Daß es bei nun schon seit Wochen anhaltendem nächtlichen Dauerfrost von – 20° C und darunter zu Erfrierungen bei Wladimirer Obachlosen kommt, kann man sich vorstellen, nimmt man fast billigend in Kauf. Auch bei uns, so die Erlanger Nachrichten dieser Tage, schlagen die Berber auf der Suche nach Schutz ihr kaltes Lager etwa in Parkhäusern auf. Da sind gespendete Schlafsäcke und Decken eine willkommene Hilfe. In Wladimir würden die nicht ausreichen. In Wladimir ziehen sich Obdachlose wohl fast ebenso oft Verbrennungen wie Erfrierungen zu. Paradox? Ja, und doch leicht zu erklären. Bei dem Photo handelt es sich um eine Aufnahme nach einer Notfallbehandlung des linken Beckenbereichs des fünfzigjährigen Obdachlosen Sergej Skworzow. Wie viele seiner Leidensgenossen wollte er sich an einer Heißwasserleitung aufwärmen. Manche schlafen sogar, an diese Rohre gelehnt, ein. Doch bis die Wärme durch die von der Kälte steifen Glieder ins Bewußtsein dringt, ist es für die Haut oft schon viel zu spät. Sergej Skworzow bezahlte seinen Wunsch nach Wärme mit 2% seiner Haut, muß stationär behandelt werden und kommt dann in ein Reha-Zentrum für Obdachlose.
Zwischen Erfrierung und Verbrennung
17. Januar 2010 von wladimirpeter
Es gibt Photos, von denen man sich wünscht, man hätte sie nie gesehen, man müßte sie niemandem zeigen – und vor allem, daß sie nie hätten gemacht werden müssen. Es sind Bilder, die uns in den Schlaf verfolgen und uns vor Augen stehen, wenn wir erwachen, die uns nicht mehr loslassen, uns begleiten wie ein visueller Tinitus, nicht wahrnehmbar für die anderen, aber unerbittlich in seiner Allgegenwart. Die nachfolgende Aufnahme gehört zu dieser Kategorie; wer das Photo anklickt und vergrößert, wird Obdachlosigkeit und ihre Folgen von Stund an mit den erschrockenen Augen des mitfühlenden Herzens sehen und vielleicht sogar etwas tun wollen gegen die gleichgültige Untätigkeit von Behörden und Gesellschaft.
Für die geschätzt 1.000 Obdachlosen gibt es in Wladimir gerade einmal 50 Übernachtungsplätze in einem Heim (s. Eintrag im Blog vom 1. Januar 2010). Auch das geplante Wärmezelt wird da nur der berühmte Tropfen auf den kalten Stein sein können. Aber immerhin wäre ein Anfang gemacht, müßten Menschen wie Sergej Skworzow nicht mehr nur zwischen Erfrierung und Verbrennung wählen. Und die gewählten Volksvertreter in Wladimir? Die Obdachlosen-Initiative stellt jetzt Zahlen darüber zusammen, was dem Staat an Kosten durch die Behandlung und Spätfolgen von Erfrierungen und Verbrennungen entstehen. Mit Sicherheit mehr als durch die Bereitstellung von Wärmezelten. Ein Argument, das bei den Behörden verfangen müßte, wenn schon das menschliche Mitgefühl nicht verfängt. Aber selbst das kann dauern. In der Zwischenzeit können die Leser des Blogs mit einer Spende auf das Konto 19-000345, Hilfe für Wladimir “Obdachlose”, BLZ 763 500 00, Stadtsparkasse Erlangen, helfen. DANKE!




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