Bei aller ungeahnten Vielseitigkeit der virtuellen Welt, sie kann vieles nur fahl und schal von dem nachbilden, was man draußen unter den Menschen erlebt. Dessen wird man sich wieder einmal so recht bewußt, wenn einem die Ehre zuteil wird, mit Dekan Josef Dobeneck seinen 60. Geburtstag nachzufeiern. Sein Jubiläum hatte er schon am 15. März im großen Kreis seiner Gemeinde St. Kunigunde in Uttenreuth begangen, gestern nun ein Empfang für Freunde und Weggefährten aus Kirche, Politik und Gesellschaft.
Glücklich, wer sich schon um 18.00 Uhr in dem eindrucksvoll schlichten Gotteshaus einfand, in dem Josef Dobeneck seit 1986 als Geistlicher tätig ist. Glücklich, weil er als Introitus zum Wiegenfest “heiter-festliche Orgelmusik” von Christoph Reinhold Morath zu hören bekam. Was der Musiker, Geistliche und Orgelsachverständige der evangelischen Landeskirche dem von ihm gemeinsam mit Domorganist Markus Willinger konzipierten Instrument entlockte, war schlichtweg grandios. Eine präzise jubilierende Toccata und Fuge d-moll von Johann Sebastian Bach, BWV 565, wurde von einem beschwingt ausgelassenen Bólero de Concert des virtuosen Parisers Louis Lefébure-Wely, einem großen Reformator der Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, abgelöst, bevor das Konzert in einer fulminanten “freien Improvisation einer Orgelsymphonie” viel zu früh endete. Da tröstet zu wissen, daß Christoph Reinhold Morath am morgigen Sonntag um 19.00 Uhr im Rahmen der Bach-Agenda 2010 auf seiner Rohlf-Orgel von 1996 ein weiteres Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach, Franz Liszt und Robert Schumann geben wird. Wer Ohren hat zu hören, der komme und staune!
Glücklich aber auch, wer an den vielen Tischen im Pfarrsaal sitzen und in kleiner und großer Runde mit den fast einhundert Geladenen bei einem gepflegten Festtagsschmaus den Jubilar hochleben lassen durfte. Auch wenn der gebürtige Franke sich dem Motto verpflichtet fühlt, “nicht geschimpft ist schon gelobt”, und, wie Landrat Eberhard Irlinger etwas launig anmerkte, nicht viel davon hält, Gegenstand von öffentlichen Preisungen zu sein, blieb ihm doch nicht erspart, sich manches ehrliche Wort der Anerkennung und Hochschätzung anhören zu müssen.
Besonders wird sich das Geburtstagskind über den Auftritt von Oberbürgermeister Siegfried Balleis gefreut haben. Der nämlich trug eine Grußbotschaft aus der Partnerstadt Wladimir vor. Sergej Sujew, Pfarrer der römisch-katholischen Rosenkranzgemeinde, und P. Innokentij, Generalvikar der russisch-orthodoxen Erzdiözese Wladimir, gratulierten dem Bruder in Christo und dankten ihm für seine Unterstützung des ökumenischen Jugendaustausches, des Fördervereins “Nadjeschda”, geleitet von Udo Zettelmaier, sowie für die langjährige Zusammenarbeit. Die währt nun schon zehn Jahre und begann 2000 mit dem Besuch einer Pilgergruppe aus Wladimir, die auch in Uttenreuth Station machte. 2002 führte Josef Dobeneck im tiefsten russischen Winter dann selbst eine Pilgergruppe in die Partnerstadt und reiste 2005 anläßlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes ein zweites Mal in die Partnerstadt.
Ob Josef Dobeneck, seit 1995 Dekan in Erlangen, heuer seine dritte Reise nach Wladimir antritt, ist noch nicht gewiß. Aber der erneuten Einladung wird er sicher bald folgen. Denn es gibt ja auch für ihn viel Neues zu entdecken, nicht nur in der Gemeinde- und Jugendarbeit, sondern vor allem auch im “Blauen Himmel”, einem Projekt des Ordens der Barmherzigen Brüder, die in Gremsdorf eine Langzeiteinrichtung für geistig und körperlich schwerbehinderte Menschen unterhalten. Der Erlebnis-Pädagoge, Andreas Bernard, weiß als Kind des Jugendaustausches mit Wladimir da viel von seinem praktischen Lehrgang im Sommer vergangenen Jahres im “Blauen Himmel” zu erzählen, und Rolf Bernard war erst Anfang des Monats in Wladimir, um den zur unverzichtbaren Tradition gewordenen ökumenischen Jugendaustausch für dieses Jahr vorzubereiten.
Doch zuvor, gleich nach Ostern, geht es für Josef Dobeneck erst einmal in die zweite Heimat, nach Polen. Die Liebe zu Land und Leuten entdeckte der Geistliche schon in seinen Studienjahren, und sie hat ihn nie mehr losgelassen. Dort wird dann der runde Geburtstag zum dritten Mal gefeiert, ganz nach dem russischen Sprichwort “Gott liebt die Drei”.
P.S.: Es hat nichts Gotteslästerliches an sich, wenn Oberbürgermeister Siegfried Balleis von der “Erlanger Dreifaltigkeit” spricht und damit das harmonische Miteinander von Josef Dobeneck mit seinem evangelischen Amtsbruder Peter Huschke und dem evangelisch-reformierten Pfarrer Johannes Mann meint, die natürlich unter den Gratulanten nicht fehlen durften.









[...] Gott liebt die Drei « Erlangen-Wladimir [...]