Wer schon einmal in Wladimir beschenkt wurde oder Gäste aus der Partnerstadt in Erlangen in Empfang nahm, weiß, was man in Gus-Chrustalnyj herstellt: Bleikristall der besten Sorte, zu Sowjetzeiten ein Luxusartikel, heute viel zu oft als Ramschware gehandelt. Nun ist die Konkurrenz aus China und der Türkei so marktbeherrschend geworden, daß das älteste Glaswerk Rußlands seine Pforten schließen muß. Bereits zum dritten Mal in seiner 125jährigen Geschichte.
Bereits im November vergangenen Jahres war die Produktion zum Erliegen gekommen, es war kein Geld mehr da, um elf Millionen Rubel für die Stromrechnung zu bezahlen. 90 Beschäftigte haben seither die letzten Aufträge abgearbeitet, nun, nach getaner Arbeit, stehen sie auf der Straße. Nicht für lange allerdings, verspricht die Geschäftsführung, denn mit Hilfe neuer Investoren und einem den aktuellen Marktgesetzen angeglichenen Konzept wolle man die Produktion bald schon wieder in Gang bringen. Dabei helfen sollen auch staatliche Mittel. Jurij Grischkin, Bürgermeister von Gus-Chrustalnyj, meint dazu: “Einerseits ist die Sache traurig, andererseits bin ich zuversichtlich, daß der Betrieb nach seiner Runderneuerung flexibler auf den Markt reagieren kann. In drei bis vier Monaten kann die alte Belegschaft schon wieder die Arbeit aufnehmen – nach der Umstrukturierung und Modernisierung.
Sein Wort in Arbeiters Ohr. Freuen wird es auch die Souvenirhändler, denn neben den Lackminiaturen aus Mstjora sind die kristallenen Andenken aus Gus-Chrustalnyj ein unverwechselbares Markenzeichen der Region Wladimir, ein schützenswertes industriekulturelles Erbe. Mehr dazu in den beiden ersten Absätzen des Eintrags unter: http://is.gd/uDoWpe



