Liebe Wladimir-Freunde,
ein großer Schritt für mich, ein kleiner für die Partnerschaft. Ich lege nun einen Blog an, ohne noch so recht zu wissen, wie das funktioniert und was das überhaupt bedeutet.
Nehmen wir es als die zeitgemäße Weise der Mitteilung von Meldungen aus der Partnerstadt Wladimir und dem großen Ganzen der Zusammenarbeit beider Kommunen. Es mag und soll wohl auch so manches an persönlichen Eindrücken seinen Platz finden, hauptsächlich will ich mich aber auf tagesaktuelle Nachrichten beschränken und dazu aufrufen, Fragen zu stellen und möglichst viel Bereitschaft zur Mitarbeit zu bekunden.
Das Partnerschaftsjubiläum hat bereits vor dem Eintreffen der 300 Besucher Mitte Oktober begonnen – und zwar mit der Ausstellung von Pater Innokentij, einem Mann, in dessen Gegenwart auch noch der hartgesottenste Agnostiker eine Ahnung von der Gegenwart Gottes erfährt.
Aber keine Sorge, hinter dem Titel der Ausstellung „Gottes Acker“ verbirgt sich viel mehr als nur die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen und doch so ähnlichen Gottesbildern in der Orthodoxie und der Römischen Kirche. Hier präsentiert sich ein reifer Künstler, der seinen Weg von der durchaus ketzerisch gegen die herrschende Ideologie der Sowjetunion der 70er Jahre beseelten Radierung zu einem hochsensiblen und indivduellen, vor allem aber entdeckungsfrohen Blick durch die Linse gemacht hat und sich noch lange nicht an dessen Ende sieht.
Was er sieht, erstaunt, erschreckt, belustigt, begeistert. Es ist dieser berühmte zweite oder auch verfremdete Blick des anderen, durch den wir selbst erst uns und die Welt so richtig entdecken, durch den wir das sehen, was wir sonst übersehen.
Wer Interesse am Dialog der Konfessionen hat, wer seinen Blick wieder schärfen will, wer schon immer einmal wissen wollte, was Franken mit Rußland gemein hat, der versäume diese Ausstellung nicht.
Aber es kündigt sich schon der nächste Gast aus Wladimir an, ganz unerwartet, aber ganz und gar nicht unerwünscht: Vom 7. bis 8. Oktober besucht Vizegouverneur Wladimir Weretennikow Erlangen. Er unterbricht seinen Aufenthalt in München, wo er auf der Expo Real 2008 seine Region vertritt. Der Politiker ist fast von Beginn der Partnerschaft an mit Erlangen eng verbunden, zunächst als Baureferent im Rathaus mit einer Reihe gemeinsamer Projekte, später als selbständiger Geschäftsmann mit Kontakten zu Erlanger Firmen und nun seit gut zehn Jahren als „Wirtschaftsminister“ des Gouvernements Wladimir.
Wie aufstrebend die Region ist, zeigen jüngste Erhebungen, die Wladimir im vorderen Drittel aller Subjekte der Russischen Föderation in bezug auf Investitionen und Wachstum nennen und dabei – Gott sei Dank! – der Region bescheinigen, weit unter dem russischen Durchschnitt hinsichtlich der Korruption zu liegen. Nur ein Beleg dafür: Stollwerk hat unweit von Wladimir eine Schokoladenfabrik gebaut, die mittlerweile von Krafft Food übernommen wurde. Demnächst siedelt sich dort auch Ferrero an. Damit wird die Region Wladimir zur rußlandweit süßesten, – über die Hälfte aller Süßwaren Rußlands werden im Gouvernement Wladimir produziert.
Und noch eine kuriose Meldung: Dieser Tage machte Wladimir in der Welt der Archäologen Schlagzeilen. Mit etwa 120 kg wurde bei Grabungen in der Altstadt die bisher weltweit größte Lagerstätte von Bernstein gefunden. Offenbar handelt es sich um die Vorräte eines Kaufmanns und Adeligen, die wie durch ein Wunder den Mongolensturm überstanden haben. Ein Speziallabor in Moskau untersucht nun die genaue Herkunft des Schatzes und dessen mutmaßliche Verwendung.



Lieber Herr Steger,
eine ganz tolle Sache, dieser blog.
Meine persönliche Hochachtung dafür!
Ich wünsche dem blog eine rege Beteiligung.
Gerhard Kreitz