Feeds:
Artikel
Kommentare

Archiv für April 2012


Die Verwaltung des Wladimirer Gouvernements bündelt die Kräfte der lokalen Industrie und schafft einen Cluster für das Gewerbe der Automobilzulieferbetriebe in der ganzen Region. Damit sollen Qualität, Sortiment und Produktionszahlen koordiniert und kontrolliert werden. Darüber hinaus entsteht eine Datenbank, die Auskunft geben soll über den landesweiten Status quo und Entwicklungstendenzen der Branche.

Aus der Produktion der Wladimirer Autozulieferbetriebe.

Die Wirtschaftsförderer stützen sich bei ihrem Vorhaben auf eine industriegeschichtlich bewährte Basis, gibt es doch im Gouvernement vier Großbetriebe zur Herstellung von Scheinwerfern, Blinkern, Tachometern und sonstigen Teilen aus dem Zulieferbereich für die heimische Autoproduktion, in vielen Bereichen auch schon in Kooperation mit ausländischen Konzernen. 7.000 Arbeitsplätze sichert die Branche. Damit das auch so bleibe und möglichst sogar noch besser werde, erhält das Projekt sogar von der Staatsduma in Moskau Unterstützung, freilich in noch festzulegendem Umfang. Wie auch immer, in jedem Fall ist es gut, eine industriepolitische Strategie zu haben und sich zu positionieren. Vielleicht nimmt das ja auch Einfluß auf die anstehende Entscheidung des Volkswagen-Konzerns hinsichtlich seiner Ansiedlung in der Region Wladimir. Mehr dazu unter: http://is.gd/cSJUtE

Read Full Post »


Gute 60 km östlich von Wladimir, am Ufer der Kljasma liegt Kowrow, das derzeit politisch für Aufsehen sorgt, weil in der 150.000-Einwohner-Stadt eine Kampagne zur Absetzung von Gouverneur Nikolaj Winogradow begonnen hat. Doch das kümmert heute den Blog nicht weiter, vielmehr wollen wir uns einem jungen Wissenschaftlerteam zuwenden, das auf dem Weg ist, mit seiner Entwicklung russische Technologiegeschichte zu schreiben. Eine Handvoll IT-Studenten hat sich nämlich an der dortigen Akademie unter dem Namen “Red Eyes” zusammengetan, um im Bereich der künstlichen Intelligenz eigene Ideen zu verwirklichen. Und das gelingt mit durchschlagendem Erfolg, wie vor kurzem der Sieg bei der russischen Leistungsschau für Nachwuchswissenschaftler, Robofest 2012, zeigt.

In der Welt der Wissenschaft: Künstliche Muskeln.

Als die Truppe 2010 ihre ersten Schritte tat, nahm sie niemand so recht ernst, doch schon im Jahr darauf fuhr das unbemannte Auto aus Kowrow beim Roboter-Cross “Seliger 2011″ auf den ersten Platz. Und jetzt soll es sogar in die Schweiz gehen, steht die erste Teilnahme eines russischen Teams an einer internationalen IT-Messe an. Der Roboter, der einer internationalen Jury vorgestellt werden soll, trägt einen Laserscanner der jüngsten Generation in sich, sieht und erkennt mit dessen Hilfe seine Umgebung und entscheidet dann eigenständig, welchen Weg er einschlägt, um das eingegebene Ziel zu erreichen. Das in der Schweiz vorgestellte Modell soll vor allem in Katastrophenfällen und im Kampfeinsatz helfen, das Gelände zu sondieren, Verletzte und Tote zu bergen oder Geräte dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, ohne weitere Menschenleben zu gefährden. Doch der Weg aus der russischen Provinz bis an die Weltspitze ist noch weit und kostet Geld. Geld, das erst noch aufgebracht werden muß. Eine Million Rubel fehlen Red Eyes noch, um die Erfindung ausstellungstauglich zu machen. Doch Sponsoren geben sich zugeknöpft, staatliche Unterstützung – Fehlanzeige. Wenn sich das nicht bald ändert, könnten die schlauen Jungs aus Kowrow ja eines Tages auf die Idee kommen, einen Roboter zu entwickeln, der ihnen die fehlenden Rubel aus der nächsten Bank holt. Ein solcher Coup, zu dem hier nicht zuletzt aus Haftungsgründen keinesfalls aufgerufen werden soll, würde zumindest für weltweite Aufmerksamkeit führen, selbst wenn es mit der Schweiz nicht klappen sollte, weil der ewig gültige Spruch auch in Kowrow seine Bestätigung findet: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Read Full Post »


Was man früher einmal Alchemie nannte,  praktizieren heute die Betreiber von Mülldeponien und ihre Patrone aus der Politik. Leider bisweilen zum ruinösen Nachteil von Mensch und Umwelt überall auf der Erde. Auch in der Region Wladimir.

Fischsterben

Das Thema Müll kommt dort nicht aus den Schlagzeilen. In der vergangenen Woche haben erzürnte Anwohner der Deponie Marinskij die Zufahrt blockiert, weil bereits Kolonnen von LKWs den Abfall aus Kameschkowo und bald von allüberallher herankarren, obwohl die Betriebsgenehmigung noch gar nicht erteilt, die Anlage noch nicht fertig ist und niemand kontrolliert, was da so alles illegal abgekippt wird. Nur eines ist klar: Die Abwässer der bisher nicht isolierten Müllhalde fließen ungeklärt in einen Weiher, der bereits als ökologisch tot gilt, und in den entgegen allen Vorschriften nur 50 Meter entfernten Fluß Tschjornaja, ein Laichgewässer unter anderem für den Graskarpfen, in Rußland auch Weißer Amur genannt, das bei Kowrow in die Kljasma mündet, aus der wiederum vielerorts Trinkwasser gewonnen wird – mit aufwendigen Klärmethoden. So ist das eben: Was vorne reinkommt, muß hinten wieder raus. Und irgendwo dazwischen treiben nicht nur die toten Fische, sondern es verenden sogar die Biber.

Wilde Müllkippe im Wald

Der Sache hat sich nun der Wladimirer Sender TV 6 angenommen und sieht sich prompt einer Gegendarstellung der Regionalverwaltung ausgesetzt, in der es heißt: “Am vergangenen Freitag berichtete der Sender TV 6 über angebliche Gewässerverschmutzungen im Bereich der Deponie von Marinskij. Dergleichen geschieht nicht, wie hier öffentlich erklärt wird.”

Deponie

Die Bilder der Journalisten, die zum Ort des Geschehens gefahren sind, sprechen eine andere Sprache, zeigen die einst malerischen Gestade eines Flusses, der seinen einstigen Bewohnern den Tod gebracht hat und seine giftige Fracht weiterträgt in das ohnehin schon stark belastete Kljasmabecken. Doch bei schockierenden Bildern belassen es die Reporter nicht, sie konfrontieren Gouverneur Nikolaj Winogradow mit der Ökokatastrophe und verlangen sein Eingreifen. Doch der behauptet, die Mißstände werden behoben und es gebe keine Alternative zu der Deponie. Die wiederum betreibt ein Oligarch, mit dem der Politiker laut TV 6 befreundet sein soll. Da liegt für den Sender der Verdacht der politischen Patronage nahe. Bevor das geklärt wird, ist aber nun die Staatsanwaltschaft am Zug, um der fortgesetzten Wasserverschmutzung Einhalt zu gebieten und herauszufinden, wie eine Deponie ohne Genehmigung in Betrieb genommen werden konnte.

Hast du dich freiwillig zum Subbotnik gemeldet?

Unterdessen will der Stadtrat Wladimir im Mai ein Gesetz zur Stadtreinigung erlassen, 270 Seiten dick und unter Mitwirkung von mehr als 20 Organisationen entstanden. Und dann ist da noch der Subbotnik, der freiwillige Kehr- und Fegetag, an dem geschätzte 30.000 Wladimirer am letzten Samstag teilgenommen haben, um die Stadt vom Winterdreck zu befreien. Schön und wichtig. Nur auch da ist noch immer nicht geklärt, wohin mit dem Müll, geschweige denn, daß er sortiert und gar wiederverwertet würde. Die sporadischen Aktionen von Schülern, Altpapier zu sammeln, muten da leider eher hilflos an. Wladimir und das ganze schöne Rußland haben endlich ein effektives Programm zur Vermeidung, Sortierung und Aufarbeitung von Haus- und Gewerbemüll verdient – und Politiker, die das umsetzen, bevor auch hier die Triade von Rainer Werner Fassbinder “Der Müll, die Stadt und der Tod” gilt.

Read Full Post »


Giuseppe Arcimboldo hätte sicher seine helle Freude am Carving gehabt, einer traditionelle Kunst, die aus Fernost kommend auch das Abendland erreicht hat. Es geht darum, Obst und Gemüse möglichst dekorativ zu gestalten, eine hochästhetische Form des Auftragens, die den Spruch “das Auge ißt mit” besonders ernst nimmt und dabei die allerköstlichsten Spielarten von Zubereitung und Darreichung der Speisen auf den Tisch bringt.

Giuseppe Arcimboldo

In dieser hohen Kunst der Obst- und Gemüseschnitzerei haben es die Legumiers, Entremetiers und Kaltmamsells aus Wladimir zur wahren Meisterschaft gebracht. Wer in der Partnerstadt je zu einem Bankett geladen war, weiß, was es da an ach so vergänglichen Kleinodien zu bestaunen und zu verspeisen gibt, zu schön, um sie einfach nur zu essen und doch just dafür geschaffen.

Carving, die Obst- und Gemüseschnitzkunst

Nun hat sich ein dreiköpfiges Team aus der Partnerstadt in Moskau die Weihen im Fach der Speisenornamentik erworben und den dritten Platz bei den Offenen Russischen Carving-Meisterschaften belegt. Wie verdient, das werden sicher bald die nächsten Gäste in Wladimir zu sehen und zu schmecken bekommen.

Vielleicht bei einem Chefkoch Kirill Sinitschkin, dem Küchenmeister des Restaurants Wosnesenskaja Sloboda in der Altstadt am Steilufer der Kljasma. Er nämlich hat von den Kulinarischen Weltmeisterschaften in Rumänien die Goldmedaille und den Goldpokal nach Wladimir geholt. Niemand wird ernsthaft erwarten, der Blog könne unter die Deckel sehen und das Erfolgsrezept verraten, und der Meister selbst gibt sich da naturgemäß wortkarg. Nur so viel. Es war eine traditionelle Ucha, eine Fischsuppe mit viel Hechtanteil, von der sich die Jury einmündig überzeugen ließ. Preis gibt er auch noch, das Kochen eher zufällig in seiner Armeezeit gelernt zu haben und sein Faible für die Küche des Nahen Ostens. Alles andere muß man selbst erkosten.

Es ist angerichtet!

Ansonsten sollten Feinschmecker einfach nach ihm oder Anna Schukowa fragen, der Präsidentin des Wladimirer Gastronomenverbands. Essen und Trinken halten eben nicht nur Leib und Seele zusammen, sondern machen auch die Partnerschaft mit Wladimir zu einem Leckerbissen.

Read Full Post »


Nach dem ungewöhnlich langen Winter kam das Tauwetter mit aller Macht auch in die zentralrussische Tiefebene und bis nach Wladimir. Buchstäblich über Nacht schmelzen Eis und Schnee seit drei Wochen dahin, während der Untergrund noch gefroren bleibt. Erst allmählich versickern die Wasser, doch die Flüsse, gerade auch die kleineren, können all das viele Naß noch immer nicht fassen. Wie das von oben aussieht, zeigt eine Reportage des Wladimirer Staatlichen Lokalfernsehens, die hier   http://www.vladtv.ru/#/society/26915/ zu sehen ist. Besonders eindrucksvoll die Mariä-Schutz-Kirche, wie fast in jedem Frühling seit Jahrhunderten umgeben von den Fluten der Nerl, aber immer trockenen Fußes auf ihrem kleinen Hügel.

Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl

Von größeren Schäden wird nicht berichetet, auch wenn der Wasserstand, vor allem entlang der Oka, noch immer steigt und man in manchen Dörfern und Kleinstädten die Gummistiefel nicht zu Hause lassen sollte. Und Wladimir selbst? Da müßte schon eine veritable Sintflut hereinbrechen, um die Stadt am hohen Steilufer der Kljasma zu überschwemmen. Und eine solche nie mehr auf die Menschheit herabzuschicken gelobte Jahwe ja in seinem Neuen Bund mit Noah im Zeichen des Regenbogens.

Regenbogen über dem Wladimirer Land

Read Full Post »


“Nach Angaben des Staatlichen Amtes für Statistik sterben die Russen vor allem daran, daß sie in Rußland leben.” So lautet ein bitter-schwarzer Witz, der leider sehr nahe an der Wirklichkeit ist. Und der bei uns noch immer so gern gehörte Udo Jürgens würde mit seinem Altershit vor russischem Publikum schlichtweg als Zyniker gelten.
 

Engel Anton: "In meiner Kindheit hatten mich alle lieb, malten Bilder von mir..."

 
Aus den nun für 2011 veröffentlichten Zahlen für die Region Wladimir kann man bei der Demographie immerhin einen Trend zum Besseren ablesen: Die Sterblichkeit fiel von 18,7 im Jahr 2007 auf 17,1 je 1.000 Einwohner. Demgegenüber stieg die Geburtenrate im gleichen Zeitraum leicht von 10,1 auf 10,9 je 1.000 Einwohner. Besonders erfreulich der Rückgang der Kindersterblichkeit, die gegenwärtig bei 6,1 auf 1.000 Geburten liegt. Die Lebenserwartung hingegen beträgt gerade einmal gute 66 Jahre. Dabei ist zu bedenken, daß die Männer oft kaum die 60 erleben, während Frauen mit ihren immerhin 75 Jahren und ihrer Mehrheit den Schnitt nach hoben heben.

Nichts kommt unerwarteter als das Alter.

 
Experten sind sich einig: Die demographische Entwicklung läßt sich nur zum Besseren wenden, wenn das Gesundheitssystem effektiver wird und gleichzeitig vor allem die Männer mehr Fürsorge in eigener Sache betreiben und nicht länger nach dem Motto leben “live fast and die young”.
 

Humor kann sogar das Alter verschönern.

 
Vor allem aber – und den Zusammenhang kennt man ja auch in Deutschland – müssen sich die sozialen Verhältnisse ändern. 70% der Russen sehen sich trotz wachsendem Mittelstand noch immer in Armut oder zumindest von selbiger bedroht. Keine Umstände also, in denen man gern in Ruhe alt wird und wo mit 66 Jahren das Leben erst so richtig anfängt.

Read Full Post »


Die Planung läuft schon seit Wochen. Doch als die fünf Sportler vom Wladimirer Radklub “Weles” eintrafen, erging es Dieter Argast wie in der Dreigroschenoper von Bertold Brecht, wo es heißt: “Ja, mach’ nur einen Plan, / sei nur ein großes Licht, / und mach’ dann noch ‘nen zweiten Plan, / gehn tun sie beide nicht.” Mit dem Abholen am Flughafen in München sollte es ebenso klappen wie mit dem Transport der in ihre Einzelteile zerlegten Fahrräder – nicht zuletzt dank einem ungeplanten Einsatz von Rolf Bernard als Fuhrmann vom Bahnhof Erlangen nach Buckenhof, wo die Gäste bei Dieter Argast Station machten.

Doch als es dann daran ging, die Route von Erlangen via Prag nach Jena und von da zurück nach Erlangen festzulegen, wanderte Plan 1 rasch einvernehmlich in die Rundablage: in zehn Tagen nicht zu schaffen, wenn überhaupt, dann nur im Huckepack verfahren streckenweise per Bahn. Ob sich nun Plan 2 - bis Prag per Rad und von dort per Bahn bis Cheb und ab da wieder zurück nach Erlangen mit eigener Muskelkraft - als wirklichkeitstauglich erweist, werden wir erst nach Rückkehr der Gruppe erfahren. Und bestimmt noch einiges mehr. Eines ist jedenfalls jetzt schon klar: Die Planwirtschaft hat in Rußland nur wenig Chancen auf Wiedereinführung, es gibt gute Gründe, warum sie mit der Sowjetunion zu Grabe getragen wurde.

Varianten einer Route

Vor elf Jahren wurde der Radklub mit heute ca. 40 Mitgliedern in Wladimir von Gennadij Stachurlow gegründet. Der Grünen-Politiker, Umweltaktivist und Freizeitsportler hat schon in den 90er Jahren Kontakt zu Erlangen aufgenommen und u.a. mitgeholfen, nach deutschem Vorbild Mülltrennung in seiner Heimatstadt einzuführen. Seit 1998 kennt er Dieter Argast, der noch in seiner Zeit als Stadtrat der Grünen Liste nach Wladimir gereist ist und bis heute Kontakt und Freundschaft hält. Bei ihm werden Gäste auch Ende nächster Woche wieder aufschlagen, bevor sie die Heimreise antreten.

Dieter Argast und Gennadij Stachurlow

Gestern ging es nach einem kleinen Empfang mit Oberbürgermeister Siegfried Balleis auf die Strecke, begleitet auf der ersten Etappe bis zum Monte Caolino von Peter Smolka, der im nächsten Jahr via Wladimir eine weitere Weltumradlung vorhat. Da ist in Erlangens Stadtoberhaupt in Gedanken sicher dabei und schwelgt jetzt schon in Erinnerungen an seine Tandemfahrt mit einer Zehnergruppe als Stafette nach Wladimir, damals 1993 zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum, als er noch Wirtschaftsreferent war.

Siegfried Balleis und die Radler aus Wladimir. Photo: Bernd Böhner

Sieben Jahre später dann, schon als Oberbürgermeister, nahm Siegfried Balleis an einer Rennfahrt von Wladimir nach Susdal teil und kam als zweiter ins Ziel. Gestern nun dafür eine kleine Auszeichnung aus den Händen von Gennadij Stachurlow: das russische Leistungsabzeichen für aktiven Fremdenverkehr. 

Ehrenabzeichen als "Tourist Rußlands" des Russischen Verbandes für Sporttourismus

Auch wenn er noch keine neuen Pläne für eine nächste Radtour durch die russischen Weiten geschmiedet hat, wird sich Siegfried Balleis als erster so geehrter Erlanger dieser Anerkennung sicher würdig zeigen.

Read Full Post »


Montags firmiert in den Lokalteilen der Zeitungen immer der Sport. Da fügt es sich, auch aus Wladimir etwas aus dem Bereich zu berichten, von dem die alten Griechen meinten: Vor den Preis setzten die Götter den Schweiß.

Wahlkampfmüdes Graffiti in Wladimir: Der Russe wählt Sport!!!

Bis zum Preis in London ist es noch weit, aber für 23 Sportler aus der Region Wladimir hat sich der Schweiß bereits gelohnt, denn sie sind vom zuständigen Ministerium in Moskau für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London gesetzt. Sie kommen aus den Disziplinen Boxen, Griechisch-Römisches Ringen, Freistilringen, Reiten, Leichtathletik, Schwerathletik, Schwimmen, Taekwondo und natürlich Turnen. Große Chancen dabeizusein haben Nadeschda Alechina, die russische Meisterin im Dreisprung, und Natalia Wolgina, die eben erst den zweiten Platz beim Supermarathon in Südafrika belegt hat. Als sichere Bank galt aber auch Jekaterina Andrejewa, die dieser Tage in Moskau auf der 200-Meter-Lagen-Distanz mit einer Zeit von 2 Min. 13,30 Sek. zwar Russische Jugendmeisterin wurde, die A-Norm aber nicht erreichte und damit zu Hause bleiben muß. So grausam kann Sport sein. Aber die nächsten Spiele kommen bestimmt.

Read Full Post »


Am vergangenen Donnerstag hat der Wladimirer Ortsverband des Russischen Roten Kreuzes nach Jahren der Stagnation seine Projektarbeit wieder aufgenommen. Zwei Programme – “Licht des Guten” und “Das sollte jeder wissen” – gingen, ausgestattet mit einer städtischen Förderung, an den Start, sprich in die medizinische Berufsfachschule. 70 Studierende kamen zu dem Seminar, das nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Rekrutierung von Ehrenamtlichen diente.

Blick in den Vorlesungssaal

Die nämlich braucht man für die Umsetzung der Projekte: “Licht des Guten” will für etwa 50 bettlägerige und alleinstehende Weltkriegsveteranen häusliche Pflege sicherstellen, und “Das sollte jeder wissen” vermittelt an Schulen, in Betrieben und bei Behörden das ABC der Ersten Hilfe. Um das gewährleisten zu können, hat das Rote Kreuz mit der Berufsfachschule für Medizin  einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, der für die angehenden Pflegekräfte Praktika im Rahmen der Rot-Kreuz-Arbeit vorsieht.

Irina Sokolowa, Olga Dejewa, Jelena Owtschinnikowa

Man braucht aber auch noch etwas anderes, die persönliche Unterstützung durch die Lokalpolitik. Was könnte da besser sein, als Jelena Owtschinnikowa, als berufsmäßige Stadträtin und stellvertretende Bürgermeisterin zuständig für die Bereiche Soziales und Medizin, von Beruf selbst Ärztin und Mitglied des Rot-Kreuz-Vorstandes. Und man braucht vor allem jemanden wie Olga Dejewa, unter deren ehrenamtlicher Leitung, unterstützt von ihrer Stellvertreterin, Irina Sokolowa, der Neustart des Roten Kreuzes in der Partnerstadt zu einem Erfolg zu werden verspricht. Da wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis die Mitglieder des Vereins zur Förderung des Roten Kreuzes in Wladimir helfen, um die Programme mit Spendenmitteln aus Erlangen nach Kräften zu unterstützen. Wer sich dem Verein anschließen möchte, melde sich beim Blog oder direkt beim BRK Erlangen unter 09131/1200100.

Read Full Post »


Einer bereits guten Tradition folgend schreiben die Wladimirer Austauschgäste des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde für den Blog einen Reisebericht. Der ist – nicht zum ersten Mal! – voll des Lobes und Dankes für die Gastgeber am Institut und in den Familien. Wohl berechtigt! Heute also die Rückschau auf drei Wochen im März, erlebt von vier Studentinnen aus der Partnerstadt:

Am 9. März 2012 kamen Jelena Strunina, Xenia Koschenkowa, Jaroslawa Bakujewa aus dem 4. Studienjahr und Juliana Karasjewa aus dem 5. Studienjahr in Deutschland, genauer in der schönen kleinen Partnerschaftsstadt Erlangen an. Man nahm uns dort sehr freundlich auf, Heinz Römermann informierte uns über unseren Studentenplan, und wir lernten unsere Familien kennen. Ich kam zu Familie Fischer und zwei Wochen später zu Familie Kreitz, Jelena wohne bei Frau Aсkermann, Xenia bei Familie Stanek und Juliana bei Frau Gutgesell.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die Gastfreundschaft. Die Familien sorgten sich in einer Weise um uns, die uns nicht kalt lassen konnte. Ich war nicht zum ersten Mal in Deutschland und weiß bereits:  Jede Stadt  Deutschlands ist besonders, hat ihre Sitten und Bräuche, ihren Dialekt, ihre Spezialitäten, ihre eigene Kultur und Geschichte.

Gleich in der ersten Woche begann das Studium, und tags darauf, am Dienstag, trafen wir uns mit Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und Peter Steger im Rathaus und wurden ganz herzlich begrüßt. Und wir konnten schon erzählen, wo wir bereits waren, und wie wir uns auf unsere nächsten Ausflüge mit unseren Familien freuten.

Empfang im Rathaus

Mit meinen beiden Familien (Familie Fischer und Familie Kreitz) konnte ich viel Schönes erleben, die Zeit mit ihnen war unvergesslich, wofür ich mich bei ihnen bedanken möchte. Sie sind die liebsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Meine beiden Familien haben mir sozusagen die Tür des kleinen Deutschlands geöffnet, und mit ihnen erlebte ich die besten Momente meines Lebens. Wir unternahmen so viel gemeinsam, dass mir manchmal  schien, ein Tag sei in zwei Tage geteilt.

Wir waren in Forchheim und Maroldsweisach, wo meine Gastmutter Dagmar aufgewachsen ist und wo wir es uns in einer Brauerei gemütlich machten und ich zum ersten Mal in meinem Leben zu sehen bekam, wie Bier gebraut wird. Und natürlich probierte ich das Bier in Geroldswind, wo mein Gastvater Reinhold geboren ist, in Königsberg, in Bamberg, in Nürnberg, wo ich mit allen drei Mädels war. Dort besuchten wir das Dürer-Haus und konnten sehen, wie der Künstler gelebt und gearbeitet hat.

Mit Familie Kreitz war ich in Rothenburg, wo mir Gerhard die wunderschöne St.-Jakobs-Kirche mit ihrem Zwölfbotenalter und ihrem Heiligblutaltar zeigte. Mit Familie Kreitz besuchte ich an einem Abend einer Fischgaststätte mit eigenem Teich, wo ich zu einem feinen Glas Sekt den leckersten Karpfen kosten konnte.

Die Abende in den Familien waren die schönsten: Bei einem Glas Bier oder Rotwein unterhielten wir uns gemütlich. Ich fühlte mich wie in einem Familienkreis.

Xenia wohnte in Nürnberg, und wir trafen uns nicht so oft, doch auch sie war sehr von ihrer Familie begeistert. Die Familienmitglieder waren richtig aufmerksam und lieb zu Xenia. Mit Familie Stanek verbrachte sie die schönste Zeit, sie waren im Freibad und im Kino, fuhren nach Prag, wo Xenia Verwandte hat, und zusammen mit Jelena nach München, wo sie eine Stadtrundfahrt machten. Und sie gingen natürlich durch die schöne Stadt Nürnberg spazieren.

Da das Wetter schön war, fuhr ich mit Jelena und Juliana Fahrrad. Unsere Abende verbrachten wir manchmal mit Frau Gutgesell, mit der wir Scrabble spielten und uns einfach gut unterhielten. Juliana wohnte bei Frau Gutgesell, mit der zusammen sie viel unternahm, viel mit dem Rad fuhr, außerdem waren sie in Nürnberg und Würzburg. Juliana hat sogar einmal für Frau Gutgesell russischen Suppen wie Schtschi und Borschtsch gekocht. Und sie spielten miteinander viele interessante und lehrreiche Spiele.

Jelena wohne bei Frau Ackermann. Sie war ausgesprochen gastfreundlich und lieb, was Elena sehr berührte. Sie zeigte Jelena viele kleine Dörfer und schöne Städte und unterhielt sich viel mit ihr. Frau Ackermann kümmerte sich sehr um Jelenas Deutsch und erklärte ihr, welche deutschen Wendungen heute im Trend liegen. Schließlich schenkte sie ihr viele Bücher. Gar nicht vorzustellen, wie sehr sich Jelena darüber freute.

Was das Studium angeht, so besuchten wir das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde. Wir lernten viele interessante Lehrer kennen. Wir fühlten uns so richtig frei im Unterricht. Einige Fächer waren ganz neu für uns, wie Korrespondenz oder Fachübersetzung,  aber es machte uns viel Spaß. Die Lehrer waren sehr nett und jeder unterrichtete auf seine eigene Weise, was spannend und sehr lehrreich war. Wir vermissen schon alle die Stunden im Institut.

Wir möchten uns bei allen ganz herzlich für die Gastfreundschaft und für  die gute Möglichkeit bedanken, sich mit der deutschen Kultur sowie mit den Sehenswürdigkeiten Erlangens bekannt zu machen und sich in einem anderen Land wie zu Hause fühlen zu können.

Jaroslawa Bakujewa

Mehr zu dem Besuch unter: http://is.gd/hMsuwN

Read Full Post »

Older Posts »

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.