Es war schon lange überfällig, und es ist gut, diesen ersten Empfang für ehrenamtliche Kräfte im Bereich der Städtepartnerschaften endlich gegeben zu haben. Der Ratssaal vermochte sie am gestrigen Abend kaum zu fassen, all die Gäste, die gekommen waren, um der ersten Verleihung von Ehrenbriefen für Verdienste um die Städtepartnerschaften beizuwohnen. Für 150 Plätze hatte das Hausmeisterteam von Andreas Teuber gesorgt und noch zwanzig Stühle in Reserve gehalten, die fast bist auf den letzten gebraucht wurden, um alle Besucher Platz nehmen zu lassen.
Die Veranstaltung hatte mit einem kleinen Umtrunk begonnen, der Gelegenheit gab, einander kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen. Denn viele kannten einander ja noch gar nicht, und noch weniger wußten überhaupt, was da alles so passiert und organisiert wird im 3. Stock des Rathauses, wo Silvia Klein mit Cornelia Hufeisen, Doris Hinderer und Peter Steger die Städtepartnerschaften und internationalen Kontakte koordiniert, oder in den vielen Freundeskreisen und Partnerschaftsvereinen. Eine kleine “Leistungsschau” der diesjährigen Veranstaltungen von Ajman in den VAE bis zu Venzone, von Besiktas bis San Carlos, gekonnt in Szene gesetzt von der Praktikantin Lea Gleixner, gab da manch unerwarteten Einblick in das Innenleben der vielfältigen auswärtigen Beziehungen Erlangens.
Ausgezeichnet mit dem Ehrenbrief der Stadt Erlangen wurden Dieter Wenzel, emeritierter Professor der Pädiatrie, und der ehemalige Leiter der Volksschule Möhrendorf, Fritz Wittmann, beide den regelmäßigen Bloglesern und Aktiven der Partnerschaft mit Wladimir alles andere als unbekannt. Den Kinderarzt und den Weltkriegsveteran verbindet etwas, auf das nur wenige zurückblicken können: 20 Jahre eines ebenso kraftvollen wie segensreichen Einsatzes für Versöhnung und Völkerverständigung, für hilfsbedürftige alte wie junge Menschen in der Partnerstadt.
Man konnte es Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die es übernahm die Laudatio für Fritz Wittmann vorzutragen, anmerken, welche Hochachtung sie für den Autor des Erinnerungsbandes “Rose für Tamara” empfindet, sie verbarg nicht ihre Anteilnahme und Freude darüber, endlich jemanden auszeichnen zu können, dessen Lebenswerk sie schon lange bewundert. Oberbürgermeister Siegfried Balleis unterbrach seine Laudatio für Dieter Wenzel immer wieder mit Worten der Anerkennung – auch und gerade für den “Kopf und die Faust der Partnerschaft”, seinen Vorgänger im Amt Dietmar Hahlweg und den einstigen Partnerschaftsreferenten und “Chefideologen” der Partnerschaften, Rudolf Schwarzenbach, aber auch für Ursula Rechtenbacher, bis 1990 Bürgermeisterin mit großen Verdiensten um die Beziehungen zu Jena und Wladimir -, ließ es sich aber auch nicht nehmen, den Direktor der Kinder- und Jugendklinik, Wolfgang Rascher, coram publico zu bitten, die Tradition der Zusammenarbeit mit Wladimir fortzusetzen.
Fritz Wittmann hat dieser Tage eine Art Vermächtnis niedergeschrieben, das hier zumindest mit einem Zitat seinen Platz finden soll: “Das ist das verhängnisvolle Defizit im Lauf der Welt, daß sie mit neuen Erfindungen das Leben immer bequemer macht und dabei die ethische Dimension bedenkenlos mißachtet. Wir vertrauen einem System, weil es immer besser funktioniert und nehmen in kauf oder ignorieren, was es zerstört. Wir hören ständig von Reformen und machen dann anders das Gleiche. Unsere Reaktion auf den Klimawandel könnte nur ein Sinneswandel sein. Wir stehen zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit vor der Herausforderung, uns selbst zu ändern. All unsere Bemühungen, Frieden zu schaffen, sind vergebens, wenn wir die Militanz unseres Weltwirtschaftssystems nicht entmilitarisieren. Durch SEINlassen würden wir mehr gewinnen als durch ständiges Mehr-HABENwollen.” Das sagt jemand, der in sich den Krieg besiegt hat und dennoch schmerzlich besorgt ist, angesichts dessen, was wir im Frieden an Gründen für neue Kriege und Katastrophen schaffen. Er kann nur noch warnen und symbolisch seinen Friedenskreis und den Spaten aus Raketentitan, beides in Wladimir gefertigt, an Oberbürgermeister Siegfried Balleis überreichen. Handeln müssen nun andere, wir.
Dieter Wenzel sieht seine Ehrung als Auszeichnung für all die vielen, die an der Aktion “Hilfe für Wladimir” mitgewirkt haben. Bis heute ist er sich nicht sicher, was den Ausschlag für sein Wladimir-Engagement gegeben hat, sein Berufsethos eines Mediziners, der den ganzen Menschen, das ganze Kind sieht, oder aber der auffordernde Zuspruch seiner Frau Angelika, die auch selbst viel zum Gelingen der Hilfsaktionen beigetragen hat. Heute kann der Emeritus befriedigt feststellen, daß sein Einsatz erfolgreich war, er eigentlich Grund hätte, sich verdientermaßen zurückzulehnen. Doch beim anschließenden Empfang schmiedet er schon neue Pläne für weitere Besuche, für die Unterstützung Wladimirs mit Inkubatoren, bei sich zu Hause steht schon wieder medizinisches Verbrauchsmaterial, der Gynäkologe Steffen Lanig, der vor gut zehn Jahren für die Frauenabteilung des Krankenhauses des Traktorenwerks Wladimir das erste Laparaskop spendete, will seine Kontakte wieder aufnehmen… Kurz und gut: Es geht munter weiter.
Lob gab es viel für die Veranstaltung, Ansporn genug jedenfalls, derartige Ehrungen zu einer alljährlichen Tradtion zu machen. Wo sonst noch kommen die Freunde von Eskilstuna und Rennes mit den Aktivisten von Cumiana und Shenzhen zusammen? Wo sonst noch gibt es ein derartiges Forum zum Austausch von Erfahrungen über alle Grenzen der Länder und Kulturen hinweg? Wo sonst noch kann man Menschen ehren, die Erlangens Motto “Offen aus Tradition” erlebbar machen? Fortsetzung folgt also.
Bleibt noch die angenehme Pflicht, Christof Hesse und Verena Wedel für die meisterhafte musikalische Umrahmung der Veranstaltung zu danken. Meisterhaft nicht von ungefähr, denn Christof Hesse gibt seit Jahren ehrenamtlich in Wladimir Meisterkurse für Flöte, und seine aus Baiersdorf stammende Schülerin Verena hat mit ihm in Wladimir bereits als Kind Konzerte gegeben. Da kam der Sonderapplaus auf Aufforderung von Elisabeth Preuß vom Publikum wie das Tutti einer freudig brausenden Festtagsorgel.
Zu guter Letzt zum empfehlenswerten Nachlesen die beiden Laudationes im Wortlaut unter: Laudatio Wenzel und Laudatio Wittmann.











Die Worte von Fritz Wittman in seinem Vermächtnis,hätten in die Rede unseres neuen Bundespräsident zum Jahrestag der Wiedervereinigung gepasst.Ob sich unsere Politiker mit diesen Formulierungen mal Auseinandersetzen?
am besten gefallen hat mir die Frau mit der langen Nase auf em zwoten Bild. Das muss dann die Hinderer oder die Hufeisen sein. harhar
[...] Mehr zum Russionär unter: http://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/09/24/ehrenbriefe-fur-zwei-ehrenhafte-der-partnerschaft [...]