Bürgerreisen nach Wladimir haben eine lange und gute Tradition. Sie bilden das Herzstück der Partnerschaft, bringen sie doch unabhängig von Alter und Beruf Menschen zusammen und schaffen das notwendige Klima des Vertrauens, aus dem heraus dann oft die Lust auf mehr und näheres Kennenlernen wächst. Die ersten Bürgerreisen, noch vor Aufnahme der Städtepartnerschaft bereits ab 1981 vom damaligen Direktor der Volkshochschule, Klaus Wrobel, mit weiser Weitsicht und ergiebigem Erfolg angeboten, dürfen heute sogar als die Wegbereiter im Austausch mit Wladimir gelten. Später hat – hauptsächlich zu Jubiläen - der Stadtverband der Erlanger Kulturvereine unter seinen Vorsitzenden Karl Heinz Lindner und Herbert Hummich mit seinem eindrucksvollen organisatorischen Potential immer wieder Fahrten mit bis zu 350 Teilnehmern angeboten und nach dem eher „kammermusikalischen“ Auftakt der VHS alle Register von Großveranstaltungen gezogen. Nach dem 25jährigen Jubiläum der Partnerschaft mit den gut 300 Gästen aus Wladimir scheint wieder die Zeit für kleinere Formate gekommen zu sein.
Dafür spricht jedenfalls der Erfolg der Bürgerreise, die Wolfram Howein in Zusammenarbeit mit der VHS vom 16. bis 23. Mai veranstaltete. Das hohe Lied auf diesen „Spätberufenen“ der Partnerschaft wurde hier bereits am 23. Dezember 2008 gesungen, und die Suche nach seinem Namen im Blog (ganz oben in der Maske) ergibt eine stattliche Anzahl von Volltreffern, doch, es sei vorweggenommen, nach dieser Fahrt flechten ihm die Teilnehmer einen neuen Kranz. Das Ehepaar Ingrid und Kurt Reiter und Gertraud Lehmann vom Städtischen Museum geben nämlich stellvertretend für alle anderen einmütig zu Protokoll: „Daß die Reise so gut gelungen war, ist vor allem das Verdienst von Herrn Howein, dem wir für die gute Organisation und umsichtige Reisebegleitung bestens danken.“ Elfriede Vittinghoff und Rainer Haerten lassen ihre Photos sprechen.
Der so gelobte würde gewiß umgehend einwenden, daß er ohne die Unterstützung von Irina Chasowa, der Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, die Fahrt so nicht hätte organisieren können. Richtig! Das Erlangen-Haus hat unschätzbare Unterstützung bei der Koordinierung der vielen Termine geleistet, die Transfers vor Ort abgestimmt, für die Dolmetscherbetreuung gesorgt und jede Menge Erfahrungen gesammelt, um in Zukunft vielleicht sogar in eigener Regie touristische Angebote machen zu können. Richtig! Und dennoch: Es war seine Idee, seine Initiative, sein Idealismus.
Während sich die bisherigen Reisen fast ausschließlich auf Wladimir und Susdal mit gelegentlichem Abstecher nach Moskau konzentrierten, führte Wolfram Howein seine Gruppe erstmals auch nach Mstjora, wo die so begehrten Lackmalereien gefertigt werden, und nach Gorochowez mit seiner liebevoll restaurierten Altstadt und den eindrucksvollen Klöstern. Und natürlich zeigte er ihnen seinen „Blauen Himmel“, das Zentrum für Erlebnispädagogik, in dem seit Beginn des Jahres Kinder und Jugendliche mit psychischen Behinderungen Aufnahme finden. „Eine erfreuliche Überraschung erlebten wir am ersten Tag beim Abendessen in einem typischen russischen Restaurant“, fährt Familie Reiter in ihrem Bericht fort, „als uns die Oberbürgermeister von Wladimir und Jena, Alexander Rybakow und Albrecht Schröter, begrüßten. Auf die zusammen mit Erlangen geplante Dreieckspartnerschaft wurde natürlich mit Wodka angestoßen. Eine weitere Wertschätzung unserer Partnerschaft durften wir beim Besuch der Kirche am Nerl erfahren. Der auch in Erlangen als anspruchsvoll bekannte Wladimirer Kammerchor Raspew überraschte uns mit einem 30minütigen Konzert.“ Die Überraschung ist offenbar wirklich gelungen, und der Gesang in dem architektonischen Juwel wird von den Reiseteilnehmern als unvergeßlich geschildert.
Auf der Rückreise nahm die Gruppe einen kleinen Umweg über das Wallfahrtzentrum der russischen Orthodoxie, Sergijew Possad, bevor noch ein ganzer Tag für Moskau reserviert war, wo die Gäste neben den Sehenswürdigkeiten wie Kreml, Roter Platz und Metro zum glücklichen Schluß ein Besuch im Staatszirkus erwartete. Und Wladimir? „Nach fünf Tagen Aufenthalt“, erinnert sich Familie Reiter, „ist uns der Abschied von Wladimir nicht leicht gefallen, denn die gastfreundliche Aufnahme und die offenen Begegnungen haben uns das Gefühl einer sehr guten Partnerschaft vermittelt.“ Da kann man sich nur wünschen, daß die VHS bald wieder gemeinsam mit dem Erlangen-Haus und dem ehrenamtlichen Engagement von Wolfram Howein eine solche Bürgerreise anbietet.


