der Russen.

Alexander Bersenjew und Eliisabeth Preuß.

Alexander Bersenjew und Eliisabeth Preuß.

Alexander Bersenjew braucht man hier nicht mehr eigens vorzustellen. In Erlangen kennt man ihn seit 1998 als sympathischen Streiter für die Sache der Psychiatrie, die in der Sowjetunion und in den ersten Jahren des Bestehens der Russischen Föderation so sehr im dunklen Schatten der übrigen Medizin stand. Mit Hilfe von vielen Freunden aus Erlangen ist es aber nun nicht nur gelungen, die akute Therapie wesentlich zu verbessern, vor allem wurde es möglich, seine Anregung umzusetzen, den Blauen Himmel, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, aufzubauen, eine Einrichtung, die mittlerweile landesweit Beachtung findet. Mitgebracht hat Elisabeth Preuß dem Chefarzt und Professor ein Sprungtuch für die Kinder aus der Psychiatrie, ein Geschenk, das er sich selbst zum Geburtstag gewünscht hatte, für sich, damit er “seinen” Kindern bei der Bewegungstherapie eine Freude machen kann. Das spricht für sich und für ihn!

Leonhard Hirl und Alexander Bersenjew.

Leonhard Hirl und Alexander Bersenjew.

Leonhard Hirl hat für die Zusammenarbeit mit der Psychiatrie in Wladimir unschätzbar viel geleistet. In seiner WAB (Wohnen Arbeit Betreuen) haben Dutzende von Fachkräften aus Wladimir Praktika und Hospitationen absolviert, und erst im November war ja Alexander Bersenjew gemeinsam mit Wladimir Besrukow, dem Gesundheitsminister der Region, bei dem Kollegen zu Gast. Nun soll es bald weitergehen. Das Jahr ist ja noch jung, viel Zeit also, um weitere Austauschmaßnahmen zu planen und umzusetzen.

Nadja Steger, Wladimir Besrukow, Elisabeth Preuß, Alexander Bersenjew, Andrej Sirin, Swetlana Makarowa, Ludmila Kondratenko,, Stephan Beck, Thomas Grützner, Leonhard Hirl, Peter Steger.

Nadja Steger, Wladimir Besrukow, Elisabeth Preuß, Alexander Bersenjew, Andrej Sirin, Swetlana Makarowa, Ludmila Kondratenko,, Stephan Beck, Thomas Grützner, Leonhard Hirl, Peter Steger.

Alexander Bersenjew kennen seine Freunde aber auch als Meister der Gastlichkeit. Besonders gerne wartet er dabei mit einer Überraschung auf. Außer ihm wußte denn auch niemand davon, wer da noch alles zum Essen eingeladen war: Mediziner, die sich natürlich alle gut kennen, die aber auch die enge Zusammenarbeit mit Erlangen vereint. Swetlana Makarowa als Chefärztin der Kinderklinik, die übrigens auch wieder Spenden aus Erlangen für ihre Krebsstation in Höhe von mehr als 1.700 Euro entgegennehmen darf; Andrej Sirin, der Chefonkologe der Region, früher einmal auch Leiter des Wladimirer Gesundheitsamtes; Wladimir Besrukow, seines Zeichens Psychologe und Herr über die Medizin des ganzen Gouvernements. Seit mehr als 20 Jahren hat die Zusammenarbeit der Ärzte in der Partnerschaft eine besondere Stellung, und die Gastgeber werden denn auch nicht müde, für die viele Unterstützung aus Erlangen zu danken, vor allem in den schweren 90er Jahren.

Irina Sokolowa und Wera Guskowa.

Irina Sokolowa und Wera Guskowa.

Ebensolange währt auch die Kooperation mit dem Roten Kreuz in Wladimir. Fast von Beginn an mit dabei Projektkoordinatorin Irina Sokolowa und Wera Guskowa vom Vorstand des Ortsverbands, die über Jahre hinweg als Fachbürgermeisterin für Soziales und Gesundheit, aber auch als Ärztin mit charmanter Durchsetzungskraft viel getan hat für die Hilfsorganisation. Sie wird sich besonders darüber freuen, welch erfolgreichen Weg das Rote Kreuz nun in Wladimir eingeschlagen hat.

Vorstandssitzung des Roten Kreuzes Wladimir mit Pjtor Panasenko.

Vorstandssitzung des Roten Kreuzes Wladimir mit Pjotr Panasenko.

Zusammen mit vielen Partnern vor Ort: der Schwesternschule, der Jugendorganisation “Retter” mit Pjotr Panasenko als treibender Kraft, aber auch nach wie vor der Stadtverwaltung, die der außerordentlichen Vorstandssitzung des Roten Kreuzes die Türen des Rathauses weit öffnet und den Konferenzraum für die Veranstaltung zur Verfügung stellt. Sichtbare Zeichen der Wertschätzung.

Medien bei der Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Medien bei der Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Auch seitens der Medien, die seit dem Wiederaufbau des Roten Kreuzes vor fast zwei Jahren keine Gelegenheit verstreichen lassen, um über die Fortschritte in der Arbeit und die einzelnen Projekte ausführlich zu berichten.

Elisabeth Preuß und Peter Steger, Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Elisabeth Preuß und Peter Steger, Vorstandssitzung Rotes Kreuz Wladimir.

Wertgeschätzt werden natürlich besonders die Gäste aus Erlangen, für die Elisabeth Preuß und Peter Steger bei der Veranstaltung sprechen dürfen. Und die das gerne tun, wenn man all die jungen Gesichter sieht von ehrenamtlichen Kräften, die davon berichten, wie lieb sie bei der häuslichen Pflege ihre Schutzbefohlenen gewonnen haben, wie sehr ihnen die Arbeit eine Sache des Herzens geworden sei; wenn man von der Leitung der Schwersternschule hört, für wie wichtig man es erachte, den Nachwuchs nicht nur als Fachkräfte zu entlassen, sondern vor allem als Menschen, die eine soziale Verantwortung wahrnehmen können; wenn der Wunsch ausgesprochen wird, einen Jugendaustausch im Bereich Wohltätigkeit ins Leben zu rufen; wenn in allen Gesprächen der Aufbruch zu spüren ist.

Winter in Wladimir.

Winter in Wladimir.

Zeit bleibt da kaum, um auch einmal abseits der Sehenswürdigkeiten das winterliche Wladimir zu erkunden, aber es ist ja auch ein Arbeitsbesuch. Mit immer neuen Ausblicken.

Wiktoria Borowych und Elisabeth Preuß.

Wiktoria Borowych und Elisabeth Preuß.

Elisabeth Preuß hat im Blog http://is.gd/ptUqNt von Wiktoria Borowych gelesen und sich sofort gesagt: “Die Frau will ich kennenlernen!” Sie sollte es nicht bereuen. Auf Anhieb waren sich die beiden sympathisch und einig darin, daß man gar nicht rasch genug mit der Zusammenarbeit beginnen kann. Seit einem Jahr ist Wiktoria Borowych Vorsitzende des Vereins Sozialdemokratischer Frauen mit schon etwa 200 Mitgliedern allein in Wladimir. Auch wenn der Name nach Partei klingt, handelt es sich dabei um eine gemeinnützige Organisation, die landesweit für die Gleichstellung der Geschlechter eintritt und für Familien kämpft. Ein besonderes Anliegen ist der 31jährigen das Schicksal von krebskranken Kindern und deren Familien. Ein Kinderhospiz einzurichten, ist ihr Ziel, und erste Gespräche mit Krankenhäusern führt sie dazu schon. Ein weiteres Thema ist die Betreuung von werdenden Müttern – gleich welchen Alters -, um sie dazu zu ermutigen, ihr Kind zur Welt zu bringen. Und dann ist da noch dieser, wie Elisabeth Preuß weiß, auch in Deutschland gefährdete Teil der Bevölkerung, der zwar zum Mittelstand gehört, aber mit seinem Einkommen knapp über den Fördergrenzen liegt und stets befürchten muß, in die Sozialsysteme abrutschen zu können. Genug Themen, um sie möglichst bald in Erlangen zu vertiefen, und Wiktoria Borowych zögert denn auch nicht lange, die Einladung der Bürgermeisterin in die Partnerstadt anzunehmen.

Elisabeth Preuß und Jekaterina Alexejenko.

Elisabeth Preuß und Jekaterina Alexejenko.

Man kann richtig neidisch werden, wenn man die Medienvielfalt in Wladimir erlebt – und das Interesse von Presse, Rundfunk und Fernsehen an der Partnerschaft. Eine ganze Handvoll von Sendern, darunter auch eine staatliche lokale Anstalt, nicht weniger Rundfunkstationen und ein knappes Dutzend von Zeitungen und Illustrierten berichten über alles, was so passiert. Und laden immer gerne Gäste aus Erlangen zum Interview ein. Eine ganze dreiviertel Stunde widmet der Privatsender Variant Geschichte und Gegenwart der Partnerschaft und gibt Elisabeth Preuß und Peter Steger reichlich Gelegenheit von den engen Beziehungen zu erzählen. Besonders schön dabei zwei Aspekte: Zum einen war Jekaterina Alexejenko, die Moderatorin, bereits im Vorjahr mit den Pfadfindern in Erlangen, weiß also, wovon sie spricht, und zum andern sind da die Anrufe von Zuschauern mit all den liebgewordenen Erinnerungen an Begegnungen mit Freunden aus der Partnerstadt. Man hätte die Sendezeit gut verlängern können. Wie auch immer. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Da ist auf die Wladimirer Medien Verlaß.

Olga Dejewa, Olga Chochlowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa und Ludmila Kondratenko.

Olga Dejewa, Olga Chochlowa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa und Ludmila Kondratenko.

Anders als das Bild vermuten läßt, endet der Tag nicht mit einem reinen Frauentreffen. Zum Abendessen waren auch die Ehemänner der drei Gastgeberinnen gekommen. Wieder so ein Zeichen der Verbundenheit, auch wenn sie die Partnerschaft nur vom Hörensagen kennen. Bisher zumindest. Und auch Olga Chochlowa, stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer Regionalduma, kennt Erlangen noch nicht aus eigener Anschauung. Sie hatte mit Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa im Januar zwar kommen wollen, konnte die Reise dann jedoch aus dienstlichen Gründen nicht antreten. Aber den Besuch wird sie sicher eines Tages nachholen. Es ist ja noch viel Zeit, wenn man einem der Trinksprüche folgt, in dem es hieß: “Wir trinken auf die nächsten 30 Jahre der Partnerschaft und auf all die Generationen, die nach uns die Früchte unserer Freundschaft ernten können!”

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Eine Freude kommt selten allein. Kaum hat sich Olga Dejewa zu Hause wieder an die Arbeit gemacht, da darf die ehrenamtliche Geschäftsführerin des Roten Kreuzes Wladimir schon einen Doppelerfolg vermelden. Beide Projekte, das ambulante Hospiz ”Haus der Hoffnung” und das Erste-Hilfe-Programm “Das sollte jeder wissen”, haben bei der städtischen Ausschreibung den Zuschlag erhalten, erhielten Bestnoten und belegten die zwei ersten Plätze. Da bleibt nur, den Tüchtigen zu ihrem Glück zu gratulieren und noch etwas Geschick beim Nachjustieren zu wünschen. Denn nun braucht es noch eine Lizenz zum Helfen und das notwendige medizinische Personal, von Onkologen bis hin Pflegekräften. Aber davor ist es Olga Dejewa nicht bange.

Olga Dejewa und ihre Projektkoordinatorin, Irina Sokolowa.

Olga Dejewa und ihre Projektkoordinatorin, Irina Sokolowa.

Braucht es auch nicht zu sein, denn sie kann sich ja auch der Unterstützung des Fördervereins in Erlangen sicher sein. Jetzt erst recht, wo es so richtig losgeht und wo noch von einer dritten Freude zu berichten ist: Eine Spenderin, die ungenannt bleiben möchte, hat dem Verein zur Förderung des Roten Kreuzes Wladimir: Sparkasse Erlangen BLZ 763 500 00 Konto-Nr. 91 181 großherzig 1.000 Euro überwiesen. Sie selbst schreibt dazu: “Sie können gern im Blog darauf hinweisen, daß es jemandem wichtig war, nach ausführlichem Studium Ihres Blogs für das Rote Kreuz in Wladimir zu spenden und dadurch seine vielseitigen Aktionen zu unterstützen…” Wenn das nicht auch Ansporn ist, weiter über die Arbeit des Roten Kreuzes in Wladimir zu berichten – und dafür zu spenden. Herzlichen Dank und спасибо большое!

Mehr zum Thema in der Kategoriewolke rechts unter dem Begriff “Humanitäre Hilfe / Rot-Kreuz-Zentrum”.

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Schon seit Jahren diskutiert man in Wladimir die Notwendigkeit, ein Hospiz einzurichten. Immer mehr Patienten, denen medizinisch nicht mehr zu helfen ist, gibt es, immer weniger Familien sind bereit und in der Lage, deren Pflege zu übernehmen, und die Krankenhäuser sind für diese Art von Therapie nicht vorbereitet. Nicht einmal eine Pflegekasse gibt es, was die ohnehin noch nicht so recht leistungsfähige Krankenversicherung überfordert. Ganz zu schweigen davon, daß Palliativmedizin in der Partnerstadt angeboten werden könnte. Allein an diesen wenigen Fakten kann man einschätzen, wie wichtig das Programm “Häusliche Pflege” war, das über Jahre vom Förderverein Rotes Kreuz Wladimir mit Erlanger Spendenmitteln und Unterstützung des BRK Erlangen-Höchstadt wichtige Hilfe leistete.

Olga Dejewa, Jelena Owtschinnikowa, Inge Schwager, Ute Schirmer.

Olga Dejewa, Jelena Owtschinnikowa, Inge Schwager, Ute Schirmer.

Nun soll ein neuer Anlauf unternommen werden. Das Rote Kreuz Wladimir möchte bereits Ende Februar, wenn es bei der städtischen Ausschreibung für Fördermittel den Zuschlag erhalten sollte, das Projekt “Haus der Hoffnung” starten und mit ehrenamtlichen Kräften eine ambulante Pflege einrichten. Unterstützung dabei kommt nicht nur vom Förderverein Rotes Kreuz, ihre beratende Hilfe hat auch Inge Schwager, Hospiz-Leiterin der seit 1999 bestehenden Einrichtung der Diakonie am Ohmplatz zugesagt, und auch der Hospiz-Verein Herzogenaurach bietet seine Erfahrungen an. Hier wie dort hat man ausschließlich ehrenamtlich begonnen, hat zunächst versucht, die Familien zu entlasten, später medizinische Hilfe zu leisten, vor allem aber wollte und will man Zeit schenken und Zuwendung, diese kostbarsten Güter gerade eines Lebens, das in Würde zu Ende gehen soll.

Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa bei der Übergabe eines Tischtuches für das Trauercafé des Hospizvereins Herzogenaurach.

Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa bei der Übergabe eines Tischtuches für das Trauercafé des Hospizvereins Herzogenaurach.

Es wird sicher noch ein langer Weg, aber die ersten Schritte zu einem Hospiz in Wladimir sollen noch in dem Jahr getan werden. Vielleicht so, wie das der Hospiz-Verein in den 80er und 90er Jahren in Erlangen tat, so wie es die Ehrenamtlichen in Herzogenaurach bis heute erfolgreich vormachen, ganz wie Helga Lang, die 1. Vorsitzende sagt: “So etwas muß langsam wachsen.” Vor allem muß in Wladimir langsam der Gedanke des Ehrenamts wachsen, das dort, anders als in Deutschland gerade in der älteren Generation noch kaum verbreitet ist, war und bleibt man doch vielfach – der gesellschaftlichen Prägung nach – eher dem Prinzip verpflichtet, der Staat sei für alles da, besonders für die soziale Fürsorge.

Ottmar Stadtmüller und Olga Dejewa.

Ottmar Stadtmüller und Jelena Owtschinnikowa.

Das wird sich ändern, eher als viele sich das wünschen mögen. Und doch kann und will sich auch in Wladimir der Staat nicht länger aus bestimmten Bereichen heraushalten. Vor ihrer Reise nach Jena und Erlangen hat Jelena Owtschinnikowa einmal recherchiert, ob es russische Städte mit einer kommunalen Drogenberatung gebe. Das Ergebnis: Außer Moskau und Petersburg leistet man sich landauf, landab nirgendwo derlei Luxus. Etwas, das die Wladimirer Bürgermeisterin, zuständig unter anderem auch für den Bereich Jugend, rasch nach dem Vorbild der Partnerstadt ändern möchte. Wenigstens ein bis zwei Planstellen wolle sie einrichten, versichert sie Ottmar Stadtmüller, dem Leiter der Integrierten Beratungsstelle der Stadt Erlangen,, denn bisher liege die Suchtberatung allein in den Händen von Nichtregierungsorganisationen, deren Wirksamkeit man kaum einschätzen könne. Dabei bestehe bei 1.500 Drogensüchtigen, davon 160 Heranwachsende, in der Region Wladimir größter Bedarf, denn auch wenn es zumindest gelungen sei, durch das landesweite Verbot von Spielhallen – Ottmar Stadtmüller würde sich das auch für Deutschland wünschen – gebe es doch allein in Erlangen 30 solcher Vergnügungstempel, die, zentral von ihren Konzernen gesteuert und mit starker Lobby ausgestattet, oft rund um die Uhr arbeiten – die Spielsucht spürbar einzudämmen, habe man doch gewaltige Probleme mit Alkohol-, Drogen- und Internetkonsum bei Jugendlichen. Dabei zählen zur Risikogruppe längst nicht nur jene fast 1.300 Minderjährigen und gut 1.000 Kinder aus mehr als 800 Familien, wo die Eltern ihren Erziehungspflichten nur mangelhaft nachkommen. Es sind auch materiell wohlbehütete Mädchen vor allem, die derzeit wohl besonders unter emotionaler Verwahrlosung leiden und ohne erkennbaren Grund aus Hochhausfenstern in den Tod springen. Eine Welle, die auch Wladimir erreicht hat. Erste Erfolge beim Kampf gegen den Alkoholmißbrauch in jungen Jahren habe man zwar vorzuweisen – selbst Bier ist erst ab 18 Jahren erhältlich, nach 22.00 Uhr ist der Verkauf generell in Geschäften verboten, und seit Beginn des Jahres sind alle berauschenden Getränke um ein Drittel teurer geworden -, aber die Wende habe man noch längst nicht geschafft. Wohl noch lange werden vor allem die Männer, die zwischen 15 und 55 Jahren sterben, ihren Tod zur Hälfte dem Trinken “verdanken”. Und dann noch all die leichten und die harten Drogen, die synthetischen wie die konventionellen. Hier rechtzeitig vorzubeugen, Beratung anzubieten und Therapien vermitteln, soll, geht es nach Jelena Owtschinnikowa, in Wladimir nicht länger dem freien Spiel der guten und bösen Kräfte überlassen bleiben. Vielleicht kann sie ja schon Anfang Mai der Einladung von Ottmar Stadtmüller folgen und an einem Treffen von regional tätigen Fachkräften der Drogenberatung teilnehmen. Wenig Zeit bliebe dann allerdings, ihr beim Russischen Abend gegebenes Versprechen einzulösen, beim nächsten Besuch in Erlangen bereits 15% des deutschen Wortschatzes zu beherrschen. Willkommen wäre sie bestimmt dennoch, denn es ist der gute Wille, der zählt.

Christa Geiß, Reinhard Sittl, Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa.

Christa Geiß, Reinhard Sittl, Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa.

Von Semjon Kirssanow gibt es ein Gedicht, dessen Titel Eric Boerner als “Schmerz der Schmerzen” übertragen hat. Weiter heißt es in der Wehklage über die gottgleiche Macht des Schmerzes: “Schmerz ist der Herrgötter Herr”. Diesem dämonischen Herrn hat Reinhard Sittl, Gründer und geschäftsführender Oberarzt des Interdisziplinären Schmerzzentrums der Erlanger Universitätsklinik, mit allen Mitteln den Kampf angesagt. Sowohl in akuten Fällen etwa nach einer Operation, vor allem aber bei chronischen Schmerzpatienten – mit einer wohldosierten Kombination aus Pharmazeutika und psychologischer Betreuung. Dank dem Anästhesisten ist Erlangen führend in dieser fachgebietsübergreifenden Disziplin, die an russischen medizinischen Zentren noch kaum bekannt ist. Allenfalls in Moskau, wohin Reinhard Sittl immer wieder reist, um auf Einladung von Kollegen Vorträge über seine Erfahrungen und Erkenntnisse zu halten. Vielleicht auch bald in Wladimir, wo es, wie eingangs erwähnt, nicht einmal eine Palliativmedizin gibt. Aber auch das mag noch dauern, auch wenn es, wie der Erlanger Mediziner aus Erfahrung weiß, den Russen oft gar nicht schnell genug gehen kann. Bei der Schmerzbehandlung zumindest der falsche Ansatz.

Olga Dejewa, Helmut Schmitt, Jelena Owtschinnikowa.

Olga Dejewa, Helmut Schmitt, Jelena Owtschinnikowa.

Was sonst noch so auf dem Programm von Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa stand, die heute wieder zurückreisen? Treffen mit dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK, mit dem Stadtjugendring, mit Referent Dieter Rossmeissl und seinem Team vom Kulturamt, Begegnungen in der Stadtbibliothek und in der Städtischen Galerie, Gespräche zum Thema Russisch-Unterricht an Erlanger Schulen – ein Fach, das im Jubiläumsjahr endlich wieder zur Wahl gestellt werden sollte! – und Lehrerfortbildung für Wladimirer Deutsch-Pädagogen. Schließlich ein kleiner Empfang bei einem großen Freund Wladimirs, der bereits 1985 die Partnerstadt besucht und sie auf zehn weiteren Reisen kennen und schätzen gelernt hat. Und ihr bis heute verbunden bleibt, auch wenn er nun im Ruhestand ist: Altamtsleiter Helmut Schmitt. Bei so viel Aufbruch ist es ja auch einmal schön, zurückzublicken auf die guten Anfänge mit jenen Menschen, die vor drei Jahrzehnten über Grenzen und Gräben hinweg einander die Hand ausstreckten und sie einander noch immer gerne reichen. Bis zum nächsten Treffen hier oder dort.

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Eine Tafel gibt es in Wladimir noch nicht. Aber das kann sich ja bald schon ändern, wenn es nach dem Willen von Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa, Chefin des Roten Kreuzes, geht. Am liebsten wäre ihnen ja, Jörg Schultz, Gründer und Geschäftsführer der Erlanger Tafel, würde gleich selbst nach Wladimir kommen und dort seine vierte Filiale eröffnen – nach den Ausgabestellen in der Gebbertstraße, in Büchenbach und Herzogenaurach. So schwierig meint er wohlgemut, sei das gar nicht, wenn man, ja wenn man nur genug Freiwillige um sich scharen könne, wie ihm das seit Mitte der 90er Jahre gelingt. Als seinen “Schatz” bezeichnet er denn auch die 160 Ehrenamtlichen, die helfen, Lebensmittel anzuliefern, einzulagern, zu sortieren und schließlich drei Mal pro Woche die Ausgabe für Bedürftige – darunter übrigens mehr als die Hälfte Spätaussiedler - zu öffnen. Die Geschäftswelt, Serviceklubs und die gesamte Öffentlichkeit für die gute Sache zu gewinnen, sei angesichts der allgemeinen Sensibiltät gegenüber sozialen Themen auch fast ein Heimspiel. Bleibe nur, einen Träger wie die Diakonie zu finden, um eine hauptamtliche Kraft zu finanzieren, in der Stadtverwaltung Unterstützung zu gewinnen, etwa durch die Übernahme der Raummiete, und einen Verein zu gründen, der Spenden einwirbt, um größere Anschaffungen tätigen zu können, zum Beispiel die drei Fahrzeuge, mit denen die Lebensmittel in den Läden abgeholt werden. Ob sich das Konzept auch in Wladimir so eins zu eins umsetzen läßt, wird sich zeigen. Aber etwas in der Art wollen die Besucherinnen in der Partnerstadt auf die Beine stellen. Und wer, wenn nicht sie?! Jörg Schultz jedenfalls könnte da noch so manche Anfrage und Einladung erhalten.

Jörg Schultz, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa.

Jörg Schultz, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa.

Ebenfalls aus einer privaten Initiative und später mit der Trägerschaft der Diakonie ist der Verein mit seinen gut 20 Mitgliedern entstanden, der seit 15 Jahren die von der Stadtverwaltung angemietete Wärmestube in der Heuwaagstraße zu einem beliebten Treffpunkt für Menschen ohne festen Wohnsitz macht. Durchreisende stellen dabei gar nicht einmal das Gros der Besucher, wie Lydia Kampus meint, die als Mutter der Einrichtung gelten darf, die übrigens wegen der Brandschutzauflagen im Frühjahr schon in die Wilhelmstraße umzieht. Die meisten, die das Angebot eines Frühstücks und Mittagessens in wohnlich-familiärer Umgebung nutzen, kommen, wie Otto Vierheilig, Leiter des Sozialamts und in Personalunion auch Vorsitzender des Vereins, weiß, aus den fast zweihundert Verfügungswohnungen. Menschen also, die zwar ein Dach über dem Kopf haben, aber Mangel an Sozialkontakten leiden.

Lydia Kampus, Otto Vierheilig, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa mit einer der beiden Köchinnen in der Küche der Wärmestube.

Lydia Kampus, Otto Vierheilig, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa mit einer der beiden Köchinnen in der Küche der Wärmestube.

In Wladimir ist es ein Unternehmer, der vom Abend bis zum frühen Morgen in vier Eisenbahnwaggons Obdachlosen ein Nachlager und eine Verpflegung anbietet. Die Stadtverwaltung erkennt auch dort das Problem und hat zumindest dafür gesorgt, daß im Winter niemand draußen erfrieren muß. Die Polizei ist nämlich gehalten, in der kalten Jahreszeit nachts die Augen besonders offen zu halten und Stadtstreicher nicht ihrem Schicksal zu überlassen, sondern sie notfalls in ein Krankenhaus zu bringen. Da seien, so Jelena Owtschinnikowa, stets Betten reserviert, für deren Kosten die Stadtverwaltung aufkomme. Ein großes Problem, aber auch eine große Chance für manchen. Aus ihrer Zeit als Ärztin – vor ihrer politischen Laufbahn und der Übernahme ihres Amtes im Frühjahr 2011 - weiß sie denn auch eine Begebenheit zu erzählen, die nach einem richtigen Märchen klingt.

Beim Förderverein Rotes Kreuz Wladimir.

Beim Förderverein Rotes Kreuz Wladimir.

Ein Mann, zwei Jahre bereits obdachlos, habe sich eines Wintertages in ihrem Krankenhaus gemeldet und um Behandlung gebeten. Eine verwitwete Krankenschwester habe sich um den Patienten gekümmert, der nach der Trennung von seiner Frau aus dem Tritt geraten war. Die beiden hatten sich offenbar gesucht und gefunden, waren wie füreinander gemacht. Jedenfalls haben sie mittlerweile geheiratet, und es heißt, der Mann habe sich wieder gefangen, sei wieder als Künstler tätig und trage seine Gedichte inzwischen sogar in Moskau vor. Da kann Otto Vierheilig durchaus mithalten, wenn er von einer Ehe berichtet, die zwischen zwei Obdachlosen in der Wärmestube gestiftet worden sei. Auch die beiden seien noch immer ein Paar mit einer eigenen Wohnung und eigenem Auskommen. Menschliche Sternstunden, die zeigen, wie wichtig es ist, sich gerade derer anzunehmen, die nichts mehr zu geben haben als ihre Dankbarkeit.

Peter Steger und Olga Dejewa beim Tätigkeitsbericht des RK Wladimir.

Peter Steger und Olga Dejewa beim Tätigkeitsbericht des RK Wladimir.

Die Ergebnisse der Treffen am Nachmittag im Stadtjugendring und im Kulturamt finden später hier noch ihren Widerhall, zumal sie alle mit den Vorbereitungen auf das dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum zu tun haben. Deshalb gleich der Sprung in die Abendveranstaltung mit dem Förderverein Rotes Kreuz Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Dejewa und Rudolf Schwarzenbach.

Wolfram Howein, Olga Dejewa und Rudolf Schwarzenbach.

Endlich nun konnten sich dessen Mitglieder ein eigenes Bild machen, von dem, was Olga Dejewa in knapp zweijähriger ehrenamtlicher Dienstzeit auf die Beine gestellt hat und immer wieder Gegenstand der Blog-Berichterstattung war. Alles für eine umfassende Berichterstattung hat sie mitgebracht: die Publikationen, die Medienberichte, die T-Shirts, Bilder, Abrechnungen, Tätigkeitsnachweise, vor allem aber ihre persönliche Überzeugungskraft, ihre ansteckende Energie und ihren pragmatischen Enthusiasmus.

Jürgen Üblacker und Jelena Owtschinnikowa.

Jürgen Üblacker und Jelena Owtschinnikowa.

Lob gab es deshalb viel für Ihr Schaffen. Doch auch sie hatte ein Zeichen der Anerkennung mitgebracht. Für Jürgen Üblacker, den ehemaligen Direktor des BRK Erlangen-Höchstadt und gemeinsam mit Brüne Soltau Gründervater des Fördervereins, in Form der Pirogow-Auszeichnung, benannt nach dem ersten Vorsitzenden des Russischen Roten Kreuzes und Begründers der russischen Chirurgie. Ehrenvoll und verdient, sicher aber auch eine Aufforderung und Ermunterung, auch in Zukunft dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden zu bleiben.

Jelena Owtschinnikowa, Melitta Schön, Vorstandsmitglied des BRK Erlangen-Höchstadt, und Olga Dejewa.

Jelena Owtschinnikowa, Melitta Schön, Vorstandsmitglied des BRK Erlangen-Höchstadt, und Olga Dejewa.

Das wollen die Mitglieder des Fördervereins erklärtermaßen alle, und es sollen ihrer bald auch mehr werden, vielleicht sogar schon heute beim Russischen Abend. Und ganz sicher wird die Unterstützung ideell wie materiell fortgesetzt. Das nächste Projekt – nach “Licht des Guten” mit der häuslichen Pflege und “Das sollte jeder wissen” mit den Erste-Hilfe-Kursen für Schüler – ist nämlich schon beantragt. Im Februar wird die Stadtverwaltung über die Mittelvergabe entscheiden, und dann könnte das “Haus der Hoffnung” an den Start gehen, ein Begriff, der ein ambulantes Hospiz meint, unterstützt von Studierenden an der Fachhochschule für medizinische Berufe.

Jelena Owtschinnikowa, Brüne Soltau und Olga Dejewa.

Jelena Owtschinnikowa, Brüne Soltau und Olga Dejewa.

Wladimir hat gelernt, sich selbst zu helfen. Mehr konnte und wollte man in der Partnerschaft nicht erreichen, und da macht es Freude, weiter Unterstützung und Zusammenarbeit anzubieten. Im Sozialen, in der Kultur und überhaupt.

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Mit dem Zug von Jena nach Erlangen zu fahren, hat ja wohl kaum etwas Aufregendes an sich, wenn man einmal von den baustellenbedingten ortsüblichen Verspätungen absieht. Aber Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa hatte gestern beim Besteigen des IC in Jena Paradies wohl doch ein leichtes Unbehagen bei dem Gedanken befallen, man könnte in Erlangen vergessen, sie abzuholen. Immerhin fuhren die Bürgermeisterin, begleitet von der Geschäftsführerin des Roten Kreuzes Wladimir, zum ersten Mal in Deutschland mit der Eisenbahn – und das auch noch alleine. Während nämlich Jelena Owtschinnikowa die Partnerstadt schon bei ihrem Antrittsbesuch vor knapp einem Jahr kennengelernt hat, ist Olga Dejewa überhaupt zum ersten Mal in Deutschland. Da ist es gut, wenn man, wie sie es seit September 2012 tut, einen Deutsch-Kurs im Erlangen-Haus belegt, denn auf so einer Reise kann es schon einmal vorkommen, daß die reservierten Sitzplätze im richtigen Abteil von den falschen Leuten eingenommen sind – wohl des Tischchens wegen. Wohl denen, die sich da in der Landessprache zur Wehr setzen können.

Daheim angekommen: Olga Dejewa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa.

Daheim angekommen: Olga Dejewa, Elisabeth Preuß, Jelena Owtschinnikowa.

Cornelia Bartlau, seit wenigen Wochen als Gleichstellungsbeauftragte im Rathaus Jena beschäftigt, hatte die Besucherinnen nach einer Vorstellung der kommunalen Frauenpolitik zum Zug gebracht und zur Sicherheit noch einen Kontrollanruf nach Erlangen abgesetzt, des Inhalts, der IC habe keine Verspätung. Und tatsächlich kam er auch auf die Minute genau in Erlangen an und entließ zwei putzmuntere Reisende, die zwar gleich durchaus glaubwürdig zu verstehen gaben, sich hier in Erlangen wie zu Hause zu fühlen, ansonsten aber noch ganz in der frischen Erinnerung an Jena schwelgten. Zwar anstrengend, aber so beeindruckend! Von der Rettungswache bis zum betreuten Wohnen, von der bilingualen Schule bis zum Einsatz von Ehrenamtlichen, sein ganzes großes Reich hatte Peter Schreiber, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V. den Gästen gezeigt, nachdem er sie am Montag mit einem Rot-Kreuz-Fahrzeug in Berlin vom Flughafen hatte abholen lassen. Da hatten sie denn auch Bürgermeisterin Elisabeth Preuß kurz nach der Ankunft beim Abendessen viel zu erzählen. Ausdruck einer Dreieckspartnerschaft, die immer mehr Gestalt annimmt und sich mit Inhalt füllt. In diesem Fall zweifellos in besonders charmanter Form. Ab heute gilt es nun in Erlangen. Was das Programm für die beiden hier so alles bereithält, davon mehr in den nächsten Tagen, denn Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa bleiben noch bis Montag und haben viel vor in der Partnerschaft.

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Die Zeit der Ferien und des Feierns ist vorüber. Auch für unsere russischen Freunde – und besonders in der Partnerschaftsarbeit. Und doch steht das nächste Fest schon unmittelbar bevor. Aber der Reihe nach.

Am Wochenende ist nun Marina Gedina eingetroffen, promovierte Germanistin an der Universität Wladimir, die - man glaubt es kaum - zum ersten Mal überhaupt in Erlangen ist und seit gestern den Anfängerkurs Russisch an der Volkshochschule gibt. Übrigens: Wer kurz- und spätentschlossen noch dazukommen möchte, zaudere nicht mehr lange, denn noch sind zwei Plätze frei, und noch kann man den Stoff ohne große Mühe nachholen. Die Dozentin selbst hat unterdessen noch ihre liebe Mühe mit dem Fränkischen, aber immerhin weiß sie bereits, was man zu sagen hat, wenn jemandem das ortsüblich höchste Lob auszusprechen ist: Baßd scho!

Reinhard Beer und Marina Gedina.

Reinhard Beer und Marina Gedina.

Am Donnerstag ab 19.00 Uhr wird Marina Gedina auch beim Russischen Abend mitmachen, dem frühen Höhepunkt der Russisch-Deutschen Wochen, die noch bis Anfang Februar laufen. Bei freiem Eintritt erwartet die Gäste im Großen Saal der Volkshochschule ein buntes Programm aus kleinen Präsentationen, Gesprächsrunden, musikalischen Einlagen und Grußworten von Oberbürgermeister Siegfried Balleis, Generalkonsul Andrej Grosow und der Wladimirer Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa, die heute zusammen mit der Geschäftsführerin des Roten Kreuzes, Olga Dejewa, in Erlangen eintrifft. Zum krönenden Abschluß dann – bei freier russischer Hausmannskost und original russischer Teetradition – das Quiz “Wer wird Russionär?” mit vielen kleinen und großen Preisen. Wer die dreißigjährige Partnerschaft kennenlernen, noch mehr über sie erfahren oder einfach nur mal reinschnuppern möchte, komme am besten gleich mit Familie und Freunden, so lange der Platz reicht.

Benjamin und Stefan Kügel mit Marina Gedina.

Benjamin Seeberger und Stefan Kügel mit Marina Gedina.

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Theater Kuckucksheim in Heppstädt einmal wieder, als am Sonntag Pettersson und Findus über diese einzigartige Bühne ging. Im Publikum auch Marina Gedina, die bis Ende Mai eine besondere Herausforderung zu bestehen hat. Stefan Kügel wird nämlich mit seinem Sohn Benjamin zum Partnerschaftsjubiläum in Wladimir zwei Auftritte geben: zum einen das auch Erwachsene hellauf begeisternde Kinderstück, zum anderen den Jedermann auf Fränkisch. Da gibt es noch viel zu tun für die Sprachvermittlerin, damit neben den großen Zusammenhängen auch Wortwitz und Pointen – notfalls auch mit Power-Point -  verständlich werden. Stefan Kügel ist da freilich zuversichtlich, denn er hat bereits Auslandserfahrung in Krakau und Tarnowskie Góry, den polnischen Partnerstädten von Nürnberg bzw. des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Und dann ist da ja seine urgewaltliche Spielfreude mit einer sprechenden Gestik und singenden Mimik. Im unerschöpflich kreativen Dialog mit seinem ihm bald ebenbürtigen Sohn ein Hochgenuß, der auch ohne Lexikon seine Wirkung auf das beglückte Publikum nicht verfehlt. Weder in Heppstädt noch in Wladimir. Und Marina Gedina wird es schon so machen, daß es paßt…

Reinhard Beer, Leiter der Sprachenabteilung an der Volkshochschule sowie guter Geist und Vater der Russisch-Deutschen Wochen (mehr dazu unter http://is.gd/l2UGBu), feiert heute übrigens sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Die wahrlich verdienten Gratulationen nimmt er sicher am liebsten beim Russischen Abend entgegen, und das schönste Geschenk für ihn wäre ein voller Großer Saal. So kommet denn zuhauf!

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Es ist noch kein Jahr her, seit Olga Dejewa ehrenamtlich die Leitung des Roten Kreuzes in Wladimir übernommen hat, aber was sie an geleisteter Arbeit vorweisen kann, ist jetzt schon so viel, daß man sich fragt, wo sie nur all die Energie und Kraft hernimmt, um etwas zu schaffen, wofür andere mindestens eine Nachspielzeit gebraucht hätten. Denn im Brotberuf ist sie ja nicht unbedingt unterbeschäftigt. Als Chefin der Sozialstiftung der Stadt Wladimir, zuständig für individuelle Hilfe vor allem in Härtefällen, sind nicht nur jeden Tag schwierige Entscheidungen zu treffen, es wollen auch Ehrungen vorgenommen und gerade gegen Jahresende all die Feiern und Treffen mit Vereinen und Organisationen ordentlich vorbereitet werden.

Erste-Hilfe-Kurs für Schüler

Dennoch: Im Roten Kreuz geht alles seinen Gang. Es geht voran. Nur ein bis zwei Leute hätte Olga Dejewa doch gerne im Team, wie sie bekennt. Zu viel hänge noch von ihr persönlich ab. Aber das bringt wohl jeder Neustart so mit sich. Dem Pferd, das gut zieht, lädt man immer noch mehr auf.

Demonstration der Ersten Hilfe im Seminar

Aber keine Klagen! Im September ging erfolgreich ein Seminar über die Bühne, das die beiden Projekte “Licht des Guten” und “Das sollte jeder wissen” zum Thema hatte. Wichtig dabei die Frage des Einsatzes von Ehrenamtlichen, für deren Arbeit auf regionaler Ebene derzeit ein eigenes Gesetz diskutiert wird. Aber auch ganz praktische Dinge fanden ihren Platz. So stellte ein russischer Mitarbeiter der Firma Paul Hartmann innovative Techniken zur Pflege von schwerkranken Patienten vor. Ein möglicher Ansatz für eine künftige Zusammenarbeit mit dem medizintechnischen Unternehmen aus Heidenheim.

Rot-Kreuz-Wettbewerb in einer Schulklasse

Teilgenommen haben an dem Seminar neben Politikern, die allmählich die Bedeutung des Ehrenamts für das Funktionieren einer Zivilgesellschaft begreifen, auch hohe Beamte des Innenministeriums und natürlich Vertreter der Medizin und des sozialen Bereichs.  Und die Ehrenamtlichen? Die sind längst wieder unterwegs in den beiden Projekten, pflegen bettlägrige Kranke und bringen Kindern an zwei Schulen das ABC der Ersten Hilfe bei.

Rolle des Roten Kreuzes aus Kinderblick

Überhaupt die Schüler: Mehr als 170 Bilder haben sie gemalt und gezeichnet für den vom Roten Kreuz ausgeschriebenen Wettbewerb. Nicht alle Kinder konnten gewinnen, aber die Trostbären und die Ausstellung aller Arbeiten war sicher auch Anerkennung genug.

Erste Hilfe im Krankheitsfall aus der Sicht einer Zwölfjährigen.

Mittlerweile kann man die Ehrenamtlichen in Wladimir an ihren T-Shirts erkennen, und Ausweise sowie Dienstbücher haben sie auch schon alle. Besonders wichtig die Bescheinigungen für jene, die erfolgreich die Ausbildung im Bereich Erste Hilfe / Notversorgung gemacht haben und nun selbst Kurse geben. Alles ehrenamtlich – und bewundernswert.

Olga Dejewa und Pjotr Ponasenko bei der Preisverleihung vor der Bildertafel.

Wann Olga Dejewa auch noch die Zeit findet, im Erlangen-Haus Deutsch zu lernen, verrät sie vielleicht bei ihrem Antrittsbesuch noch in diesem Winter. Bis dahin, so scherzt sie, werde sie weiter am Granit der Fremdsprache nagen.

Gruppenbild vor der Bildertafel “Das sollte jeder wissen”.

Nun noch ein Hinweis: Am Freitag, den 9. November, berichtet Bürgermeisterin Birgitt Aßmus im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung des “Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir” von ihren Gesprächen mit Olga Dejewa Anfang September in der Partnerstadt. Das Treffen beginnt um 18.00 Uhr im 14. Stock des Rathauses. Gäste sind herzlich willkommen, nicht nur als künftige Mitglieder. Abstimmen dürfen sie freilich erst, wenn sie in den Verein eingetreten sind. Aber das ist ja nicht mehr als eine Formsache.

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