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Mit ‘Nadjeschda’ getaggte Artikel


Taufe im Eiswasser

In der vergangenen Nacht stiegen sie wieder zu Tausenden hinab ins Wasser von Flüssen und Teichen, gläubige wie ungläubige Russen, um dem alten Brauch zu folgen, am heutigen Festtag der Taufe des Herrn Schuld und Sünde abzuwaschen und rein an Körper und Seele die Heilige Woche (Swjatki) abzuschließen. Vieles dabei läuft nun schon routiniert ab: Wieder hatte man über die ganze Region Wladimir verteilt 35 “Taufbecken” mit der notwendigen Infrastruktur für etwaige Unglücksfälle ins Eis geschlagen, wieder hatte man gewarnt, manche Gewässer könnten verschmutzt sein, wieder der dringende Hinweis, die Tauchprozedur nicht in alkoholisiertem Zustand und nur bei robuster Gesundheit zu vollziehen, wieder die Mahnung der orthodoxen Geistlichkeit, die Sitte nicht zur Unsitte werden zu lassen und nur mit priesterlichem Segen ins Wasser zu gehen, andernfalls die spirituell reinigende Wirkung ausbleibe. Eines aber ist heuer ganz anders: Die sprichwörtlichen “Tauffröste” sind ausgeblieben. Der Winter war bisher viel zu mild für zentralrussische Verhältnisse. In den letzten Tagen ist zwar viel Schnee gefallen, aber längst nicht überall gibt es bei einstelligen Minusgraden eine tragende Eisdecke, weshalb vielerorts der Einstieg ins “Taufbecken” nur vom Ufer aus möglich ist.

Und noch etwas ist in diesem Jahr ganz anders: Walentin Russanzow, das Oberhaupt der Autonomen Russisch-Orthodoxen Kirche ist dieser Tage im Alter von 73 Jahren in der Wohnung von Freunden, unweit von Moskau, verstorben. Er hatte sich dort behandeln lassen wollte. Der Metropolit von Wladimir und Susdal litt schon lange an Diabetes und war wegen Problemen mit dem Herzen bereits vor Jahren auf Vermittlung der Partnerstadt Rothenburg in Deutschland behandelt worden. Zwanzig Jahre lang war der Geistliche das Haupt einer Abspaltung vom Moskauer Patriarchat, zunächst mit Anbindung an die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche, seit 2001 in ihrer autonomen Form.Metropolit Walentin bei seiner Weihe 2001

Metropolit Walentin bei seiner Weihe 2001

Schlagzeilen hatte Vater Walentin aber auch gemacht, als man ihn 2001 wegen sexuellen Mißbrauchs von Kindern zu vier Jahren auf Bewährung verurteilte, zu einer Strafe, die kurz vor Ablauf der Frist wieder aufgehoben wurde, weil die Kinder ihre Aussagen zurückzogen. Er selbst freilich dachte nie an Rückzug in seinem Kampf um kirchliche Autonomie. Wie eine feste Burg stand seine Gemeinde in Susdal und einigen umliegenden Dörfern zusammen, – auch und gerade nachdem die übermächtige Amtskirche den Abtrünnigen fast alle Kirchen abgenommen und dem regulären Erzbistum Wladimir – Susdal zugeschlagen hatte. Gleich, wer dem Oberbischof im Amt folgen mag, es dürfte ihm kaum gelingen, lange dem werbenden Druck des Moskauer Patriarchats zu widerstehen. Einigkeit ist schließlich nicht nur für die russische Politik von programmatischer Bedeutung, sondern bleibt auch erklärtes Ziel der Orthodoxie, ganz im Sinne des Paulus-Briefes an die Epheser, Kapitel 4, wo es heißt: “Und seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens!” Wie weit es freilich die Wirklichkeit noch bis zu diesem Ideal hat, ist nachzulesen unter: http://is.gd/pwsW0a, http://is.gd/waEQtF und http://is.gd/kLEixV.

P.S.: Heute spricht um 19.30 Uhr im Gemeindesaal von St. Sebald Pfarrer Udo Zettelmaier, Vorsitzender des Fördervereins Nadjeschda, über Kultur und Religion in Wladimir. Eintritt frei!

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Den ganzen November über sammeln die katholischen Kirchengemeinden Erlangens auf Initiative von Pfarrer Udo Zettelmaier für die Wladimirer Rosenkranzgemeinde. Sogar zu Türkollekten hat der Vorsitzende des Fördervereins “Nadjeschda” aufgerufen. Der Priester von St. Theresia leitet nach dem Tod des unvergessenen Konrad Wegner seit drei Jahren die umtriebige Gruppe gemeinsam mit Hannelore Röthlingshöfer und Rolf Bernard, Herz und Motor des ökumenischen Jugendaustausches.   

Udo Zettelmaier und Sergej Sujew in der Rosenkranzkirche 2009

Die Kollekte soll helfen, der Partnergemeinde mit ihren etwa 500 Mitgliedern, über den nächsten Winter zu kommen. Da es in Rußland keine Kirchensteuer gibt und die eigenen Mitglieder allesamt eher selbst hilfsbedürftig denn in der Lage sind, größere Zuwendungen zu machen, ist die Rosenkranzgemeinde auf Hilfe von außen angewiesen. Diese Unterstützung mobilisierte über Jahre der Gemeindegründer Stefano Caprio aus seiner italienischen Heimat. Doch seit er 2002 in Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen der Orthodoxie und dem Vatikan wegen der Errichtung von katholischen Provinzen in Rußland ausgewiesen wurde, flossen diese Mittel immer spärlicher und bleiben mittlerweile ganz aus. Sergej Sujew, der heutige Gemeindepfarrer, ist Russe und einer der ersten Absolventen des Priesterseminars in St. Petersburg. Seine einzige Beziehung zum Ausland ist Erlangen bzw. die Erzdiözese Bamberg, die vor allem den ökumenischen Jugendaustausch unterstützt.

Nun fürchtet man aber - wie im vergangenen Winter -, auf Rechnungen für die Heizung sitzen zu bleiben und deshalb die eigenen Sozialprojekte wie Kleiderkammer oder Altenhilfe vorübergehend einstellen zu müssen. Jeder Euro aus Erlangen kann deshalb doppelt helfen: Er hält die Kirche warm und die Sozialarbeit am Laufen. Spenden gegen Verwendungsnachweis und Bescheinigung werden erbeten an die Kirchenstiftung St. Theresia, Kt.-Nr. 10 000 485, BLZ 763 500 00, Stichwort “Rosenkranzgemeinde”. Mehr zum Förderverein Nadjeschda unter: http://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/05/04/neues-von-nadjeschda/

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