Mit dem morgendlichen Gongschlag erschienen gestern Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa und die Leiterin des Roten Kreuzes Wladimir, Olga Dejewa, in der Heinrich-Kirchner-Schule zu einem ganz besonderen Termin. Die Kinder aus der Klasse 3 b, die im Advent eine Pausenbrotaktion (s. http://is.gd/VMp5Pc) gemacht hatten, luden ein, um die Früchte ihrer Arbeit zu übergeben: 260 Euro für das Kinderkrankenhaus in der Partnerstadt. Mit einer drollig-mutigen Begrüßung durch Daniel in russischer Sprache, mit der Schulhymne und mit vielen Fragen an die Gäste.

Jelena Owtschinnikowa und die Schüler der 3 b der Heinrich-KIrchner-Schule.
Da wollten Antworten gegeben werden nach der Größe des Krankenhauses und dessen Ausstattung ebenso wie nach der geographischen Lage Wladimirs. Viel kindliche Wißbegier, vor allem aber eine bewegende Herzlichkeit. Die rührte denn auch die Besucherinnen besonders an, als sie für die gute Tat dankten und zusagten, die Spende persönlich zu übergeben. Dabei waren sie selbst nicht mit leeren Händen gekommen. Zeichnungen von Wladimirer Kindern als Zeichen der Dankbarkeit überreichten sie und vor allem einen russischen Hausgeist, einen Wichtel, der von nun an in der Schule über die Gesundheit der Kinder wachen und immer für eine gute Stimmung sorgen soll.

Der Wichtel-Hausgeist in der Heinrich-Kirchner-Schule.
Dazu aber braucht er noch einen Namen, den es nun zu suchen gilt. Jelena Owtschinnikowa hofft, den bald erfahren zu können, denn der Wichtel könnte durchaus böse werden, wenn er nicht weiß, wie er heißt. Ganz anders als Rumpelstilzchen. Und dann gab es da noch die schöne Idee, den Hausgeist zu zeichnen und die Bilder zurück nach Wladimir zu schicken, vielleicht sogar mit Briefen, um den kranken Kindern noch mehr Freude zu machen. Denn die werden sich zwar bestimmt über die Spende freuen, noch mehr aber darüber, daß deutsche Kinder an sie denken und ihnen Gesundheit wünschen. Welch schöne und gute Tradition, von der Klassenlehrerin Christine Delfs schon vor mehr als einem Dutzend Jahren ins Leben gerufen!

Preise für das Quiz.
Es liegen viele Begegnungen zwischen dem gestrigen Morgen und dem Abend, zu viele, um sie in einem Eintrag unterzubringen, Stoff also für eine spätere Berichterstattung. Weshalb nun der Bogen zu schlagen ist zum Russischen Abend, der nicht nur das dreißigjährige Jubiläum der Partnerschaft einläutete, sondern auch ganz am Anfang der Russisch-Deutschen Wochen an der Volkshochschule Erlangen stand.

Generalkonsul Andrej Grosow, Peter Steger, Bürgermeisteirn Elisabeth Preuß.
Mit prominentem Besuch! Vor zwei Jahren hatte er noch seinen Attaché, Oleg Tjapkin, geschickt, gestern aber erschien er trotz Eis und Schnee auf den Straßen von München bis Erlangen höchstpersönlich, Generalkonsul Andrej Grosow, der in seiner Begrüßung viele lobende Worte für die Städtepartnerschaft fand: beispielhaft und vorbildlich. Etwas, das später Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg aufgreifen sollte, als er meinte, die deutsch-russischen Beziehungen seien zwischenstaatlich gut, wären aber auch schon einmal besser gewesen, weshalb der Bürgerpartnerschaft auch in Zukunft eine besondere Rolle für die gegenseitige Verständigung zukomme.

Voller Großer Saal der VHS Erlangen.
Wie groß das Interesse an der Partnerschaft ist, wie ungebrochen und immer noch wachsend, zeigt diese Totale des Großen Saales, aufgenommen von Nadja Steger und später von Reinhard Beer, Leiter des Sprachenbereichs an der VHS und Initiator der Deutsch-Russischen Wochen, glücklich kommentiert: “Bei dem Wetter hätte ich nicht geglaubt, daß so viele kommen. Das waren mindestens 130 Leute. Mehr geht gar nicht.” Und Christine Flemming, die das Grußwort zu Beginn der Veranstaltung sprach, zeigte sich erleichtert darüber, daß niemand von der Feuerwehr da war und die Überfüllung aus Brandschutzgründen monierte.

Alexandra Rauhtäschlein und Reinhard Beer.
Eine Präsentation der wichtigsten Projekte der Partnerschaft und der Arbeit des Freundeskreises durch dessen Sprecher, Gerhard Kreitz, die Vorstellung der Vereine, die für Wladimir aktiv sind, eine Tanzaufführung der Ballerinen des Vereins Brücken e.V., eine Gesprächsrunde mit den Vätern der Partnerschaft… unter der Regie von Alexandra Rauhtäschlein und Reinhard Beer, streng und verbindlich, was die Zeitvorgaben anging, und doch locker-charmant in der Umsetzung und Moderation. Der Erfolg des Abends ist sicher wesentlich den beiden zu danken.

Jelena Owtschinnikowa und Peter Steger.
Dank war denn auch das Stichwort, als Jelena Owtschinnikowa ans Rednerpult trat. Dank für die herzliche Aufnahme in Erlangen und die Möglichkeit, gerade im Sozialsektor so viele offenherzige Menschen kennenlernen zu dürfen. Sie fand dafür Worte, die Dietmar Hahlweg noch später so bewegten, daß er der Bürgermeisterin höchstes Lob zollte für ihre bezaubernde Rolle als Botschafterin Wladimirs.

Inessa Hellwig-Fabian, Brücken e.V.
Wenn es eine Botschafterin der russischen Kultur in Erlangen gibt, dann ist das Inessa Hellwig-Fabian, die Vorsitzende des Vereins Brücken. Ob man tanzen, singen oder schauspielern will, bei Brücken ist man immer gut aufgehoben. Sogar wenn man ein russisch-deutsches Büffet anrichten lassen will. Ein deutsch-russischer Abend deshalb undenkbar ohne Beiträge von Brücken.

Klaus Wrobel und Dietmar Hahlweg.
Die Brückenbauer in Zeiten des Kalten Krieges, als die Gräben noch tief und die Mauern noch hoch waren, damals vor 30 Jahren, sind Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Klaus Wrobel, bis 2000 Direktor der Volkshochschule. Was der mutig vorausschauende Lokalpolitiker ins Werk setzte, erfüllte der Begründer des Arbeitskreises Wladimir von Beginn an mit dem Leben seiner Bürgerreisen. Beide setzten sie auf die Kraft der persönlichen Begegnung zwischen den damals noch einander so fremden Völkern. Und es ist schon so, wie Jelena Owtschinnikowa meint: Das Kapital der Partnerschaft sind die Menschen. Dietmar Hahlweg und Klaus Wrobel schufen die Voraussetzungen für deren lebendigen Austausch. Eine historische Leistung! Jedes Dankes, jeder Anerkennung würdig. Was ausdrücklich auch für Oberbürgermeister Siegfried Balleis gilt, der dieses Erbe der Versöhnung und Verständigung nicht nur gerne angetreten hat, sondern erfolgreich fortsetzt.

Klaus Wrobel, Inge Taubald, Dietmar Hahlweg.
Ein Erbe der Freundschaft, zu dessen Reichtum auch jemand wie Inge Taubald viel beigetragen hat. Sie feierte gestern auf der Bühne des Großen Saals den Geburtstag von Jelena Gromowa, ihrer Lenotschka, mit der sie seit 25 Jahren innig verbunden ist. Eine Freundschaft, exemplarisch dafür, wie gelungen das Konzept der Bürgerpartnerschaft ist. Man lese nur mal nach unter: http://is.gd/tRJIAN.

Es ist angerichtet in der VHS Erlangen.
Während im Saal nach den letzten Reden und Präsentationen die Bögen mit dem 25-Fragen-Quiz von Nadja Steger ausgegeben wurden, richtete das Team vom Club International und des Vereins Brücken an. Mit gespendetem Tee von Köstlich & Co. Mit russischen Happen und fränkischen Spezialitäten, eben länderübergreifend – und zum Zugreifen. Bei nicht nur freier Wahl, sondern auch kostenfrei für die Besucher, die freilich aufgefordert waren, einen kleinen Obulus für das Rote Kreuz Wladimir zu geben. Wer es da versäumt hat, weil die Sammelbüchse ein wenig versteckt war, kann es hier gegen Spendenbescheinigung nachholen: Verein zur Förderung des Roten Kreuzes Wladimir: Sparkasse Erlangen BLZ 763 500 00 Konto 91 181. DANKE!

Das Quiz “Wer wird Russionär”, fein ersonnen von Nadja Steger, eine Herausforderung auch für Günther Allinger, Gesamtleiter Barmherzige Brüder Gremsdorf.
Es sei verraten: Professor Dieter Wenzel, vor zwei Jahren zum Russionär gekürt, ist entthront. Er konnte seinen Titel nicht verteidigen, wenn er ihn dieses Mal auch nur um wenige Punkte verfehlte. Aber das nimmt er sportlich und freut sich auf die Bürgerreise, an der er mit der ganzen Familie teilnehmen möchte, auch um die Kontakte zum Kinderkrankenhaus weiter zu intensivieren. Nicht von ungefähr ist er ja 2010 für seine Zusammenarbeit mit Wladimir mit dem Ehrenbrief ausgezeichnet (s. http://is.gd/ifoTza). Das verpflichtet.

Glücksfee Natalia Kaiser, Siliva Steingrüber, Andrej Grosow, Reinhard Beer, Glücksfee Nadja Steger bei der Preisverleihung.
Die Gratulationen aber gelten am Ende des Abends Silvia Steingrüber, einem neuen Gesicht in der Partnerschaft, einer Russionärin, die hoffentlich in zwei Jahren antreten wird, ihren Titel zu verteidigen. Und sie gelten all den vielen Menschen, ob sie nun gestern anwesend waren oder nicht, die das menschliche Angesicht dieser deutsch-russischen Städtefreundschaft prägen. Ganz im guten Geist der Verständigung.
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