„Wenn ich es mir so recht überlege“, gibt Leonhard Hirl mit seinem sympathisch-verschmitzten Lächeln zu, „tue ich jetzt schon fast wieder die gleichen Dinge wie früher – Papierkram und Verwaltung.“ Nur mit einem entscheidenden Unterschied: Er setzt die Schwerpunkte seiner Arbeit selbst, ist sein eigener Herr, hat ein kleines Imperium im Dienst an psychisch kranken Menschen aufgebaut.
Leonhard Hirl fühlt sich einem Leitspruch von Joseph Beuys verpflichtet, der da lautet: „Das einzige, was sich lohnt aufzurichten, ist die menschliche Seele. Die muß gerettet werden. Dann ist alles andere sowieso gerettet.“ Das klingt schon fast nach einem Seelsorger. Ein Credo ist es in jedem Fall, das ihn durch ein langes Berufsleben geführt hat. Gemeinsam mit seiner Frau Edith, mit der er seit 44 Jahren verheiratet ist, hat er in Erlangen zunächst den Caritas-Verband aufgebaut und geleitet, um dann doch, als diese Organisation das Laufen gelernt hatte, eigene Wege zu gehen und seine sichere Stellung gegen die Unwägbarkeiten und Freiheiten der Selbständigkeit einzutauschen. Zunächst kümmerte er sich zehn Jahre lang um Jugendliche, bis er vor 25 Jahren seine Mission und Lebensaufgabe entdeckte und die gemeinnützige GmbH WAB (Wohnen – Arbeiten – Betreuen) Kosbach gründete.
Der Saal der Barmherzigen Brüder Gremsdorf ist am Freitag nachmittag bis auf den letzten Platz besetzt, und anläßlich des Festaktes kommt sogar Bürgermeisterin Elisabeth Preuß nach Gremsdorf, um ein Grußwort zu sprechen. Peter Lederer, Leiter des Gesundheitsamtes, ist ebenso unter den Ehrengästen wie Brüne Soltau, der eben erst aus dem Amt geschiedene BRK-Vorsitzende des Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt. Gründe gibt es genug, nämlich mindestens 118 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen im Alter von 17 bis 96 Jahren, die in 15 Häusern in der ganzen Region in heilpädagogischen Klein-gruppen von maximal acht bis neun Personen zusammenleben und in den unterschiedlichsten Bereichen, sei es in Werkstätten oder in der Landwirtschaft, arbeiten. Hinzu kommen noch 26 ambulante Plätze.
So etwas ist nur zu leisten, wenn man die Familie hinter sich oder - noch besser – an seiner Seite weiß. Und so sind denn auch Ehefrau Edith, eine ausgebil-dete Heilpädagogin und Supervisorin, und einer der beiden Söhne Mitgesellschafter der gemeinnützigen GmbH, die etwa 70 Fachkräfte beschäftigt. Ungeachtet des karitativen Ansatzes von Leonhard Hirl fordert er vor allem von sich wirtschaftliches Arbeiten und einen Einsatz, der nicht mit der Stechuhr zu messen ist, denn die Einrichtung, die von Kosbach aus gelenkt wird, soll ja auch Gewinn machen, der unmittelbar wieder in den Ausbau des programmatischen Angebots fließt: Wohnen, Arbeiten, Betreuen – WAB Kosbach. Ein schöner Dreiklang!
Einen Ehrenplatz im Blog hat sich die WAB Kosbach dadurch verdient, daß sie fast von Beginn an Partner der Barmherzigen Brüder Gremsdorf bei den Projekten „Lichtblick“ und „Blauer Himmel“ ist. Leonhard Hirl hat sich bei zwei Besuchen in Wladimir von der Idee überzeugen lassen, russischen Fachkräften aus der Psychiatrie und Pädagogik in Erlangen Hospitationen zu ermöglichen. 29 Gäste aus Wladimir absolvierten bis heute in der Einrichtung in der Regel dreimonatige Praktika und versuchen nun, das Konzept bei sich zu Hause umzusetzen, ein Konzept, das sich auch in Deutschland erst hat langsam entwickeln müssen, das aber heute für viele Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen eine ideale Alternative zum Daueraufenthalt in der Klinik oder zur rein medikamentösen Therapie darstellt. In den nächsten Tagen wird schon die dreißigste Hospitantin, Maria Gorbatsch, erwartet. Es geht also gut weiter. Nachzutragen bleibt noch, daß Tochter Barbara, eine freie Journalistin, die für verschiedene Sender arbeitet, in Wladimir eine höchst einfühlsame Reportage über das Projekt „Lichtblick“ gedreht hat, die demnächst hier im Blog vorgestellt werden soll. Für all das und noch viel mehr – Gratulation zum Jubiläum und von Herzen DANKE für die so angenehme und fruchtbare Zusammenarbeit!


