Unter der Rubrik ”Religion” in der Stichwortwolke hat sich bereits einiges zum Thema “Russisch-Orthodoxe Autonome Kirche” angesammelt und soll deshalb hier nicht nochmals ausgebreitet werden. Nur so viel: Der Kirchenkampf spitzt sich nun zu. Von den einst dreizehn Gotteshäusern, die den Abtrünnigen in Susdal gehörten, sind nur noch drei übrig, darunter die Kathedrale mit dem Sitz des Erzbischofs Walentin. Kirche um Kirche geht an das Erzbistum Wladimir, und die letztinstanzlichen Gerichtsurteile lassen keinen Zweifel aufkommen: Die in den 90er Jahren geschlossenen Verträge haben heute keine Rechtskraft mehr, zumal sich die Gemeinschaft auch umbenannt hat.
Die Gemeindemitglieder proben nun den Aufstand. In der Kathedrale steht ein Sarg mit der Aufschrift: “Tod der kirchlichen Freiheit”, Mahnwachen sind aufgestellt, und es heißt, man werde die letzten drei Gotteshäuser mit allen friedlichen Mitteln verteidigen und notfalls besetzen. Auch von Hungerstreik ist die Rede. Unterdessen räumt man die Kirchen aus und läßt nur das zurück, was vor der aus eigenen Mitteln der Autonomen Kirche durchgeführten Renovierungen schon da war. Ein unwürdiges Schauspiel und weiß Gott (!) kein Ruhmesblatt für den innerkirchlichen Dialog in Rußland.
Wenn das Patriarchat in Moskau und das Erzbistum Wladimir nicht einlenken und den Apostaten nicht wenigstens – in Gottes Namen – die letzten drei verbliebenen Kirchen überlassen und auf ihren rechtlichen Anspruch verzichten, wird es in dem so beschaulichen Susdal unweigerlich zu einem Kirchenkampf kommen. Welch häßliche Seiten der zeigen kann, mußte Erzbischof Walentin im Oktober vergangenen Jahres am eigenen Leib erfahren, als Unbekannte ihn bis zur Bewußtlosigkeit prügelten, als Schmähschriften auftauchten, als Kirchenwände beschmiert und Brandanschläge verübt wurden. Gott bewahre, daß sich dergleichen wiederholt!



