In den späten Erzählungen von Leo Tolstoj findet sich eine kleine Szene, ein kurzes Dreipersonenstück, unter dem Titel “Über die Güte”. Die beiden Kinder Mascha und Mischa bauen darin vor dem Haus eine Hütte für die Puppen und erfahren von einer alten Bettlerin, die Mutter der beiden habe sie reich beschenkt. Daraus entspinnt sich folgender Dialog zwischen Schwester und Bruder:

Wladimir-Stand bei Schulanmeldung
Die alte Frau: “Wenn ihr erwachsen seid, ihr Kinderlein, laßt auch die Armen nicht im Stich. Dann wird Gott euch nicht im Stich lassen.” Mischa: “Wie bedauernswert sie ist. ” Mascha: “Ich freue mich, daß ihr die Mutter etwas gegeben hat.” Mischa: “Ich weiß nicht, warum man nichts geben soll, wenn etwas vorhanden ist. Wir brauchen es nicht, aber sie braucht es.” Mascha: “Du erinnerst dich, daß Johannes der Täufer gesagt hat: Wer zwei Kleider hat, der gebe eins her.” Mischa: “Ja, wenn ich groß bin, werde ich alles hergeben.” Mascha: “Alles darf man nicht.” Mischa: “Weshalb nicht?” Mascha: “Und du selber?” Mischa: “Das ist mir gleich. Man muß gut sein. Dann haben es alle schön.”

Bastelarbeiten für Wladimir
Wie wahr dieser Satz ist! Besonders wenn viele Menschen wenigstens etwas hergeben und gut sind, damit es zumindest einige schön haben. Manfred Bruchner, pensionierter Polizist und passionierter Propagandist des Guten, läßt die Sorge um die kleinen Patienten auf der Krebsstation des Wladimirer Kinderkrankenhauses nicht mehr los. Therapie und Unterbringung sollen besser werden, und die Menschen dort will er spüren lassen, daß die Erlanger an ihrem Schicksal Anteil nehmen. Wenn es nach ihm ginge würde er wohl am liebsten seinen ganzen Ortsteil Tennenlohe in ein Revier der guten Taten für Wladimir verwandeln. Und verfolgt man, was er bereits geleistet hat und welche Pläne er noch verwirklichen will, weiß man, daß da ein schöner Traum wahr wird.

Ein T-Shirt aus Wladimir
Die evangelische Gemeinde Tennenlohe hat Manfred Bruchner bereits auf seiner guten Seite, und auch die Ortsverbände der CSU und SPD hat er für seine gute Sache gewonnen. Dutzende von Spendern haben seine Hilfsaktion bereits unterstützt, und das Kinderkrankenhaus in der Partnerstadt konnte bereits viele kleine und große Verbesserungen bei der medizinischen Versorgung durchführen. Der große Helfer in fremder Not gab sich damit aber noch nicht zufrieden und wandte sich an die Grundschule Tennenlohe mit dem Vorschlag, etwas für die Kinderkrebsstation zu tun.

Wladimirer Sportler spenden für Wladimirer Kinder
Rektorin Chris Egelseer, der “Vorbildfunktion gegenüber unseren Kindern” verpflichtet, ließ sich da nicht lange bitten und bot Manfred Bruchner an, für seine Aktion bei den 130 Schülern in der Aula zu werben. ”Für die kranken Kinder müssen wir doch etwas tun”, erinnert sich die Grundschullehrerin Mareike Kreitz an den “großen Tenor des Tages”. Und aus den Worten wurden Taten.

Der Wladimir-Stand mit Gästen aus Wladimir
Nach einigem Überlegen war die Entscheidung klar: Die Schüler wollten etwas machen, das anderen Freude bringt und den kranken Kindern in Wladimir hilft. Und so bastelten sie fleißig für Ostern: phantasievolle Glückwunschkarten, bunten Schmuck, ausgeschnittene Papiereier. Alles gegen kleine und große Spenden zu haben beim Frühlingssingen und dann, vor genau einer Woche, bei der Schulanmeldung, wo die Kinder einen eigenen Wladimir-Stand eingerichtet hatten, den ganz unangemeldet die Sportler aus der Partnerstadt besuchten, die am Winterwaldlauf in der Brucker Lache teilnahmen. Die Gäste konnten es gar nicht glauben, daß es in Erlangen so viele Kinder gibt, die etwas für die kranken Kinder in Wladimir tun. Da fühlten sie sich natürlich bei der Ehre gepackt und spendeten selbst für die Aktion und beschenkten die Schüler reich mit Andenken an die Partnerstadt – vom Schlüsselanhänger bis zum T-Shirt. Es entstand sogar die Idee, einmal in Wladimir einen Stadtlauf zu Gunsten des Kinderkrankenhauses zu veranstalten.

Mareike Kreitz, Manfred Bruchner, Gabriele Kopper, Annette Grandke, Chris Egelseer, Petra Beck
Doch damit nicht genug: Pate der Grundschule ist Der Beck, die Großbäckerei mit Stammsitz in Tennenlohe, die längst für sich entdeckt hat, daß helfen glücklich macht, und die deshalb auch eine eigene Kinderstiftung betreibt. Nun ließ sich Der Beck auch für die Wladimir-Aktion gewinnen und legte Bastelarbeiten der Schüler in vier Filialen aus.

Spendenübergabe Mareike Kreitz an Gabriele Kopper
Gestern nun war Kassensturz und Spendenübergabe. Nehmen wir es gleich vorweg: Runde und ganze 1.000 (in Worten: eintausend) Euro sind es geworden: 405 Euro stammen aus dem Verkauf der Bastelarbeiten an der Schule, 200 Euro kamen an Spenden in den Filialen von Der Beck zusammen. Beide Beträge wurden auf je 500 Euro aufgestockt, der eine von der CSU Erlangen, der andere von Der Beck, vertreten durch Petra Beck persönlich. Da kann man nur danken!

Gabriele Kopper, Annette Grandke, Chris Egelseer, Petra Beck
Überreicht wurden die Spenden im Beisein aller 130 Schüler an Stadträtin Gabriele Kopper, die in Vertretung von Oberbürgermeister Siegfried Balleis nach Tennenlohe gekommen war und sich begeistert von dem musikalischen Empfang zeigte. Spätestens im Herbst, nach ihrer Wladimir-Reise Anfang September, will die Kommunalpolitikerin die Schule wieder besuchen, um davon zu berichten, was für die Spenden angeschafft werden konnte und wie es jetzt den krebskranken Kindern in der Partnerstadt geht. Es haben dann noch immer nicht alle schön, aber bestimmt haben es viele viel besser als bisher. Und das ist schon sehr viel.

Gabriele Kopper und Petra Beck
Wer noch mehr tun und geben will, ist herzlich eingeladen, eine Spende zu überweisen auf das Konto “Hilfe für Wladimir”, Stichwort “Kinderkrebsstation”, Nr. 19-000345, Stadtsparkasse Erlangen, BLZ 763 500 00.
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